Cashback. ETF-Portfolios. Beratung.
Envestor hilft Ihren Finanzen auf die Sprünge!
HIER TERMIN VEREINBAREN

Evli Emerging Frontier: Neues Management – bewährter Prozess

Der Evli Emerging Frontier hat ein neues Management. Für jeden aktiven Fonds ist das ein kritischer Punkt, vor allem jedoch für Schwellenländer-Fonds. Das neue Management hat sich vor wenigen Tagen vorgestellt. Bleibt der Fonds eine gute Wahl für Schwellenländer-Nebenwerte?

Investmentfokus und Strategie

Der Evli Emerging Frontier (hier die institutionelle Fondstranche IB2, FI4000546486) investiert in 30 bis 45 Aktien aus Frontiermärkten sowie in Emerging‑Markets‑Nebenwerten. Hier ist Dritt-Research von Banken Mangelware, weshalb Expertise gefragt ist. Im Mittelpunkt der Strategie steht die Schnittmenge aus Qualitätsaktien, Wachstumstitel und vor allem günstige Bewertungen. Gesucht sind dabei Unternehmen, die das Potenzial haben, sich in 12 Monaten im Kurs zu verdoppeln. Der Fonds investiert fernab von klassischen Schwellenländer‑Benchmarks, was auch am konstant hohen Tracking‑Error von 12 bis 14 Prozent ablesbar ist sowie am hohen Active Share.

Die Rendite soll zwar primär aus Stock‑Picking stammen, aber wenn es Rücken‑ oder Gegenwind bei Emerging gibt, geht das nicht spurlos am Fonds vorbei. Trumps Iran‑Abenteuer etwa hat aus einer zweistelligen Performance beim Evli Frontier bis Ende Februar eine schwarze Null gemacht (Stand: 13. März). Auch Stock Picker können nicht zaubern.

Der Investmentprozess folgt fünf Schritten. Ausgangspunkt ist ein sehr breites Universum von rund 15.000 Aktien aus 43 Ländern. In einem ersten Schritt werden mit quantitativen Filtern die Titel herausgefiltert, die bei Bewertung, Profitabilität und Wachstum in das Raster des Teams passen. In einer in der Form neuen Analyse, die KI‑gestützt ist, werden die verbliebenen 500 bis 800 Titel analysiert. Aussortiert werden etwa solche, die bei Liquidität und Governance durchfallen, aber auch, die weitere fundamentale Schwächen aufweisen. Diese restlichen Kandidaten werden detailliert analysiert: Die Manager wollen Geschäftsmodell, Wettbewerbssituation, Bilanzqualität, Governance und Managementqualität verstehen, bevor sie investieren. Erst wenn dieses Bild stimmig ist, wird gekauft; es landen 30 bis 40 Aktien im Portfolio.

Bei der Portfoliokonstruktion gewichten die Manager die Aktien nach Überzeugung und Risiko, berücksichtigt werden Liquidität, Länder‑ und Sektorcluster sowie Makro‑Risiken und es wird mit Obergrenzen pro Land (20 Prozent) und Unternehmen (acht Prozent) gearbeitet. Eine strikte Sell‑Disziplin – sofortiger Ausstieg bei fundamentaler Verschlechterung, systematisches Trimmen bei überzogener Bewertung – soll verhindern, dass Einzeltitelrisiken ausufern und dass Gewinne wieder abgegeben werden.

Neues Management – Stallgeruch inklusive

Im Herbst 2025 überraschte Evli mit der Nachricht, dass die beiden langjährigen Fondsmanager Burton Flynn und Ivan Nechunaev, die die Fondsstrategie seit Auflage 2013 als externe Berater verantworteten, ihr Mandat niederlegen. Seit Anfang des Jahres verantworten die beiden Evli‑Mitarbeiter Mathias Althoff und Antti Sivonen den Fonds.

Die Kommunikation des Wechsels war irrigierend. Die Ankündigung, Flynn und Nechunaev würden dem Fonds weiter als „Senior Berater“ zur Seite stehen, erwies sich als Ente. Auch die Ankündigung, Evli „stärke“ seine Kompetenz als Schwellenländer‑Manager war eine kreative Deutung der Ereignisse. Missglücktes Marketing oder eine schlechte Vertuschungsaktion? Nachdem sich das neue Duo vorgestellt hat, neigen wir ersterer Interpretation zu, denn es handelt sich bei beiden um erfahrene Spezialisten, die sich auf den ersten Blick gut ergänzen.

Althoff verfügt über rund 25 Jahre Erfahrung in Emerging und Frontier Markets. Er war zuvor Vice CIO und Partner bei Tundra Fonder in Stockholm, wo er einen Frontier‑Fonds sowie EM‑Mandate verantwortete. Seine Stärke liegt im Fundamentalresearch, in Unternehmensbesuchen vor Ort und im Aufbau konzentrierter Portfolios in weniger liquiden Märkten. Als Co‑Head führt er den fundamentalen Investmentprozess, die Unternehmensanalyse und den Portfoliobau.

Der Evli‑Prozess ist nicht vollständig passgenau auf Althoff zugeschnitten: Evli gibt den Portfolio‑Unternehmen deutlich weniger Zeit als zuvor bei Tundra Fonder: Wer das kurzfristige Performance‑Ziel „Twobagger“ nicht erfüllt, fliegt aus dem Portfolio. Derartige Kurzfristigkeit wäre bei weniger liquiden Mandaten eine teure Angelegenheit (die Handelskosten sind beim Evli‑Fonds mit rund 0,8 Prozent jährlich ebenfalls kein Pappenstiel).

An Sivonen haftet indes reichlich Evli‑Stallgeruch: Er arbeitet seit 15 Jahren bei Evli, zunächst im Schwellenländer‑Team, wo er dem Evli Emerging Frontier Fund verbunden war. Später arbeitete er in den Bereichen Handel, Währungs‑ und Liquiditätssteuerung. Der Spezialist für quantitatives Management hat hauseigene Resarch‑Tools entwickelt und hat sich zuletzt auf die Entwicklung von KI‑Tools konzentriert. In seiner Co‑Manager‑Rolle verantwortet er die quantitativen Screens, das Top‑down‑Portfolio‑Design und die Integration der quantitativen Signale in die Titelauswahl.

Trotz der holprigen Kommunikation halten wir die neue Doppelspitze für glaubwürdig. Die Profile sind komplementär: Althoff bringt die lange Frontier‑Stock‑Picker‑Erfahrung mit, Sivonen bringt die Quant‑Expertise mit, die die Titelauswahl stärker systematisieren und effizienter gestalten kann. Das verbleibende Risiko ist vor allem ein operatives Key‑Man‑Risk und die neue Konstellation. Die Manager müssen sich aufeinander einspielen.

Performance und Risiko

Seit Auflage des Fonds 2013 – die institutionelle Tranche wurde erst vor drei Jahren aufgelegt – zählt der Evli Emerging Frontier Fund zu den besten Fonds seiner Kategorie, wie das Fünf‑Sterne‑Rating von Morningstar signalisiert. Weil der Fonds auch in klassische Emerging Markets Nebenwerte investiert, gehört er zur Gruppe der Schwellenländer‑Nebenwerte und nicht zu den Frontiermärkte‑Fonds, also den Schwellenländern aus der zweiten Reihe. Seit 2019 landete der Fonds nur in einem Jahr – 2023 – im schlechtesten Quartil der Kategorie. Sonst zählt er regelmäßig zum besten Viertel der Schwellenländer‑Nebenwertefonds.

Der Fonds zeigt ein sehr ausgeprägtes Rendite‑Risikoprofil. Einerseits ist die Standardabweichung mit rund 16,5 Prozent deutlich über dem Nivea der Kategorie und des Index von jeweils rund 13 Prozent. Der maximale Verlust in dem Zeitraum war mit 38,6 Prozent ein Tick über Index‑ und Vergleichsfonds‑Niveau. Gleichzeitig fiel die Rendite wesentlich stärker aus, sodass das Sharpe Ratio mit etwa 0,67 über den 0,48 der Kategorie und 0,46 des Index liegt. Morningstar stuft den Fonds beim Risiko als „überdurchschnittlich“, bei der Rendite als „hoch“ ein.

Der Fonds ist stilistisch im neutralen „Blend“-Bereich, also weder dem Value‑ noch dem Growth‑Segment zuzuordnen. Mit Blick auf das KGV spiegelt sich indes der bewertungsorientierte Ansatz von Evli wider: Wer in den Fonds investiert, zahlt das 8,6‑Fache des Gewinns der Portfolio‑Firmen – 12,3 sind es im Kategoriedurchschnitt und 15 bei Small‑Cap‑Index der Kategorie.

Sektorseitig dominieren Grundstoffe, zyklischer Konsum und Finanzwerte; Industriewerte und einzelne Technologie‑Titel ergänzen das Bild. Das Portfolio ist damit zyklischer als breite EM‑Indizes, was zur Frontier‑Story passt, aber die Volatilität erhöht.

Geografisch streut der Fonds über Asien, Lateinamerika, Afrika und die Golfregion und osteuropäische Märkte. Top‑Länder sind Brasilien, Pakistan, Türkei, Kuwait, Südkorea, Taiwan, Vietnam und Ägypten.

Evli Emerging Frontier: Happige Kosten

Die Expertise von Evli ist nicht günstig. Auch die IB2‑Tranche erhebt eine Managementgebühr von 0,95 Prozent pro Jahr. Zusätzlich wird eine Performance Fee von 20 Prozent der auf Erträge von mehr als acht Prozent pro Jahr fällig. Die Handelskosten lagen zuletzt bei über 0,8 Prozent. Im Segment hochspezialisierter Frontier‑ und Schwellenländer‑Nebenwertefonds ist das marktüblich.

Fazit und Einordnung

Der Evli Emerging Frontier Fund bleibt ungeachtet der holprigen Kommunikation des Managerwechsels ein profilierter, renditestarker Fonds, der aber reichlich Volatilität mitbringt. Beispielhaft hierfür die Performance 2026: Bis Ende Februar zählte er zu den besten Fonds seiner Kategorie. Im März zählt er zu den schlechtesten. Rendite bleibt also auch bei Alpha‑Managern eine Funktion des eingegangenen Risikos.

Die neue Doppelspitze ist erfahren und komplementär – sie bringt einerseits viel Know‑How beim Frontier‑Stock‑Picking mit (Althoff), andererseits haben sie die quantitativen Fähigkeiten, um die Effizienz beim Research zu erhöhen (Sivonen). Wir trauen ihnen zu, die Kontinuität im Kern zu wahren und erfolgreich ein konzentriertes, fundamental getriebenes Stock‑Picking in wenig beachteten Märkten zu unternehmen. Wir werden das Zusammenspiel zwischen Althoff und Sivonen mit gespannter Erwartung weiter verfolgen.

Die envestor-Expertise für Sie:

Sie sind neugierig geworden, wie wir Anlegerportfolios konstruieren und wetterfest machen? 

Ein unverbindliches Gespräch vereinbaren können Sie direkt online.

Mehr über den envestor Cashback, der Investieren günstiger macht, als es Ihre Bank erlaubt, erfahren Sie hier.

Autor

  • Ali Masarwah ist Fondsanalyst und Geschäftsführer von envestor. Er beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Fonds und ETFs, zuletzt als Analyst beim Research-Haus Morningstar.

    Alle Beiträge ansehen
Nach oben scrollen