Ein Interview mit Richard Halle (M&G). Der Fondsmanager bei M&G Investments ist seit Auflage des M&G European Strategic Value Fund (LU1670707527) im Jahr 2008 hauptverantwortlicher Fondsmanager. Der M&G (Lux) European Strategic Value Fund ist ein reinrassiger Value-Fonds, auf den wir vor fast auf den Tag genau einem Jahr das erste Mal hingewiesen haben. Wir fragten Richard, wie schmerzhaft die jahrelange Outperformance von Growth-Aktien für ihn war und ob das jüngste Comeback von Value-Aktien dauerhaft oder ein Strohfeuer sein wird.

Fondsmanager des M&G (Lux) European Strategic Value Fund, Fondsmanager Richard Halle

Richard Halle, Fondsmanager des M&G (Lux) European Strategic Value Fund

Envestor: Richard – danke, dass Sie sich Zeit genommen haben. In den letzten Wochen haben wir eine deutliche Korrektur von High-Growth Unternehmen gesehen. Dagegen feiern Value-Unternehmen gerade ein Comeback. Freuen Sie sich über diese Entwicklung?

Richard Halle: Ja – das ist in der Tat sehr erfreulich für uns. Gerade die letzten drei Jahre waren für uns als Value-Manager schwierig. Wir haben uns viele Gedanken über das Wesen von Investments im Allgemeinen gemacht. Aber wir sind unseren Überzeugungen treu geblieben. Und in Marktphasen wie der aktuellen kann unsere Strategie ihre Stärken ausspielen. Wir haben bei M&G schon Mitte letzten Jahres die Dekade der „günstig bewerteten Aktien“ ausgerufen. Obwohl die Rotation von Growth zu Value etwas länger dauerte, als wir dachten und hofften, sehen wir jetzt unsere Überzeugungen bestätigt.

Glauben Sie, dass diese Entwicklung nachhaltig ist?

Unsere Einschätzung ist, dass die Aktienpreise bis vor kurzem von einem sich selbst befeuernden Zyklus bestimmt waren. Story-Telling und das Fortschreiben von Trends aus der Vergangenheit waren wichtiger als Bewertungen. Wir glauben, dass die jüngsten Korrekturen an den Märkten signifikant genug sind, um diesen Trend zu brechen. Immer mehr Investoren stellen sich die Frage, wie viel sie wirklich für manche Geschäftsmodelle bezahlen wollen. Wir haben dies bereits bei „Concept Stocks“ gesehen. Viele von ihnen sind Tag für Tag gefallen. Wir glauben, dass dies auch in anderen sehr hoch bewerteten Teilen des Marktes geschehen wird.

Manche Aktien sind auch zu Recht billig. Wie versuchen Sie sogenannte „Value-Traps“ zu vermeiden?

Genau das ist die Hauptaufgabe eines erfolgreichen Value-Managers. Darauf legen wir den größten Wert. Und das ist auch der Grund, warum wir die Unternehmen von Grund auf selbst analysieren und nicht auf quantitative Modelle setzen. Quantitative Modelle haben unseres Erachtens weniger Möglichkeiten, Value-Fallen zu erkennen als wir mit unserem Bottom-up Ansatz. Wir unterziehen jedes Unternehmen einer fundamentalen Bewertung. Unsere Sektor-Analysten beurteilen dann die Unternehmen im Vergleich zu Wettbewerbern. Wir verfolgen diesen Ansatz seit 20 Jahren und haben hunderte Unternehmen auf diese Weise analysiert. Ich denke, dieser Erfahrungsschatz ist überaus wertvoll.

Wie passt beispielsweise eine Novartis ins Bild? Das ist aktuell Ihre zweitgrößte Position.

Ein sehr gutes Beispiel für die Art Value-Aktien, in die wir gerne investieren! Novartis ist ein hochqualitatives und solide finanziertes Unternehmen mit einer breiten und gut diversifizierten Produktpalette. Vielen Marktteilnehmern war dies aber offenbar zu langweilig. Wir, unterstützt durch unseren Analyst für Pharma-Werte, sind aber der Meinung, dass Novartis eine solide Forschungs- und Entwicklungs-Plattform vorweisen kann und dass das Management gute Entscheidungen, nicht zuletzt im Interesse der Aktionäre, trifft. In Anbetracht dessen ist die Bewertung unserer Ansicht nach aktuell absurd niedrig.

Wie stark können Sie eigentlich von der offiziellen Fonds-Benchmark, dem MSCI Europe, abweichen?

Das können und tun wir in erheblichem Umfang. 84 Prozent der Werte des M&G (Lux) European Strategic Value Fund befinden sich nicht im MSCI Europe. Das zeigt, dass wir ein wahrhaft aktiver Manager sind. Das Ganze geschieht aber im Rahmen sehr strenger Risikomanagement-Vorgaben. Wir vermeiden zu hohe Konzentrationen in einzelnen Sektoren und Aktien. Außerdem versuchen wir keine Unwucht im Hinblick auf makroökonomische Entwicklungen ins Portfolio zu bekommen.

Wenn Sie in diesem Umfang außerhalb des MSCI Europe investieren, spielen dann Small- und Mid-Caps eine große Rolle im Portfolio?

Absolut. Das machen wir, solange ich und allen voran mein Risikomanagement-Team keine Liquiditätsprobleme sehen. Das ist in Anbetracht des vergleichsweise hohen Vermögens, das wir in europäischen Value-Aktien verwalten, natürlich ein großes Thema.

Gab es in den letzten Jahren Verschiebungen der Sektor-Gewichtungen im Fonds

Die Gewichtungen der Sektoren werden von unserer Bottom-up Aktienauswahl bestimmt, also von der Frage, wie viele investierbare Aktien, mit einem guten Chance-Risiko-Profil über die nächsten drei bis fünf Jahre, wir finden. Das Portfolio muss aber diversifiziert bleiben und darf nicht von der Entwicklung von nur ein oder zwei großen Werten im Portfolio abhängen.

An den Märkten hat sich in den letzten Monaten grundlegendes getan. Die Ankündigung der Fed, Anleihen-Kaufprogramme zurückzufahren, damit einhergehend steigende Zinsen, Inflation, Omikron. Lassen Sie solche Entwicklungen als reiner Stock-Picker wirklich kalt, oder hat dies zu Veränderungen im Portfolio geführt?

Eine hohe Volatilität an den Märkten finden wir generell gut. Gerade dann erschließen sich neue Investment-Möglichkeiten. Zum Beispiel haben wir im Zuge der ersten Corona-bedingten Abwärtsphase viel am Portfolio geändert. In letzter Zeit war es eher weniger, da viele der Aktien, die wir halten, immer noch sehr günstig bewertet sind. Gleichzeitig sind die Bewertungen der Aktien, die gerade fallen, aus unserer Sicht immer noch so hoch, dass wir keine zwingenden Kaufgelegenheiten sehen. Ein Rückgang des KGVs von 40 auf 30 ist uns einfach nicht genug. Aber wir glauben, dass wir in diesem Jahr noch eine ganze Reihe neuer Investment-Möglichkeiten sehen werden. 2022 wird ein faszinierendes Jahr werden.

Richard, vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Michael Weisz

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