In der aktuellen Corona-Krise ist überdachtes Handeln gefragt – oder professionelle Hilfe

Als wir zu Jahresbeginn das Jahr 2020 zu einem Jahr entscheidender Wendepunkte erklärt haben (Teil 1 – Teil 2 – Teil 3), haben wir nicht damit gerechnet, dass sich diese Prognose so schnell und so drastisch bewahrheiten könnte. Zwar hatten wir – im Rückblick richtigerweise – gewarnt, dass luftige Bewertungen keinerlei Spielraum für negative Überraschungen ließen, aber das Ausmaß und die Geschwindigkeit des aktuellen Crashs läßt auch uns staunend und beinahe fassungslos zurück. 

Anleger brauchen nun einen kühlen Kopf und langen Atem: Solche Aussagen mögen ein Allgemeinplatz sein, trotzdem sind sie wahr. Denn gerade in Zeiten der Panik entstehen irrationale Bewertungen, die als machtvolle Renditequelle genutzt werden können. In den nächsten Wochen wollen wir daher vermehrt die sich aus unserer Sicht aktuell auftuenden Chancen und Risiken beleuchten – und beginnen heute mit den eklatantesten Verzerrungen. 

Nach dem Crash: Die größten Chancen und die größten Risiken

Der Crash der letzten Tage war sowohl in Sachen Ausmaß als auch in Sachen Geschwindigkeit außergewöhlich. Praktisch niemals zuvor sind Märkte so schnell und gleichzeitig so stark gefallen. Die Corona-Panik hat Aspekte einer Krise im Zeitraffer. Aber es gibt noch weitere Aspekte, die ungewöhlich sind: Wenn die Zeichen auf Sturm stehen, fallen normalerweise sowohl Nebenwerte als auch Emerging Markets schneller und stärker als Standardwerte. Beides ist im aktuellen Crash nicht der Fall und wir sehen hierin einen Beleg für unsere Einschätzung, dass insbesondere Standardwerte relativ gesehen eher unattraktiv sind. Insofern bleiben wir bei unserer Einschätzung, dass Emerging Markets und günstig bewertete Nebenwerte langfristig gesehen ein attraktives Chance-Risiko-Profil aufweisen. Infolge des Crashes erscheinen beide jetzt sogar absolut gesehen als langfristig günstig bewertet.

Als langfristig überaus ungünstig erscheint hingegen der Ausblick bei Staatsanleihen: 30-jährige Bundesanleihen liegen dank der Panik jetzt bei einer Rendite von -0,3% p.a., der Staat bekäme also Geld geschenkt, würde er sich welches leihen. Das ganze Ausmaß dieses widersinnigen Umstandes wird deutlich, wenn man die 2050 fällige Bundesanleihe betrachtet: Sie weist bei einem Zins von genau Null aktuell einen Kurs von 110 auf. Wer diese Anleihe heute kauft, verliert langfristig mit Sicherheit 10% seines Geldes. Berücksichtigt man zusätzlich das enorme Kursrisiko im Falle eines zwischenzeitlich Zinsanstieges, dann wird klar: Das Chance-Risiko-Verhältnis eines solchen Investments ist geradezu unglaublich schlecht. Anleger sollten daher Ihre Engagements in entprechenden Fonds oder ETFs dringend überdenken. Möglicherweise bietet die aktuelle Krise die letzte Chance auf einen guten Ausstieg.

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