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100 Jahre Aktien‑Performance: Auf der Suche nach der Superstar‑Strategie

Der US‑Aktienmarkt ist eine gewaltige Wohlstandsmaschine – aber fast alle Gewinne stammen von einer kleinen Elite von Unternehmen. Eine Studie sucht nach der Superstar-Strategie für Aktien.

Was treibt die Performance von Aktien? Sind konzentrierte Strategien, die auf der Auswahl von Einzeltiteln basieren, die Reichmacher? Oder ist Diversifikation die eigentliche Superstar-Strategie? Der Finanzwissenschaftler Hendrik Bessembinder hat den Anspruch, die Weltformel des Investierens zu finden. Der Akademiker von der Arizona State University ist seit 2018 den Langfristrenditen des US‑Aktienmarkts auf der Spur. Vor wenigen Wochen war es so weit: Die Studie „One Hundred Years in the U.S. Stock Markets“ blickt auf die langfristige US‑Börsengeschichte zurück. Bessembinder betrachtet dabei knapp 30.000 Aktien, die von 1926 bis Ende 2025 an US‑Börsen gelistet waren. Zwei Fragen standen für ihn im Vordergrund:

  • Was aus einem Dollar geworden wäre, wenn man von der Erstnotiz bis zum Delisting dabeigeblieben wäre (inklusive Wiederanlage der Dividenden)?
  • Wie sieht der „Shareholder Wealth Creation“-Effekt aus, also wie viel Vermögen eine Firma ihren Aktionären insgesamt gegenüber risikolosen Geldmarktpapieren (US‑Treasury Bills) eingebracht hat?

Weil Bessembinder in seinen Studien auch den Einfluss einzelner Aktien misst und die Entwicklung des Medians der Aktien betrachtet (und nicht nur mit den üblichen Durchschnitten arbeitet), waren wir sehr gespannt auf die Frage: 100 Jahre Aktien‑Performance – wer hat Anleger reich gemacht? Was konnten Stockpicker im Vergleich zu Index‑Anlegern erwirtschaften? Wodurch lassen sich die Renditen erklären? Lassen sich aus den Erkenntnissen der Studie realistische Thesen und Strategien ableiten?

Der Markt war genial, einzelne Aktien nicht

Das Ergebnis ist zweigeteilt. Auf der Ebene des Gesamtmarkts war Aktienbesitz ein hervorragendes Geschäft: Der wertgewichtete US‑Aktienmarkt wuchs auf das 15.041‑Fache an, was einer jährlichen Rendite von 10,1 Prozent entspricht. Ein Dollar in kurzfristigen Staatsanleihen brachte es dagegen nur auf gut 25 Dollar, rund 3,3 Prozent jährlich. Der langfristige Aktien‑„Risikozuschlag“ gegenüber sicheren Zinsanlagen lag also bei knapp sieben Prozentpunkten pro Jahr – eine enorme Prämie für das eingegangene Risiko.

Ganz anders sieht es aus, wenn man nicht den Markt als Ganzes, sondern die einzelnen Aktien anschaut. Die mittlere Aktie (der Median) lieferte über ihre gesamte Lebenszeit ein Minus von knapp sieben Prozent. Nur rund 48 Prozent der Aktien machten überhaupt ein Plus, und nur gut 41 Prozent lieferten eine bessere Rendite als kurzfristige Staatsanleihen. Investments in die meisten Einzelaktien waren langfristig also keine gute Idee. Warum? Nun, wie Bessembinder ermittelt hat, wurde der „Markt“ von einer Minderheit von Überfliegern nach oben gezogen.

Marktkapitalisierung oder Stockpicking?

Für Anleger lautet der wichtigste Befund: Wer naiv und stur nach Marktkapitalisierung investiert hat – also immer den gesamten Markt im Paket gekauft und gehalten –, hatte eine fundamental andere Erfahrung als der Anleger, der naiv in Einzeltitel investiert.

Eine marktkapitalisierungsgewichtete Strategie funktioniert vereinfacht so: Je größer eine Firma an der Börse ist, desto höher ist ihr Gewicht im Portfolio. Steigt der Kurs einer Aktie stark an, wird sie automatisch ein größerer Teil des Index; schwächelt sie oder geht sie pleite, schrumpft ihr Gewicht und sie verschwindet schließlich ganz von der Bildoberfläche. Ohne dass der Anleger einen einzigen aktiven Entscheidungsakt trifft, wandert sein Kapital schrittweise hin zu den Firmen, die sich durchsetzen, und weg von den Verlierern.

Die großen Werte wie Apple, Nvidia, Microsoft, Alphabet und Amazon haben in den letzten Jahrzehnten Billionenbeträge an Aktionärsvermögen geschaffen. Ein Indexanleger war dort automatisch mit wachsendem Gewicht investiert. Der mittlere Einzelaktienanleger dagegen hatte eine deutlich schlechtere Chance. Nur gut 27 Prozent der Aktien schlugen über ihre Lebenszeit überhaupt den Marktindex; über ein Jahrzehnt hinaus lagen im Schnitt nur rund 36 Prozent der Aktien über der marktkapitalisierten Marktperformance. Investments in einzelne Aktien war langfristig ein schlechtes Geschäft, während die einfache Index‑Strategie das Ergebnis weniger Superstars einfing. Dass es mitunter noch besser geht, zeigen wir weiter unten. Bleiben Sie also dran!

Wer lieferte die höchsten Gewinne?

Die Tabellen der Studie illustrieren diese Konzentration sehr plastisch. In einer Übersicht listet Bessembinder die 30 Aktien mit den höchsten kumulierten Renditen über ihre gesamte Börsenhistorie. Das sind nicht die heißesten Geschichten der letzten zehn Jahre, sondern die Dauerläufer des Jahrhunderts – und ihre Zahlen sind atemberaubend.

An der Spitze dieser Tabelle steht Altria (früher Philip Morris) mit einer kumulierten Brutto‑Wertsteigerung von über 4,4 Millionen Prozent. Aus einem Dollar zum Jahresanfang 1926 wären bis Ende 2025 gut 4,4 Millionen Dollar geworden. Doch bemerkenswert ist: Die jährliche Rendite betrug „nur“ rund 16,5 Prozent, also nicht so weit entfernt von anderen bekannten Qualitätsaktien. Den Unterschied macht also die Zeit. Unternehmen wie Altria, IBM, Coca‑Cola, Johnson & Johnson oder Exxon waren zum Teil fast die vollen hundert Jahre an der Börse und haben in dieser Zeit verlässlich zweistellige Renditen erzielt. Spoiler: Halten wir das Stichwort Bilanzqualität fest.

Die höchsten kumulierten Gewinne kamen also von Unternehmen, die über Jahrzehnte mit relativ unspektakulären, aber konsistenten zweistelligen Renditen liefen. Wer solche Dauerläufer 20, 30 oder 50 Jahre im Depot hatte, baute astronomische Vermögen auf, vorausgesetzt, er oder sie hat ausgeschüttete Dividenden reinvestiert. Der Wermutstropfen: Die oben illustrierten Renditen zu erzielen, ist natürlich unrealistisch. Kein Mensch kann über hundert Jahre bei der Stange bleiben – es sei denn, es werden Aktienwerte über Generationen vererbt, eine schöne Vorstellung für die Erben, sofern die ersten Generationen die nötige Disziplin an den Tag legen. Doch es gibt auch kürzerfristige Reichmacher, wie wir gleich sehen werden.

Die Rendite‑Raketen

Doch wer performte am spektakulärsten? Die zweite Tabelle sortiert die Aktien nach ihrer höchsten jährlichen Rendite, unter der Bedingung, dass mindestens 20 Jahre an Daten vorlagen. Hier ändert sich die Zusammensetzung, wie wir sehen.

Ganz oben stehen nun die Wachstumstitel jüngerer Zeit wie Nvidia, Netflix, Amazon oder Axon. Nvidia etwa legte seit dem Börsengang 1999 im Schnitt über 37 Prozent pro Jahr zu; aus einem Dollar wurden knapp 5.000 Dollar. Netflix kommt auf über 32 Prozent jährlich seit 2002, Amazon auf gut 31 Prozent pro Jahr seit dem Börsenlisting 1997.

Die Laufzeiten sind hier deutlich kürzer. Wo die „Jahrhunderttitel“ aus der ersten Tabelle teils 90 bis 100 Jahre auf dem Buckel haben, kommen viele Rendite‑Raketen auf nur 20 bis 30 Jahre Historie. Die Faktorsteigerungen sind zwar bemerkenswert, aber es ist ein anderes Muster: Hier dominieren Wachstumsstorys, technologische Disruption und Plattformeffekte. Etliche Aktien aus der oberen Tabelle haben Anlegern auch in den vergangenen 15 Jahren sehr viel Rendite beschert.

Die prozentual höchsten Jahresrenditen lieferten über die Zeit Wachstumswerte mit starkem Kursmomentum, häufig aus neuen Technologien. Die Aktienrenditen waren spektakulär, aber die Historie der Unternehmen ist kürzer – und niemand konnte bei Börseneinführung wissen, welche der vielen Wachstumsstorys in die Spitzengruppe aufsteigen würde. Vor diesem Hintergrund verwundert nicht, dass es Venture‑Capital‑Anlegern bereits für eine starke Rendite reicht, wenn unter zehn Kandidaten ein bis zwei Unternehmen erfolgreich sind.

Die Dekadensicht – das Anlegererlebnis

Besonders spannend ist die dekadenweise Auswertung Bessembinders. Für jede Zehnjahresperiode zwischen 1926 und 2025 hat er ermittelt, wie viele Aktien überhaupt im Plus lagen, wie viele besser waren als kurzlaufende Staatsanleihen und wie viele besser waren als der kapitalgewichtete Gesamtmarkt.

In den ersten sechs Jahrzehnten – grob gesagt bis Mitte der 1980er‑Jahre – war die Welt für Stockpicker vergleichsweise freundlich. Im Schnitt erzielten rund zwei Drittel der Aktien in einem Jahrzehnt positive Renditen, gut 61 Prozent schlugen Staatsanleihen, und der Median der Dekadenrenditen lag bei über 60 Prozent. Die typische Aktie erzielte also immerhin ein anständiges Plus, auch wenn der Markt als Ganzes noch besser war.

In den letzten vier Jahrzehnten verschiebt sich das Bild deutlich. Die mittlere Aktienrendite pro Dekade fällt im Schnitt auf unter sechs Prozent, und weniger als die Hälfte der Titel schlagen überhaupt die kurzfristigen Staatsanleihen. Gleichzeitig lief der Gesamtmarkt sehr gut – getrieben vor allem von den bekannten Technologieriesen. Die Schieflage zugunsten weniger Superstars hat sich eher verstärkt. Die Masse der neuen Listings – viele kleine, junge Firmen – hat das Bild gedrückt, während die großen Technologie‑ und Qualitätswerte den Index nach oben tragen.

Wer langfristig den größten Reichtum schuf

Die vielleicht wichtigste Tabelle für Strategen ist jene zur „Shareholder Wealth Creation“, also zur Vermögensschöpfung in Dollar über die Lebenszeit einer Firma, gemessen gegenüber T‑Bills. Hier führen die großen Technologiewerte der letzten Jahrzehnte. Apple steht mit gut fünf Billionen Dollar zusätzlichem Vermögen für Aktionäre an der Spitze; Nvidia, Microsoft, Alphabet und Amazon folgen dicht dahinter. Allein Apple und Nvidia zusammen erklären über zehn Prozent des gesamten Vermögenszuwachses, der an US‑Börsen in hundert Jahren entstanden ist. Die Top fünf Firmen stehen für gut 21 Prozent, die Top zehn für knapp 30 Prozent.

Auch Anleger, die nur einen zeitlich begrenzten Anteil am Erfolg hatten, haben in den vergangenen Jahren einen fantastischen Schnitt gemacht. Dafür war es nicht einmal nötig, in einen ETF auf den Russell 1000 oder S&P 500 zu investieren. Auch der MSCI World, der heute gut 70 Prozent aus US‑Aktien besteht, gab genug „Tech‑Plattformstoff“ her, um Anlegern eine überaus auskömmliche Rendite zu bescheren. Wer heute vom MSCI World schwärmt, sollte sich präziser ausdrücken: Der Performance‑Anteil der Magnificent 7 im MSCI World hat gereicht, um zwischen 2009 und 2025 gut 50 Prozent mehr Rendite zu liefern, als es im langjährigen Durchschnitt die Norm war.

Noch eindrucksvoller wird es, wenn man die ganze Verteilung betrachtet. Von den gut 29.000 erfassten Firmen haben nur rund 11.900 überhaupt positiven Mehrwert geschaffen; knapp 17.200, also rund 59 Prozent, haben in Summe Vermögen vernichtet, verglichen mit der risikolosen Anlage. Die ersten knapp 17.200 Firmen in dieser Rangfolge zerstören zusammen gut 10,7 Billionen Dollar. Die nächsten etwa 10.800 Firmen gleichen diese Verluste gerade so aus. Und dann kommt die Spitze: Nur 1.082 Firmen – etwa 3,7 Prozent des Universums – liefern den gesamten Netto‑Wohlstandsgewinn von knapp 91 Billionen Dollar.

Für Anleger ist das die zentrale Botschaft: Der Gesamtmarkt‑Erfolg ist extrem konzentriert. Wer breit diversifiziert ist, kassiert die Gewinne dieser Elite mit. Wer auf eigene Faust einige Dutzend Titel wählt, hat statistisch eine hohe Chance, überwiegend an die großen und kleinen Verlierer zu geraten.

Lesen Sie im zweiten Teil des Artikels, mit welchen Aktien-Strategien die Renditepotenziale heben lassen.

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Autor

  • Ali Masarwah ist Fondsanalyst und Geschäftsführer von envestor. Er beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Fonds und ETFs, zuletzt als Analyst beim Research-Haus Morningstar.

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