In einer an Innovationen eher armen Branche setzt der nordIX European Consumer Credit Fonds Maßstäbe: Der 2021 aufgelegte Publikumsfonds investiert in europäische Konsumentenkredite. Die stabile Rendite und die niedrige Volatilität beeindrucken, sollten aber keinesfalls als Hexenwerk missverstanden werden. Unser Deep‑Dive.
Der nordIX European Consumer Credit Fund investiert über ein Verbriefungsvehikel in europäische Konsumentenkredite und schafft damit Anlegern einen regulierten Zugang zu einem Markt, der bislang von Lending‑Plattformen dominiert wird. Nach einer längeren Aufbauphase bis 2023 blickt das dreiköpfige Team um Fondsmanager Claus Tumbrägel auf erfolgreiche drei Jahre zurück. Die Rendite hat sich in einer Spanne von 6,0 bis 6,5 Prozent pro Jahr eingependelt, und das bei einer Volatilität von unter einem Prozent pro Jahr und einer geringen Duration. Diese Erfolgsbilanz ist nicht unbemerkt geblieben. Inzwischen ist das Fondsvermögen auf rund 240 Millionen Euro gestiegen. Wie dieses auf den ersten Blick beeindruckende Rendite‑Risiko‑Profil zustande kommt, ob die Opportunitäten mit den Zuflüssen Schritt halten können und warum die Bewährungsprobe noch aussteht.
Regulierter Zugang zu Konsumentenkrediten
Der Fonds liefert Anlegern einen regulierten Zugang zu europäischen Konsumentenkrediten außerhalb klassischer Bankbilanzen. Die Kredite stammen von Fintechs und Plattformen, die entweder direkt oder – wie in Deutschland der Fall – über Partnerbanken Konsumentenkredite vergeben. Das Volumen der ausstehenden Verbraucherkredite in der Eurozone liegt laut EZB bei über 800 Milliarden Euro und ist damit rund ein Viertel größer als der viel prominentere Markt für Euro‑Hochzinsanleihen. Bei kurzen Laufzeiten von 12 bis 18 Monaten macht das jährliche Neugeschäft mehr als die Hälfte des Bestands aus; laut dem Fondsmanagement macht der Fintech‑Sektor rund 5 Prozent des Gesamtmarktes aus, in Ländern wie Großbritannien ist der Anteil der Nichtbanken‑Anbieter deutlich höher. Der adressierbare Markt wächst seit Jahren, aber das dem Fonds zugängliche Universum ist relativ klein.
Die Portfoliostruktur
Das Portfolio umfasst über 100.000 Einzelkredite, verteilt auf mehr als 20 Plattformen u.a. in der Schweiz, Litauen, Niederlande, Belgien, Slowakei, Schweden, Island, Finnland, Tschechien, Lettland, Dänemark, Spanien, Deutschland und Großbritannien. Die aktuelle Portfolioübersicht weist größere Allokationen unter anderem auf Savelend in Schweden (30,4 Mio. Euro, erwarteter Return 8,5 Prozent p. a.), Auxmoney in Deutschland (28,7 Mio. Euro, 6,5 Prozent), Ibancar in Spanien (13,4 Mio. Euro, 8,6 Prozent), Finbee in Litauen (12,3 Mio. Euro, 9 Prozent) sowie mehrere britische BNPL‑ und P2P‑Anbieter aus. Die erwarteten Renditen je Plattform reichen von 3,0 Prozent (Mozzeno, Belgien) bis 15,0 Prozent p. a. (Orka Ventures, Tschechien, Bridge‑Finanzierungen).
Quelle: NordIX AG
Das im vergangenen Jahr stark gestiegene Fondsvolumen ist laut Management eher ein Vorteil als ein Nachteil: Die Verdoppelung der Fondsgröße in rund einem Jahr habe nicht zu einer Verschlechterung der Kreditqualität geführt, sondern habe vielmehr die Verhandlungsposition des Fondsmanagements verbessert. Während das Team um Tumbrägel anfänglich bei einigen Plattformen wegen des geringen Fondsvolumens vergeblich anklopfte, werde der Fonds heute als relevanter Investor wahrgenommen – und mit Krediten versorgt. Zuletzt sind große Plattformen wie Auxmoney und mehrere britische Plattformen hinzugekommen. Bei aktuellen Zuflüssen von 10 bis 15 Millionen Euro pro Monat können laut Fondsmanagement monatlich bis zu rund 20 Millionen Euro investiert werden. Es gibt also Luft nach oben.
Das gestiegene Volumen und die gewachsene Zahl an angebundenen Plattformen haben die Anforderungen an die Due‑Diligence‑Kapazitäten erhöht. Das Fondsmanagement ist in den vergangenen 2,5 Jahren gewachsen. Claus Tumbrägel ist seit Auflage im April 2021 Portfoliomanager des Fonds und Vorstand der nordIX AG. Er bringt langjährige Fixed‑Income‑Erfahrung aus Handels‑ und Vertriebsfunktionen bei HSBC und HSH Nordbank mit. Seit 2024 bzw. 2025 wird er im Portfoliomanagement von Laurent Millet und Anika Schottstedt unterstützt. Millet war über 20 Jahre im Aktienfondsmanagement tätig, davon 15 Jahre als Fondsmanager; Schottstedt kommt aus dem Bereich Controlling und Steuerung komplexer Immobilien‑Spezialfonds.
Risiko und Rendite
Auf der Mikroebene gibt es das Ausfallrisiko einzelner Kredite. Dieses Risiko hängt am Kreditzyklus. Aktuell belaufen sich die Abschreibungen im Fonds auf etwa vier Prozent. Das ist vertretbar, allerdings hat der Fonds noch keinen Kreditzyklus durchgemacht, sodass der Ernstfall noch nicht eingetreten ist. Die granulare Struktur des Fonds beruhigt allerdings. Ein zweites Risiko ist das Plattformrisiko. Dieses hat das Management adressiert: Der nordIX European Consumer Credit Fonds partizipiert nicht über Besicherungsmechanismen an Kreditforderungen, sondern er erwirbt die Forderungen vielmehr über „True‑Sale“-Transaktionen. Der Fonds (beziehungsweise das von ihm eingesetzte Sondervehikel, SPV) ist damit Eigentümer der Forderungen. Das begrenzt die direkte Abhängigkeit von Plattformen, erhöht aber die Verantwortung, bei einem Ausfall von Originator oder Servicer funktionierende Ersatzmechanismen zu haben.
Für den Ausfall eines Originators oder Servicers bestehen Backup‑Strukturen über Inkasso‑ und Servicing‑Partner, die bei Bedarf die Betreuung der Forderungen übernehmen können. Der Ernstfall wurde bereits durchexerziert: Nach der Insolvenz einer spanischen Plattform Anfang 2023 mit einem Portfolio‑Gewicht von zeitweise mehr als 10 Prozent des Fondsvolumens mussten Ersatz‑Servicer organisiert werden; der Vorfall kostete den Fonds etwa 0,75 Prozent an Performance.
Rendite, Ausfälle, Stressszenarien
Angesichts der Abschreibungsquote von vier Prozent und bei einem Geldmarktzins von gut zwei Prozent beläuft sich die Bruttorendite auf rund 7,5 Prozent vor Fondskosten (T‑ und C‑Tranchen: 1,1 Prozent pro Jahr). Eine Szenariomatrix kalkuliert wie folgt: Bei der aktuellen Abschreibung liegen die simulierten Bruttorenditen je nach Euribor‑Niveau zwischen 6,71 und 8,38 Prozent; bei einer Verdopplung der Abschreibungen verbleiben 5,33 bis 6,99 Prozent vor Kosten. Damit kann die Strategie auch bei deutlich höheren Ausfällen rechnerisch eine Rendite deutlich oberhalb klassischer Geldmarktprodukte erzielen – vorausgesetzt, die Annahmen zu Zinsniveau und Abschreibungsverhalten halten.
Nach einer längeren Aufbauphase von 2021 bis 2023 lieferte der Fonds 2024 eine Performance von 6,15 Prozent, 2025 waren es 6,25 Prozent, und per Anfang Juli 2026 weist der Fonds eine Performance von 3,24 Prozent in diesem Jahr aus. Angesichts der extrem niedrigen Volatilität von 0,47 Prozent liegt die Sharpe Ratio bei fast schon absurd hohen 6,48. Auch wenn die stetig eintickernden Ratenzahlungen zum ruhigen Renditeprofil beitragen, ist die glatte Performance‑Kurve auch dem Umstand geschuldet, dass die Preisfeststellung beim Fonds zenmäßig nur zweimal im Monat stattfindet. Intraday tausendfach gepreiste ETFs befinden sich in einem – recht zappeligen – Paralleluniversum.
NordIX European Consumer Credit: Fazit
Der nordIX European Consumer Credit Fund erschließt Anlegern in regulierten Fonds über die Verbriefungsstruktur eine interessante Nische des europäischen Anleihenmarkts, wobei der Markt der verbrieften Konsumkredite ein Zwitter zwischen Bankkredit und Kapitalmarkt‑Anleihe darstellt. Der Fonds liefert eine Eigentümerstellung an den Krediten, eine breite Diversifikation über Plattformen, Länder und Einzelkredite. Aus den erschlossenen Kreditplattformen lassen sich plausible Renditeprofile unter unterschiedlichen Stressszenarien modellieren.
Offen bleibt vor allem, wie belastbar diese Konstruktion über einen vollständigen Kreditzyklus hinweg ist und wie sich das Modell in einer ausgeprägten Rezession mit deutlich steigenden Ausfällen verhält. Bisher stammt die positive Historie aus einer Phase mit Zinswende, aber ohne flächendeckenden Zahlungsschock bei Konsumentenkrediten. Indes ist klar, worum es sich beim nordIX European Consumer Credit Fonds nicht handelt: ein opportunistisches Hochrenditeprodukt. Vielmehr lieferte der Fonds seit 2024 jedes Jahr sehr stetige Erträge; die mögen zwar geglättet sein, was die Volatilität nicht indikativ für die echten Risiken erscheinen lässt. Doch auch Stressszenarien liefern keine Indikation dafür, dass der Fonds bei steigenden Ausfällen dramatisch einbrechen würde. Für Portfoliomanager und risikobewusste Anleger trägt der Fonds jedenfalls dazu bei, die Fieberkurve der Kapitalmarktkurse zu senken und das Portfoliorisiko angenehm zu dämpfen. 200 Basispunkte mehr als der Geldmarkt dürften auch in unfreundlichen Zyklusphasen drin sein.
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Alle Beiträge ansehenAli Masarwah ist Fondsanalyst und Geschäftsführer von envestor. Er beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Fonds und ETFs, zuletzt als Analyst beim Research-Haus Morningstar.