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Index‑WM: NASDAQ 100 kontra S&P 500

NASDAQ 100 kontra S&P 500. ETF‑Anleger lieben US‑Aktien, doch beim Blick ins Depot regiert oft die Ratlosigkeit: Welcher Index ist die bessere Wahl? Gerade angesichts der stark gestiegenen Rolle von KI‑Aktien für den US‑Aktienmarkt stellen wir zwei Renditewalzen auf den Prüfstand.

Wer schützt Anleger vor dem Hype? Wer ermöglicht ihnen, die optimale Rendite zu erzielen? Zum Auftakt unserer neuen, lockeren Serie „Index kontra Index“ lassen wir den scheinbar unantastbaren Königsindex S&P 500 gegen den vermeintlichen Tech‑Giganten NASDAQ 100 antreten. Weil wir auch nach dem Ausscheiden der deutschen Elf im WM‑Modus sind, bemühen wir folgendes Bild: Im Stadion der Index‑Konstruktion zeigt sich schnell, dass hinter den Kulissen mit harten Bandagen gekämpft wird – und dass einer der beiden Anbieter seine Neutralität opfert, um im Hauen und Stechen um spektakuläre Tech‑Börsengänge die Nase vorn zu haben. NASDAQ 100 kontra S&P 500 – wer macht den Stich im Rennen der Indizes?

Spielstart: Die Aufnahmekriterien

Beim S&P 500 geht es diskretionärer zu, als es John (Jack) Bogle erlaubt hätte: Bei der Konstruktion des Index hat ein recht obskures „Indexkomitee“ ein Wörtchen mitzureden. Das Komitee bewertet das allgemeine Marktvertrauen und die „Repräsentativität“ des Unternehmens für den US‑amerikanischen Markt. Das Komitee stellt zudem sicher, dass die Branchenzusammensetzung des Index die reale US‑Wirtschaft einigermaßen exakt widerspiegelt, weshalb Sektoren bei der Titelauswahl gegengewichtet werden. Das Komitee setzt auf Kontinuität und kann auf eine strikte Anwendung der Aufnahmekriterien verzichten, wenn dies unnötige Indexwechsel oder Marktstörungen vermeidet. Es werden zwingend vier profitable Quartale in Folge nach US‑GAAP verlangt.  Tesla musste deshalb trotz enormer Größe bis 2020 auf der Bank schmoren.

Der NASDAQ 100 agiert dagegen rein mechanisch nach Marktkapitalisierung. Wer groß genug ist, kommt rein – egal ob profitabel oder nicht. Die Zusammensetzung wird über eine Rangliste der Marktkapitalisierung bestimmt. Erreicht ein Unternehmen die Top‑Ränge und erfüllt die Liquiditätskriterien, muss es aufgenommen werden. Ein Vetorecht aus Repräsentativitätsgründen gibt es nicht. Allerdings kennt auch der NASDAQ 100 Puffer‑Regeln: Um Umschichtungen gering zu halten, nutzt die Nasdaq feste, mathematische Puffer (z. B. automatische Beibehaltung im Index, solange ein bestehendes Mitglied in den Top 75 gerankt ist).

Der S&P 500 geht verdient mit 1:0 in Führung.

Schlagabtausch: Aufnahme von Börsenneulingen

Im Ringen um Tech‑Ikonen hat die Börse Nasdaq ihre eigenen Prinzipien aufgeweicht. Die neue „Fast‑Entry“-Regel erlaubt es Mega Caps, schon 15 Handelstage nach dem IPO direkt in den Index einzuziehen – passgenau geschneidert für Elon Musks SpaceX, perspektivisch auch für OpenAI und Anthropic. ETFs werden so zu „forced buyer“ auf dem potenziellen Höhepunkt des Hypes. Beim S&P 500 müssen Neulinge indes ein Jahr draußen bleiben – mitunter sogar länger. Der S&P 500 schützt Anleger also vor heißen Nach‑IPO‑Korrekturen.

Man kann das allerdings auch anders sehen, nämlich dass KI nun einmal das Zugpferd der US‑Wirtschaft ist und entsprechend der NASDAQ 100 die KI‑Dominanz in der Wirtschaft besser widerspiegelt als sein Konkurrent. Allerdings hat es die Nasdaq nicht bei einer Fast‑Entry‑Regel belassen, sondern gleich einen Multiplikator eingeführt, der sicherstellt, dass SpaceX unter die Mindest‑Free‑Float‑Hürde durchkrabbeln kann, obwohl die frei handelbaren Aktien nur rund fünf Prozent des Börsenwerts betragen.

Angesichts der groben Governance‑Fouls führt der von uns verhängte Strafstoß zum verdienten 2:0 für den S&P 500.

Die dickere Performance‑Walze

Um unseren seligen Altkanzler Helmut Kohl zu bemühen: Beim Investieren ist entscheidend, was hinten rauskommt. Der NASDAQ 100 schlägt hier eiskalt zurück. Er ist der unbestrittene Rendite‑König der letzten 15 Jahre (über 1.300 Prozent Gesamtrendite). Angetrieben vom großen Gewicht der unaufhaltsamen Tech‑Imperien Nvidia, Apple, Microsoft und Co. ließ er den breiten Markt links liegen. Der S&P 500 lieferte zwar ebenfalls bärenstarke Renditen, hinkte dem Tech‑Bruder aber hinterher. Wer den NASDAQ 100 nicht im Depot hatte, hat den Tech‑Boom seit 2010 nicht vollumfänglich mitgenommen.

Verdienter Anschlusstreffer des NASDAQ 100 zum 2:1.

Repräsentativität: Das Branchen‑Spektrum

Das Nasdaq‑Regelwerk schließt Finanzdienstleister per Definition komplett aus – eine rein künstliche Beschränkung, die mit der realen Wirtschaftsstruktur wenig zu tun hat. Neben Tech‑Giganten tummeln sich dort zwar die Kaffeekette Starbucks oder der Großhändler Costco, aber keine einzige Bank. Der S&P 500 hingegen spiegelt die gesamte Wirtschaft inklusive ihres finanzierenden Rückgrats wider. Ohne Schwergewichte wie JPMorgan Chase oder Berkshire Hathaway fehlt einem US‑Depot das Fundament.

Mit einem trockenen, ronaldowürdigen Distanzschuss zieht der S&P 500 mit 3:1 in der 70. Minute auf und davon.

Kein Sudden Death: Der Marktplatz‑Zwang

Der NASDAQ 100 hat einen massiven, systemischen Webfehler: Er lässt nur Unternehmen zu, die an der Mutterbörse Nasdaq gelistet sind. Großartige Tech‑ und Wachstumsunternehmen, die an der New Yorker NYSE gelistet sind – wie der Enterprise‑Software‑Riese Salesforce oder der Fahrdienst‑Vermittler Uber –, werden zwingend ignoriert. Dem S&P 500 ist der Handelsplatz indes völlig egal. Er wählt schlicht die gewichtigsten und oft auch die besten gelisteten Unternehmen aus den USA aus. Der NASDAQ 100 ist am Ende eben kein echter Länderindex, sondern die Marketing‑Auslage einer US‑Aktiengesellschaft.

Quasi mit dem Schlusspfiff schießt der NASDAQ 100 ein Eigentor. Endstand: 4:1 für den S&P 500.

Und was bringt das jetzt fürs Depot?

Der S&P 500 gewinnt das Duell nach Punkten zwar deutlich. Die ernüchternde Erkenntnis für die Praxis lautet jedoch: Weil über 80 Prozent der Marktkapitalisierung des NASDAQ 100 ohnehin im S&P 500 stecken, ist das Umschichten im Depot eher Kosmetik an den Rändern. Wer von einem NASDAQ‑100‑ETF in den S&P 500 wechselt, flieht nicht vor dem Tech‑Klumpen, sondern beruhigt nur sein Gewissen. Wenn die Magnificent Seven ins Trudeln geraten, brennen beide Stadien. Wer eine echte Alternative für US‑Aktien sucht, hat viele Optionen: Es gibt ETFs mit Gleichgewichtungsstrategien, Fonds und ETFs mit ESG‑Filtern, die die gröbsten Governance‑Probleme aussortieren, und die vielen Smart‑Beta‑Fonds und ‑ETFs können US‑Portfolios ein ganz anderes Profil geben, als es der NASDAQ 100 oder der S&P 500 tun.

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Autor

  • Ali Masarwah ist Fondsanalyst und Geschäftsführer von envestor. Er beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Fonds und ETFs, zuletzt als Analyst beim Research-Haus Morningstar.

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