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Nvidia-Aktie: Ein Quartal der Superlative – Peak AI-Boom?

NVIDIA hat starke Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt und damit – getragen vom Data-Center-Geschäft – die Markterwartungen deutlich übertroffen. Wir beleuchten die Zahlen und analysieren sie insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über die Nachhaltigkeit des KI-Booms.

Quartalszahlen im Detail

Für das am 26. Oktober 2025 beendete Quartal meldete NVIDIA einen Umsatz von 57,0 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 22 Prozent zum Vorquartal und 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Konsens lag bei 55,4 Milliarden Dollar, die Erwartungen wurden damit klar übertroffen.

Die Bruttomarge erreichte 73,4 Prozent (GAAP) und lag damit leicht über dem Vorquartal. Das operative Ergebnis belief sich auf 36,0 Milliarden Dollar, der Nettogewinn auf 31,9 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie lag bei 1,30 Dollar, ebenfalls oberhalb der Marktschätzungen.

Der zentrale Wachstumstreiber bleibt das Rechenzentrums-Geschäft. Mit 51,2 Milliarden Dollar Umsatz legte das Segment im Jahresvergleich um 66 Prozent zu und lag klar über den Schätzungen des Marktes (rund 49,7 Milliarden Dollar). Mit einem Anteil von rund 90 Prozent am Gesamtumsatz entscheidet das Data-Center-Geschäft inzwischen praktisch allein über die Entwicklung des Konzerns.

Innerhalb des Segments zeigt sich eine bemerkenswerte Dynamik: Die neueste Blackwell-Generation (GB300) stellt bereits zwei Drittel aller Blackwell-Auslieferungen und treibt den größten Teil des Wachstums. Selbst die im Jahr 2019 eingeführte Ampere-Generation (A100) läuft nach Angaben des Managements weiterhin mit hoher Auslastung – ein Hinweis darauf, wie langlebig NVIDIAs Systeme in produktiven Umgebungen eingesetzt werden.

Das Netzwerkgeschäft – Switches, Verbindungen und Infrastruktur – erzielte 8,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 162 Prozent im Jahresvergleich. Es zeigt, dass der operative Aufbau neuer Rechenzentren immer stärker skaliert und eine zentrale Rolle im aktuellen KI-Zyklus einnimmt.

Die übrigen Bereiche bleiben solide, aber vergleichsweise klein:

– Gaming: 4,3 Milliarden Dollar (+30 Prozent)

– Professional Visualization: 760 Millionen Dollar (+56 Prozent)

– Automotive: 592 Millionen Dollar (+32 Prozent)

Zusammen kommen diese Segmente auf weniger als zehn Prozent des Konzernumsatzes und spielen für die kurzfristige Geschäftsentwicklung kaum noch eine Rolle.

Im laufenden Jahr hat NVIDIA bereits 37 Milliarden Dollar über Aktienrückkäufe und Dividenden an seine Anteilseigner zurückgeführt. CFO Colette Kress betonte im Earnings Call, dass die finanzielle Stärke trotz der hohen Ausschüttungen ausreicht, um die Lieferkette weiter auszubauen.

Ausblick

Die Prognose von 65 Milliarden Dollar Umsatz für das vierte Quartal liegt erneut über den Marktschätzungen und zeigt, dass NVIDIA trotz des bereits sehr hohen Ausgangsniveaus mit weiterem Wachstum rechnet. Entscheidender als die reine Zahl ist jedoch die strategische Einordnung aus dem Earnings Call:

– Das Unternehmen rechnet damit, bis Ende 2026 rund 500 Milliarden Dollar an Nachfrage für die Generationen Blackwell und Rubin bedienen zu können.

– Die großen Cloud-Anbieter haben ihre Investitionsprognosen für 2026 auf etwa 600 Milliarden Dollar angehoben.

– Die Auslastung der installierten NVIDIA-Infrastruktur – von der jüngsten Generation bis zu Ampere – bleibt nach Managementangaben hoch.

Zugleich ist die Basis im Jahresverlauf so stark angestiegen, dass die prozentualen Wachstumsraten in den kommenden Quartalen zwangsläufig niedriger ausfallen dürften. Das absolute Umsatzniveau allerdings verschiebt sich weiter nach oben.

Positiv

Das Zahlenwerk spiegelt die außergewöhnliche Marktdynamik in der Rechenzentrumswelt wider. Data Center und Networking wachsen nicht nur mit hohen Raten – sie wachsen inzwischen auch auf einem Niveau, das im Hardwarebereich kaum vergleichbar ist.

Ein weiterer Pluspunkt ist die technische Basis: Blackwell kommt deutlich schneller im Markt an als erwartet, und gleichzeitig behalten Vorgängergenerationen wie Ampere eine hohe Nutzungsdauer. NVIDIA-CEO Jensen Huang betonte im Earnings Call, dass NVIDIA „in allen Phasen von KI-Anwendungen“ führend sei – von Training über Optimierung bis hin zum produktiven Einsatz. Diese Breite verschafft dem Unternehmen einen entscheidenden Vorteil gegenüber Wettbewerbern.

Hinzu kommt die finanzielle Stärke: Hoher operativer Cashflow, ein konsequentes Ausschüttungsprogramm und langfristige Abnahmevereinbarungen mit Lieferanten ermöglichen NVIDIA, das enorme Wachstum überhaupt zu stemmen.

Negativ

Die Bruttomarge liegt im Jahresvergleich niedriger. Mit 73,4 Prozent bewegt sie sich zwar weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau, doch die Einführung neuer Produktgenerationen und der Ausbau der Kapazitäten führen zu höheren Kosten. Das Management wies darauf hin, dass steigende Inputpreise – etwa bei Speicher oder Komponenten – die Marge belasten und stetige Effizienzgewinne notwendig bleiben.

Zudem bleibt das China-Geschäft ein Unsicherheitsfaktor. Das speziell adaptierte H20-Modell erzielte im Quartal nur einen Umsatz von 50 Millionen Dollar, da größere Bestellungen aufgrund der Belastungen durch die hohe Politik ausblieben. Dafür rechnet NVIDIA im aktuellen Umfeld auch für die kommenden Quartale nicht mit einem starken Beitrag aus China.

Schließlich verschiebt sich das Geschäftsmodell immer stärker auf einen einzigen Bereich: Das Rechenzentrums-Geschäft entscheidet inzwischen fast vollständig über die Entwicklung des Quartals. Gaming, Automotive oder Visualisierung wachsen zwar solide, sind aber im Verhältnis zum Data Center nicht mehr relevant.

Fazit & Bewertung

Die NVIDIA-Quartalszahlen haben wieder einmal die strategische Ausnahmerolle des Unternehmens in der neuen Rechenzentrumswelt bestätigt. Der starke Umsatzanstieg, die hohe Profitabilität und die Ausführungen im Earnings Call zeigen, dass sich der KI-Zyklus weiter beschleunigt. 

Jensen Huang formulierte es treffend, als er die Diskussion über eine vermeintliche „Blase“ kommentierte: Aus Sicht des Unternehmens befinde man sich am Beginn eines grundlegenden Wandels der gesamten Recheninfrastruktur. Der Markt reagierte positiv auf die Zahlen: Die NVIDIA-Aktie legte nachbörslich um 5,8 Prozent zu.

In den vergangenen Monaten rückte allerdings zunehmend die Frage in den Fokus, ob sich in der KI-Industrie ein geschlossener Kreislauf bildet, in dem wenige Unternehmen Kapital, Infrastruktur und Nachfrage untereinander bündeln. Die Sorge ist weniger ein finanzieller Trick, sondern die strukturelle Konzentration: Ein kleiner Kreis von Hardware-, Cloud- und Modellanbietern dominiert zentrale Wertschöpfungsstufen, was den Markt verletzlicher macht, falls das enorme Investitionstempo einmal nachlässt.

NVIDIA steht im Zentrum dieser Entwicklung. Das Unternehmen profitiert stark vom KI-Ausbau und hat über Jahre ein funktionales Monopol aufgebaut: Die Softwareplattform CUDA (Compute Unified Device Architecture), die NVLink-Netzwerkarchitektur und die Blackwell-Chips definieren Branchenstandards. Für NVIDIA ist das ein klarer Vorteil – doch für andere Unternehmen bedeutet es wachsende Abhängigkeit, weil Alternativen technisch und ökonomisch kaum mithalten können und Investitionsentscheidungen zunehmend von NVIDIAs Produktzyklen bestimmt werden.

Bewertungsseitig spiegelt sich diese Stärke im Kurs wider. Auf Basis der Schätzungen für das kommende Jahr liegt das KGV bei stolzen 41 und fällt in den Prognosen für 2027 auf 21. Das entspricht aber auch den zukünftig niedrigeren Wachstumsraten. Mit einem EV/Sales von rund 21 und einem EV/EBITDA von etwa 35 für 2026 liegt die Bewertung von NVIDIA deutlich über dem Branchenschnitt, was die außergewöhnliche Wachstums- und Margenstärke des Data-Center-Geschäfts widerspiegelt.

Damit bleibt NVIDIA das reinrassigste Exposure auf den globalen KI-Ausbau – auch wenn die Bewertung inzwischen hoch ist. Das erhöht zwangsläufig das Rückschlagpotenzial, falls die Investitionswelle einmal an Dynamik verliert. Genau hier liegt der zentrale Unsicherheitsfaktor: Noch ist nicht abschließend geklärt, wie sich die Monetarisierung generativer und agentischer KI langfristig entwickelt, und wer auf den verschiedenen Stufen der Wertschöpfung überhaupt nachhaltig Geld verdient.

Die aktuelle Nachfrage wird vor allem von Hyperscalern, großen Softwareplattformen und einigen KI-Pionieren getragen. Sie investieren Milliardenbeträge in Rechenzentren, um ihre Modelle zu trainieren und wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch auf der Ebene der Anwendungen ist das Bild deutlich diffuser: Dienste wie ChatGPT wachsen rasant, doch die Monetarisierung pro Nutzer bleibt begrenzt, und die Kosten für Training und Inferenz steigen mit jeder Modellgeneration. Ob diese Modelle irgendwann genügend Cashflow erwirtschaften, um den heutigen Hardwarehunger dauerhaft zu tragen, ist offen.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Derjenige, der am meisten profitiert, ist nicht zwingend derjenige, der den Service anbietet, sondern derjenige, der die Infrastruktur liefert. NVIDIA verdient an jeder GPU, unabhängig davon, ob ein Start-up, ein Hyperscaler oder ein Modellanbieter am Ende einen positiven Deckungsbeitrag erzielt. Damit trägt NVIDIA weit weniger ökonomisches Risiko als jene Unternehmen, die versuchen, KI-Anwendungen zu monetarisieren. Für den Rest des Marktes bleibt die Frage, wie viel Zahlungsbereitschaft am Ende tatsächlich beim Endkunden ankommt – und ob die wirtschaftliche Basis der Modelle groß genug ist, um die aktuell historisch hohe Investitionsquote zu rechtfertigen.

Gerade diese Unsicherheit macht deutlich: Die strukturelle Nachfrage nach Beschleunigern ist heute zweifellos stark, aber sie hängt an einem relativ kleinen Kreis von Abnehmern und an der Annahme, dass die Monetarisierung der KI-Modelle zukünftig deutlich besser funktioniert als heute. Sollte sich dieses Gleichgewicht verschieben, wäre NVIDIA als Infrastruktur-Lieferant zwar später betroffen als andere – aber die Aktie trägt dennoch ein erhöhtes Korrekturrisiko, weil ihre Bewertung bereits einen fast reibungslosen Durchmarsch der gesamten KI-Ökonomie einpreist. Dazu kommt: Anleger sind schon Hals über Kopf investiert. Wir bleiben für den Gesamtmarkt vorsichtig. Es ist durchaus möglich, dass wir neue Höhenflüge sehen, aber das Rückschlagpotenzial ist erheblich – vor allem für die großen Unternehmen im Technologiesektor.

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Autor

  • Steffen Gruschka ist CFO und Co-Geschäftsführer von Envestor. Er ist seit über 25 Jahren Fondsmanager für Emerging-Markets-Aktien, zunächst bei der DWS, heute bei Pyfore Capital, wo er als Berater für den Emerging Markets Digital Leaders verantwortlich zeichnet.

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