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Killt Trump den US-Kapitalismus? Wie Anleger jetzt reagieren sollten

Der Kapitalismus lebt davon, dass Preise Informationen tragen. Sie signalisieren Knappheit, Risiko und Kapitaleffizienz. Genau hier wird es jetzt in den USA spannend. Nicht, weil ein System kippt, sondern weil politische Eingriffe zunehmend dort ansetzen, wo Preise für die Funktionsfähigkeit der Marktwirtschaft zentral sind. Die entscheidende Frage ist daher nicht ideologisch, sondern praktisch: Was bedeutet es für Märkte und Anleger, wenn diese Preissignale politischer werden?

Wenn der Zins kein Preis mehr ist

Die aktuell diskutierte Deckelung von Kreditkartenzinsen auf zehn Prozent ist aus ökonomischer Sicht ein klassischer Preisdeckel. Der Zins ist im Kreditmarkt der Preis für Zeit und Ausfallrisiko. Fixiert die US-Administration den Zins politisch, verschwindet nicht das Risiko, sondern der Mechanismus, der es effizient verteilt.

Die empirisch gut belegte Folge solcher Eingriffe ist Kreditrationierung. Banken reagieren nicht mit geringeren Margen, sondern mit strengeren Zugangskriterien, kürzeren Laufzeiten oder dem Ausschluss risikoreicher Haushalte. Das betrifft nicht Randgruppen, sondern verändert die Struktur des gesamten Konsumkreditmarktes. Ökonomisch ist das ein direkter Eingriff in die Allokationslogik eines zentralen Finanzsegments.

Geldpolitik unter politischem Vorbehalt

Parallel dazu rückt die Frage der Unabhängigkeit von Zentralbanken wieder offen ins Zentrum der politischen Debatte. Die Eskalation der Debatte um die Unabhängigkeit der Fed bzw. Die offenkundige Einflussnahme auf Mandat, Personal und Zielsetzung der US-Notenbank durch Donald Trump ist kein kommunikatives Randthema, sondern ökonomisch hoch relevant.

Zentralbankunabhängigkeit ist die Voraussetzung dafür, dass der Zins als neutraler Preis des Kapitals funktionieren kann. Wird Geldpolitik dem Primat eines politischen Programms untergeordnet, ersetzt politische Opportunität die datenbasierte Steuerung. Damit verliert der Zins einen Teil seiner Informationsfunktion – mit Folgen für Bewertungen, Investitionsentscheidungen und langfristige Kapitalallokation. Die Angriffe von MAGA-Amerika auf die US-Notenbank erinnert nicht zufällig an die Praktiken von Staatsführungen einiger Entwicklungsländer, die Notenbanken in den Dienst ihrer politischen Strategien stellen. Zu Recht verlangen Anleger daher eine Risikoprämie bei Anleihen aus den Emerging Markets. Steht 2026 ein Repricing von amerikanischen Staatsanleihen an?

Politische Eingriffe in Unternehmensgewinne

Ein dritter Punkt betrifft die unternehmerische Kapitalverwendung. Die Diskussion über staatliche Vorgaben bei Dividenden und Aktienrückkäufen betrifft aktuell nur US-Rüstungskonzerne. Sie verschiebt allerdings eine weitere Säule des klassischen Kapitalismus auf grundsätzliche Weise. Im idealtypischen System entscheiden Eigentümer über Ausschüttungen oder Reinvestitionen auf Basis von Renditeerwartungen und Kapitalkosten.

Werden diese Entscheidungen politisch gesteuert, wird aus Marktallokation funktional Industriepolitik. Kapital folgt dann nicht mehr primär dem produktivsten Einsatz, sondern politischen Präferenzen. Für Anleger bedeutet das: Unternehmensbewertungen enthalten zunehmend ein politisches Element, insbesondere in strategisch definierten Sektoren. Passt dazu die aktuell niedrige Prämie für US-Aktien?

Dollar, Gold und Silber als Spiegel einer Umwälzung

Der Kursverfall des US-Dollar bei gleichzeitigem Anstieg von Gold und Silber passt auffällig gut zu einer Phase, in der zentrale Preise politisch infrage gestellt werden. Edelmetalle reagieren weniger auf Konjunkturzyklen als auf das Vertrauen in den realen Zins als neutralen Referenzpreis. Wird dieser politisch verzerrt oder seine Glaubwürdigkeit unterminiert, steigt die Attraktivität von Vermögenswerten, die außerhalb des geldpolitischen Systems bepreist werden.

Gold fungiert dabei als Alternativanker für den Preis des Geldes. Silber verstärkt dieses Signal, was sich historisch häufig im Gold-Silber-Verhältnis zeigt. Entscheidend ist die Einordnung: Der jüngste Anstieg ist weniger ein klassisches Inflationssignal als ein Hinweis darauf, dass Marktteilnehmer politische Eingriffe in zentrale Preismechanismen zunehmend einpreisen.

Fazit: Was Anleger aus dieser Entwicklung ableiten können

Für Anleger stellt sich damit weniger die Frage, ob der Kapitalismus endet, sondern wie Portfolios in einem Umfeld konstruiert werden sollten, in dem die Preisfindung bei Vermögenswerten politischer wird. Gold und Silber haben diese Entwicklung früh reflektiert, sind inzwischen jedoch deutlich gelaufen und liefern keine laufenden Erträge. Als alleinige Antwort auf strukturelle Unsicherheit sind sie daher nur begrenzt geeignet.

Wichtiger wird die gezielte Beimischung von Anlageklassen, die gering mit politisierten Preisankern korrelieren. Dazu zählen insbesondere spezialisierte Anleihestrategien, deren Ertragsprofil nicht von Leitzinsen, Aktienbewertungen oder geldpolitischen Erwartungen abhängt. Ein Beispiel sind Fonds mit Fokus auf Katastrophenanleihen. Ihre Erträge hängen von klar definierten Schadensereignissen ab, nicht von Konjunkturzyklen oder Zentralbankentscheidungen, und sie bieten damit echte Diversifikation.

Ein zweiter Baustein sind Strategien mit Fokus auf europäische Konsumentenkredite. Diese Märkte sind fragmentierter, regulatorisch anders strukturiert und deutlich weniger anfällig für politische Eingriffe in den USA. Gleichzeitig generieren sie stabile Cashflows, die nur schwach mit Aktien- oder Staatsanleihemärkten korrelieren.

Genau solche Bausteine integrieren wir bewusst in unsere Beratungsmandate. Nicht als taktische Wette, sondern als strukturelle Antwort auf eine Welt, in der Zins, Geldwert und Kapitalverwendung weniger eindeutig marktwirtschaftlich bestimmt werden. Für Anleger bedeutet das: mehr Robustheit im Portfolio und geringere Abhängigkeit von politischen Entscheidungen.

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Autor

  • Steffen Gruschka ist CFO und Co-Geschäftsführer von Envestor. Er ist seit über 25 Jahren Fondsmanager für Emerging-Markets-Aktien, zunächst bei der DWS, heute bei Pyfore Capital, wo er als Berater für den Emerging Markets Digital Leaders verantwortlich zeichnet.

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