Anleger wiegen sich in Sicherheit: Die Inflation ist wieder unter die Zwei-Prozent-Marke gefallen. Doch das stille Gift der Teuerung wirkt unerbittlich weiter. Zudem birgt die geopolitische Lage neue Gefahren für das Sparbuch. Der Krieg mit Iran bringt nicht nur den Ölmarkt aus dem Lot, sondern könnte auch das Gespenst der Inflation wieder heraufbeschwören.
Wenn Energie teurer wird, kommt Inflation schnell zurück
Die meisten Verbraucher verkennen, dass es heute nicht nur um Öl, Gas und die Benzinpreise an der Tankstelle geht. Von einem Energie-Lieferengpass sind weite Teile der Wirtschaft betroffen, von denen man nicht intuitiv annehmen würde, dass hier die lange Hand des Iran wirkt.
Wenn Öl und Gas überlängere Zeit teuer bleiben, springt das auf viele Sektoren über, etwa auf den Transport und die industriellen Vorprodukte. Genau deshalb ist der Konflikt im Nahen Osten so heikel: Er betrifft nicht nur die Öl- und LNG-Märkte, sondern auch Teile der Infrastruktur, an denen zentrale Rohstoffe für die Industrie hängen. Öl ist weiterhin ein entscheidender Input-Faktor für Transport, Produktion und petrochemische Wertschöpfungsketten.
Stichwort Halbleiterproduktion: Auch Helium ist von der Krise betroffen. Das Gas ist ein wichtiger Bestandteil der Halbleiterproduktion, weil es in vielen Schritten der Chip-Fertigung zur Kühlung und in hochpräzisen Anlagen eingesetzt wird. Genau hier hat der Iran-Konflikt bereits erste Folgen. Die Heliumpreise haben sich seit Beginn der Krise zeitweise verdoppelt. Grund: Katar stellte 2025 rund ein Drittel des weltweiten Heliumangebotes. Wenn ein solcher industrieller Schlüsselrohstoff plötzlich knapper und teurer wird, steigen die Produktionskosten der Chipindustrie – und diese höheren Kosten wandern später oft in viele Endprodukte weiter, von Autos bis zu Elektronikgeräten.
Wenn Öl, Gas, Transport und industrielle Vorprodukte gleichzeitig unter Druck geraten, verteuern sich nicht nur Heizung und Logistik, sondern auch Teile der industriellen Basis moderner Volkswirtschaften. Das alles ist für Anleger unangenehm, zur Katastrophe wird es jedoch für Sparer: Sie bekommen auf ihre Sparbücher so gut wie keine und mit Tagesgeld allenfalls Minizinsen. Diese schlecht verzinsten Sparguthaben werden schon ohne hohe Inflation dezimiert. Steigt jetzt die Teuerung deutlich, wird aus einem nagenden Zahn der Zeit ein gieriger Sparkontenfresser. Und, wie gesagt: Das Inflationsmonster kommt nicht mit einem Knall, sondern sickert über viele Kanäle gleichzeitig ein. Alles wird teurer: Einkäufe im Supermarkt, im Möbelhaus, beim Elektrohändler und Restaurantbesuche.
Deutschlands alte Angst vor der Geldentwertung
Deutschland hat in der modernen Geschichte zwei extreme Geldentwertungen erlebt. Während der Hyperinflation in der Weimarer Republik verlor die Reichsmark praktisch ihren gesamten Wert. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg musste das Geldsystem mit der deutschen Währungsreform 1948 vollständig neu aufgesetzt werden. Historisch sind solche Ereignisse selten, aber sie prägen das finanzielle Denken über Generationen hinweg. Die Geldentwertung hat sich in das kollektive Gedächtnis der Deutschen eingegraben und prägt auch unbewusst diejenigen, die die Geschichten über Renten- und Reichsmark nur von den Großeltern gehört haben.
Interessanterweise bewirkt die „deutsche Angst” genau das Gegenteil von dem, was wirksam gegen die Inflation wäre: Sie investieren nicht in Sachwerte, sondern liefern ihr Vermögen schutzlos der Inflation aus: ein großer Teil ihres Vermögens liegt in sogenannten Sichteinlagen, die von der Bundesbank regelmäßig minutiös erfasst werden.
Laut Bundesbank hielten private Haushalte in Deutschland Ende 2024 rund 1.740 Milliarden Euro in Sichteinlagen, also auf Giro- und Tagesgeldkonten. Diese täglich verfügbaren Guthaben machen damit etwa 19 Prozent des gesamten Geldvermögens der privaten Haushalte aus, das insgesamt bei rund 9 Billionen Euro liegt.
Noch deutlicher wird die Dimension, wenn man alle Bankeinlagen zusammen betrachtet. Rechnet man Bargeld sowie Sichteinlagen, Termineinlagen und Spareinlagen zusammen – also die Kategorie „Bargeld und Einlagen“ der Finanzierungsrechnung – liegt der Anteil bei etwa 38 Prozent des gesamten Geldvermögens.
Bildlich gesprochen: Der deutsche Michel tritt den Kampf gegen einen hochgerüsteten Gegner mit Zahnstochern an. Dieses Verhalten mag weniger mit akuter Inflationsangst zu tun haben als mit einem starken Sicherheitsbedürfnis und der Vorliebe für jederzeit verfügbares Geld. Nominal betrachtet reduziert Liquidität die Unsicherheit – real sind derartige Nominalwertanlagen aber eine Katastrophe. Aktien und viele Anleihen schützen vor Kaufkraftverlust, Bargeld und ähnliches auf keinen Fall. Bezieht man Immobilien ein, ist die Vermögensstruktur nicht ganz so katastrophal. Allerdings sind die Deutschen im Vergleich zum europäischen Ausland eher ein Volk von Mietern. Die Quote der Hausbesitzer liegt mit rund 49 Prozent deutlich unter dem Niveau der Europäischen Union (etwa 69 Prozent), den USA (rund 65 Prozent) und Japan (rund 61 Prozent).
Wie die Inflation Bankguthaben entwertet
Wer nur auf den Nominalwert schaut, fühlt sich auf dem Bankkonto oft sicher. Wer auf die reale Kaufkraft schaut, bekommt ein anderes Bild. Die Verbraucherpreise in Deutschland stiegen im Jahresdurchschnitt 2021 um 3,1 Prozent, 2022 um 6,9 Prozent, 2023 um 5,9 Prozent sowie 2024 und 2025 jeweils um 2,2 Prozent, wie Destatis ausweist. Aufgezinst ergibt das über fünf Jahre einen Kaufkraftverlust von rund 21,9 Prozent.
Dem standen bei täglich fälligen Einlagen privater Haushalte nur sehr magere Zinsen gegenüber. Die Bundesbank weist für die Jahre 2021 bis 2024 durchschnittliche Effektivzinsen von 0,09 Prozent, 0,09 Prozent, 0,45 Prozent und 0,74 Prozent aus; für 2025 ergibt sich aus den Monatswerten im Schnitt rund 0,47 Prozent. Wer Anfang 2021 also 100.000 Euro einfach auf dem Konto liegen ließ, hatte Ende 2025 nominal nur etwa 101.860 Euro. Um die ursprüngliche Kaufkraft zu bewahren, wären aber rund 121.910 Euro nötig gewesen.
Real war dieses Guthaben damit Ende 2025 nur noch rund 83.550 Euro wert. Der scheinbar sichere Kontostand hätte also trotz Zinsen rund 16,4 Prozent seiner Kaufkraft eingebüßt. Genau das macht die Inflation so tückisch: Sie zerstört Vermögen nicht spektakulär, sondern still, langsam und mit deutscher Girokonto-Romantik im Hintergrund.
Festgeld: Puffer, aber keine Wunderwaffe
Auch beim Festgeld sollten Sparer mit spitzem Bleistift rechnen. Die Bundesbank weist für neue Ein-Jahres-Termineinlagen privater Haushalte im Durchschnitt folgende Zinssätze aus: rund 0,2 Prozent im Jahr 2021, 0,6 Prozent im Jahr 2022, 3,0 Prozent im Jahr 2023, 3,3 Prozent im Jahr 2024 und 2,7 Prozent im Jahr 2025. Diese Werte schwanken je nach Bank, geben aber eine realistische Größenordnung wieder.
Rechnet man wieder mit einem Startkapital von 10.000 Euro Anfang 2021 und legt das Geld jedes Jahr neu für zwölf Monate an, ergibt sich folgende Entwicklung:
Nach fünf Jahren läge das Guthaben nominal bei rund 11.038 Euro. Die Inflation der gleichen fünf Jahre hat die Preise jedoch – wie zuvor gezeigt – um etwa 21,9 Prozent steigen lassen. Um die ursprüngliche Kaufkraft zu bewahren, wären also rund 12.191 Euro nötig gewesen.
Das bedeutet: Auch mit rollierendem Ein-Jahres-Festgeld hätte das Vermögen real an Wert verloren. Die Kaufkraft von 11.038 Euro im Jahr 2025 entspricht inflationsbereinigt nur etwa 9.055 Euro in Preisen von 2021. Der reale Verlust läge damit bei ungefähr 9,5 Prozent. Festgeld hat also einen Teil der Inflation abgefedert, aber eben nicht vollständig neutralisiert. Genau deshalb ist Festgeld eher ein Puffer gegen Inflation als ein echter Schutzschild. In Phasen sehr hoher Teuerung bleibt oft nur Schadensbegrenzung.
Der lange Blick: 50 Jahre reale Renditen
Kurzfristige Inflationsphasen können Anleger leicht täuschen. Entscheidend ist deshalb der lange Blick. Über mehrere Jahrzehnte zeigt sich sehr klar, welche Anlageklassen Kaufkraft erhalten können und welche nicht. Das Global Investment Returns Yearbook des Credit Suisse Research Institute – heute von UBS weitergeführt – vergleicht die realen Renditen verschiedener Anlageklassen seit vielen Jahrzehnten.
Für die letzten rund fünfzig Jahre ergibt sich folgendes Bild.
In Deutschland erzielten Aktien langfristig eine reale Rendite von etwa 5 Prozent pro Jahr. Deutsche Staatsanleihen lagen nach Abzug der Inflation bei rund 2 Prozent jährlich. Der Abstand ist also erheblich: Aktien lieferten langfristig mehr als doppelt so viel reale Rendite wie Anleihen.
Ein ähnliches Muster zeigt sich in den USA. Dort erzielten Aktien über denselben Zeitraum reale Renditen von ungefähr 6,5 bis 7 Prozent pro Jahr. Langfristige US-Staatsanleihen lagen dagegen real bei rund 2 bis 3 Prozent jährlich.
Diese Zahlen werden jeweils in der Landeswährung gerechnet, also ohne Wechselkurseffekte. Genau das macht sie für Anleger besonders relevant: Sie zeigen, welche Anlageklassen innerhalb einer Volkswirtschaft langfristig Kaufkraft aufbauen können.
Über Jahrzehnte führt dieser Unterschied zu enormen Vermögenseffekten. Eine reale Rendite von fünf bis sieben Prozent bedeutet, dass das Vermögen sich inflationsbereinigt etwa alle zehn bis fünfzehn Jahre verdoppelt. Zwei Prozent reale Rendite brauchen dafür mehr als dreißig Jahre. Gerade für die Altersvorsorge hat dieser Unterschied dramatische Konsequenzen. Die gesetzliche Rente liefert 48 Prozent des aktuellen Durchschnittsverdienstes. Vor Steuern, wohlgemerkt. Wer 2026 neu in Rente geht, muss 84 Prozent seiner Rente als steuerpflichtiges Einkommen ansetzen. Und die Perspektiven sind ungewiss: Weil Deutschland rapide altert, wird das heutige Rentenniveau ab 2030 entweder nicht oder nur durch eine deutliche Erhöhung der Beiträge zur gesetzlichen Rente zu halten sein.
Die Schlussfolgerung ist deshalb ziemlich nüchtern: Dauerhaften Schutz vor Inflation liefern historisch vor allem produktive Kapitalanlagen. Bankguthaben und Bargeld haben dagegen langfristig meist nur eine Funktion – Liquidität bereitzustellen, nicht Kaufkraft zu erhalten.
Warum so viele Anleger trotzdem auf dem Konto verharren
Viele Anleger wollen drei Dinge gleichzeitig: Sicherheit, keine Schwankungen und Schutz vor Inflation. Das ist menschlich, aber die Kombination ist schwer zu bekommen. Wer das Aktienrisiko komplett meidet und zugleich keine Laufzeiten oder Kapitalmarktinstrumente nutzen will, landet fast automatisch beim Bankkonto.
Die Finanzwissenschaft kennt dieses Problem gut. Realrendite ist die Belohnung dafür, dass man irgendeine Form von Risiko trägt: Kursschwankungen, Laufzeitenrisiko, Bonitätsrisiko oder Illiquidität. Wer gar kein Risiko akzeptieren will, bekommt meist auch keinen wirksamen Schutz vor Kaufkraftverlust. Das ist keine Bosheit des Marktes, sondern seine Grundlogik.
Die Lösung: Das envestor-Portfolio Inflationsschutz
Für vorsichtige Anleger kann die Antwort nicht lauten, nun alles auf Aktien zu setzen. Wer vom Girokonto direkt ins volle Aktienrisiko springt, tauscht im Grunde ein Ruderboot gegen ein Rennboot. Sinnvoller ist ein Portfolio, das Stabilität, laufende Erträge und moderates Wachstum miteinander verbindet.
Genau diesen Ansatz verfolgt das envestor-Inflationsschutzportfolio. Der Kern besteht aus einer breiten Mischung defensiver Anleihe-Strategien: Staats- und Unternehmensanleihen, Floating-Rate-Notes, CLO-Strategien, Konsumentenkredite und Katastrophenanleihen. Ergänzt wird dieser Block durch zwei konservative Aktienstrategien, die gezielt auf niedrigere Schwankungen ausgerichtet sind. Der Aktienanteil liegt bewusst niedrig bei moderaten 28 Prozent, während der Großteil des Portfolios aus stabilisierenden Rentenbausteinen besteht.
In den vergangenen fünf Jahren hat sich gezeigt, dass dieser Ansatz funktioniert. Seit Anfang 2021 erzielte das Portfolio eine Gesamtrendite von 29,47 Prozent: Aus 100.000 Euro wurden also 129.474 Euro. Trotz der schwierigen Marktphase mit stark steigenden Zinsen, Inflationsschock und geopolitischen Krisen konnte das Portfolio seinen Wert kontinuierlich steigern.
Das Ziel dieser Anlagestrategie ist nicht Renditemaximierung. Ziel ist es, Kaufkraft zu erhalten und gleichzeitig die Nerven zu schonen. Dieser Ansatz ist vor allem für konservative Anleger, Investoren im Ruhestand oder Anleger, die regelmäßige Entnahmen benötigen, sinnvoll. Ein breit diversifiziertes Wertpapierportfolio ist langfristig deutlich besser geeignet, dem schleichenden Kaufkraftverlust durch Inflation entgegenzuwirken als dauerhaftes Parken von Vermögen auf Bankkonten.
Fazit: Das Konto fühlt sich sicher an, ist es aber oft nicht
Das Bankkonto ist für Transaktionen unverzichtbar. Als dauerhafter Aufbewahrungsort für größere Vermögensteile ist es dagegen eine schlechte Lösung. Es vermittelt scheinbar Stabilität – tatsächlich führt es oft zu schleichender Erosion der Kaufkraft. Gerade in Phasen geopolitischer Unsicherheit ist das eine unbequeme Wahrheit.
Die deutsche Liebe zum Sparbuch sowie Tages- und Festgeld ist historisch verständlich. Doch aus einer historischen Inflationsangst ist heute oft ein Verhalten geworden, das den Kaufkraftverlust verstärkt und nicht verhindert. Wer Inflation fürchtet und deshalb zu viel Liquidität hält, schützt sich ausgerechnet mit dem schwächsten Werkzeug.
Inflation kommt selten als Schock. Sie wirkt eher wie ein langsames Gift. Wer Geld dauerhaft auf dem Konto liegen lässt, akzeptiert stillschweigend einen garantierten Kaufkraftverlust.
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Alle Beiträge ansehenSteffen Gruschka ist CFO und Co-Geschäftsführer von envestor und blickt auf rund 30 Jahre Erfahrung im aktiven Management von Schwellenländer-Aktienfonds zurück. In seiner Laufbahn wurde er mehrfach als Fondsmanager des Jahres ausgezeichnet. Zuletzt erreichte er 2025 in der Kategorie Aktien Emerging Markets die Spitzenposition und gehörte damit laut Handelsblatt zu den besten Fondsmanagern Deutschlands.