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Wann kommt das Inflationsmonster?

Die hohen Energiepreise werfen die Frage auf: Kommt die Inflation nachhaltig zurück? Das Inflationsmonster zeigt sich bisher zahmer als erwartet. Trotz Zöllen, geopolitischen Konflikten und steigender Staatsverschuldung blieb der große Preisschub bisher aus. Wir analysieren, warum das bisher so war – und wie es weitergeht.

Noch kein breiter Inflationsdruck

Die US-Inflationsrate ist zuletzt wieder stark gestiegen. Im März lag die Preissteigerung im Vergleich zum Vorjahresmonat bei 3,3 Prozent und im Vergleich zum Vormonat bei 0,9 Prozent. Gleichzeitig war die Kerninflation, also die Teuerung ohne Berücksichtigung der stark schwankenden Preise für Energie und Nahrungsmittel, mit rund 2,6 Prozent relativ stabil. Der jähe Anstieg resultiert aus dem Stillstand in Hormuz: US-Verbraucher müssen heute deutlich tiefer in die Tasche greifen, um ihre Trucks vollzutanken. Die Preise für Dienstleistungen und Güter zeigen dagegen aktuell noch wenig Dynamik. Aktuell ruht der Mechanismus, der eine Inflation üblicherweise entfacht: steigende Löhne oder Preiserhöhungen in der Breite. Solange das ausbleibt, handelt es sich lediglich um einen Preisschock und noch nicht um einen anhaltenden Trend.

Zölle haben das schläfrige Inflationsmonster geweckt

Viele Fachleute hatten bei der Einführung der Trump-Zölle ein Aufflammen der Inflation befürchtet. Die Realität war deutlich weniger dramatisch  — aber keineswegs harmlos. Zölle  erzeugen nicht automatisch Inflation, entscheidend ist, ob und wie schnell Unternehmen die höheren Preise an ihre Kunden weitergeben. Dieser Pass-through verlief 2025 graduell: Viele Importeure und Händler absorbierten zunächst einen Teil der Mehrkosten selbst, nutzten temporäre Zoll-Pausen zum Lageraufbau und verschoben so Preiserhöhungen bei wettbewerbsintensiven Produkten. Gleichzeitig reagieren Konsumenten sensibel auf Preissteigerungen, was den Spielraum für die Weitergabe von Kosten begrenzte. Das Ergebnis war dennoch spürbar: Laut Berechnungen der Federal Reserve und der Harvard Business School trugen die Zölle bis Herbst 2025 rund 0,7 Prozentpunkte zur Gesamtinflation bei — ohne diese hätte der CPI bei etwa 2,2 statt 2,9 Prozent gelegen. Der volle Effekt hat sich noch nicht durchgeschlagen: Ökonomen rechnen mit einem Verzögerungseffekt von 12 bis 18 Monaten, sodass der Inflationsdruck seinen Höhepunkt erst zwischen Frühjahr und Herbst 2026 erreichen dürfte.

Ein großer Teil der Zollkosten versickerte zunächst in Margen und Lagerstrategien, anstatt direkt auf den Preisschildern zu landen — in den Inflationsdaten aber hinterließen sie dennoch bereits merkliche Spuren.

Künstliche Intelligenz drückt die Kosten

Mindestens ebenso spannend ist die Rolle der künstlichen Intelligenz als Gegenpol für Preissteigerungen: Inwieweit fungieren die durch KI ausgelösten Produktivitätsgewinne als Inflationsbremse? Die klassische Wachstumstheorie — etwa das Solow-Modell — liefert dafür eine klare theoretische Grundlage: Technologischer Fortschritt wirkt disinflationär, weil mehr Output mit denselben Ressourcen erzeugt wird und sinkende Stückkosten den Preisdruck dämpfen. Die jüngsten Daten deuten in diese Richtung: Im dritten Quartal 2025 stieg die US-Arbeitsproduktivität (annualisiert) um 4,9 Prozent — gegenüber nur 1,9 Prozent im Vorjahr. 

Ob KI dafür ursächlich ist, lässt sich noch nicht abschließend belegen. Die meisten makroökonomischen Studien finden bislang nur begrenzte Belege für einen signifikanten KI-Effekt auf die Gesamtproduktivität — teils weil Adoption und Nutzung noch reifen, teils weil Unternehmen neue Werkzeuge erst lernen müssen, bevor sie Geschäftsprozesse grundlegend umstrukturieren. Der Effekt dürfte sich in den nächsten Jahren also verstärken.

Klar ist aber auch: Der Effekt verteilt sich nicht homogen. KI senkt in bestimmten Sektoren — Software, Finanzdienstleistungen, Marketing, Kundenservice — nachweislich die Kosten pro Einheit. Große Teile des Inflationskorbs aber, allen voran Energie und Mieten, bleiben davon gänzlich unberührt. Zudem gibt es eine Übergangsphase mit potenziell gegenläufigen Effekten: Wo KI Arbeitskräfte verdrängt, steigen kurzfristig Umschulungskosten und Lohnstückkosten — der disinflationäre Nettoeffekt stellt sich erst mittelfristig ein.  Die Schlussfolgerung fällt daher differenziert aus: KI wirkt tendenziell disinflationär — aber selektiv, verzögert und keineswegs als universelle Antwort auf strukturellen Preisdruck.​​​​​​​​​​​​​​​​

Ölpreis: Preistreiber mit eingebauter Bremse

Bei einem Ölpreis von über 100 Dollar pro Barrel erhöhen sich die Kosten in der gesamten Wirtschaft spürbar: Energie verteuert Produktion, Transport und Konsum gleichermaßen. Gleichzeitig sinkt die Kaufkraft — Haushalte geben mehr für Energie aus und reduzieren andere Ausgaben, Unternehmen stoßen auf schwächere Nachfrage. Genau dieser Mechanismus begrenzt paradoxerweise den Preisanstieg: Der Ölpreis facht zwar die Inflation an, zerstört aber gleichzeitig die Nachfrage, die für eine sich selbst verstärkende Preisspirale notwendig wäre. Diese Kombination verhindert die Entstehung eines klassischen Teufelskreises.

Das Inflationsmonster mag aktuell zahm erscheinen — das bedeutet aber nicht, dass es harmlos ist. Sollte sich die Krise bei den Energiepreisen verschärfen, könnte das aktuelle Gleichgewicht schnell aus den Fugen geraten. 

Staatsverschuldung und Geldpolitik 

Die Rahmenbedingungen für Geldpolitik haben sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Die Staatsverschuldungen haben ein Niveau erreicht, das die Geldpolitik künftig nicht kalt lassen dürfte: In den USA liegt die Staatsverschuldung bei über 100 Prozent des BIP und dürfte angesichts der sinkenden Steuereinnahmen, die im Rahmen des “Big Beautiful Bill”, weiter steigen. Laut Schätzungen des Congressional Budget Office (CBO) — der unabhängigen, überparteilichen Haushaltsbehörde des US-Kongresses — würde die US-Staatsverschuldung ohne fiskalpolitische Korrekturen innerhalb der nächsten zehn Jahre auf rund 120 Prozent des BIP ansteigen.​​​​

​​​​​​​​​​​​In der Eurozone liegt die Staatsverschuldung bei rund 88 Prozent des BIP. Tendenz auch hier: steigend. Die EU-Kommission rechnet mit 91,3 % bis 2027, der IWF sieht die Eurozone bis 2030 bei ~92 %

Drei Faktoren bilden gerade eine unschöne Gemengelage. Die Zinslast steigt, weil die Niedrigzinsära vorbei ist und alte Schulden zu höheren Konditionen refinanziert werden müssen. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Primärbilanzen durch Rüstungsausgaben und den demografischen Wandel (steigende Ausgaben für Renten und Gesundheit). Gleichzeitig bleibt das Wachstum strukturell schwach – was den Nenner des Quotienten deckelt. 

Notenbanken haben formal ein klares Mandat: Preisstabilität (in den USA kommt explizit das Ziel Beschäftigungssicherung dazu). Dabei agieren Notenbanken aber nicht im luftleeren Raum. Je höher die Staatsverschuldung, desto schmerzhafter werden hohe Realzinsen für die öffentlichen Haushalte – und desto größer der politische Druck auf die Zentralbanken, diesen Schmerz zu begrenzen. In den USA ist dieser Mechanismus inzwischen offen sichtbar: Donald Trump fordert regelmäßig Zinssenkungen von der Federal Reserve. Trump ist damit nicht allein: Italiens Premierministerin Meloni und ihre Vize-Premiers Salvini und Tajani haben die EZB öffentlich für ihre Zinspolitik attackiert, der türkische Präsident Erdoğan hat mehrfach Notenbankchefs ausgewechselt, die seinem Niedrigzins-Kurs nicht folgten, und Brasiliens Präsident Lula griff seinen Notenbankchef monatelang öffentlich an. EZB-Präsidentin Lagarde warnt inzwischen explizit vor dem wachsenden politischen Druck auf Zentralbanken. 

Neu in der Diskussion ist die veränderte Fälligkeitsstruktur der US-Schulden: Rund 22 Prozent sind innerhalb eines Jahres fällig, gegenüber 13 Prozent vor zehn Jahren. Das koppelt die Staatsfinanzen eng an die Geldmarktzinsen – und macht jeden Zinsschritt unmittelbar fiskalisch spürbar.

In Europa haben wir ein weiteres Problem. Ein einheitlicher Leitzins für hochverschuldete Südländer und sparerfreundliche Nordländer ist per Definition ein Kompromiss, der niemanden wirklich zufriedenstellt. Was Italien entlastet, bestraft den deutschen Sparer — und umgekehrt

Zu befürchten, ist eine Asymmetrie in der Reaktionsfunktion: Zinserhöhungen werden bei fiskalischem Druck vorsichtiger dosiert, Zinssenkungen kommen im Zweifel schneller. Das ergibt keine garantiert negativen Realzinsen – aber eine strukturelle Tendenz, bei der Realzinsen über einen vollen Zyklus hinweg eher unter als über dem neutralen Niveau liegen dürften.

Die entscheidende Variable für Anleger ist dabei das Verhältnis von Realzins (r) und Wirtschaftswachstum (g). Solange g > r gilt, ist Staatsverschuldung selbststabilisierend – Wachstum überholt die Zinslast, ohne Repression zu erfordern. Genau dieses Gleichgewicht versuchen Notenbanken implizit zu schützen. Für Anleger bedeutet das kein einfaches Inflationsszenario, sondern ein strukturelles Umfeld, in dem Realzinsen dauerhaft niedrig bleiben könnten – nicht weil Notenbanken versagen, sondern weil der fiskalische Rahmen die Spielräume begrenzt.

Wer hat Angst vor der Finanziellen Repression?

Financial Repression bezeichnet eine Politik, bei der der Staat die Zinsen künstlich unter der Inflationsrate hält — Sparer verlieren real Geld, während der Staat seine Schulden durch Inflation und niedrige Zinsen still und leise entwertet. Die Last wird sozusagen vom Steuerzahler auf den Sparer verschoben, ohne dass es je explizit beschlossen wird.

Inflationsbekämpfung bleibt die zentrale Aufgabe der Notenbanken, gerät jedoch zunehmend in ein Spannungsfeld mit der fiskalischen Realität. Für Anleger bedeutet das ein strukturelles Umfeld niedriger Realzinsen. Es gibt aber noch gefährlichere Szenarien für Sparer. 

Die steigende Staatsverschuldung in den Industrieländern mindert das Vertrauen der Anleger in die langfristige Schuldentragfähigkeit dieser Nationen. Sie könnten in Zukunft höhere Risikoprämien verlangen. Dies kann im Extremfall zu einer Schuldenkrise führen, wie die kurze Panik in Großbritannien nach Bekanntgabe der “Mini-Budget”-Pläne der Regierung Liz Truss eindrucksvoll gezeigt hat.

Ein Wort, das viele Ökonomen lieber nicht in den Mund nehmen würden, kursiert zunehmend in den Finanznachrichten: Stagflation. In Europa verdichten sich die Befürchtungen, dass steigende Preise auf das anämische Wachstum treffen könnten. Das wäre eine unangenehme Kombination, gegen die Nationalbanken kein scharfes Instrument haben. Die EZB räumte ein, dass der aktuelle Schock Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wachstum erzeuge — mit großer Unsicherheit darüber, ob dieser Schock vorübergehend oder strukturell ist. EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis warnte zuletzt das Europäische Parlament davor, dass die Gefahr einer Stagflation trotz des zwischenzeitlichen Waffenstillstands im Iran nicht gebannt sei. Um es klar zu sagen, aktuell besteht kein Grund für Alarmismus, aber Anleger sollten die Daten im Blick behalten.

Fazit

Die Inflation bleibt moderat – nicht weil die Risiken verschwunden sind, sondern weil sich mehrere Kräfte gegenseitig neutralisieren. Energie treibt kurzfristig, aber zerstört gleichzeitig die Nachfrage. Zölle erhöhen Kosten, doch die Weitergabe an Konsumenten bleibt bisher aus, auch mit Blick auf die Kaufkraft. Künstliche Intelligenz senkt gleichzeitig die Stückkosten in Teilen der Wirtschaft strukturell. Das Ergebnis ist ein Gleichgewicht mit stabilen Preisen, dass sich bei weiter steigende Energiepreisen aber als fragil erweisen könnte

Neben der aktuellen Inflationsrate ist der Handlungsrahmen für die Geldpolitik entscheidend. Staatsschulden auf ständig neuen Höchstständen – in den USA über 100 Prozent des BIP, in der Eurozone bei rund 90 Prozent – verändern die Reaktionsfunktion der Notenbanken. Nicht durch offenen Kontrollverlust, sondern durch strukturelle Asymmetrie: Zinserhöhungen werden teurer, Zinssenkungen politisch leichter. Die entscheidende Frage für Anleger ist daher nicht, ob die Inflation zurückkommt – sondern ob Realzinsen dauerhaft hoch genug bleiben, um sie zu bekämpfen, wenn sie kommt.

Solange Wachstum die Zinslast übersteigt, bleibt das System stabil. Aber die Spielräume für konsequent restriktive Geldpolitik sind enger geworden. Ein Umfeld, in dem Realzinsen über einen vollen Zyklus hinweg strukturell niedrig bleiben – nicht negativ als Absicht, sondern niedrig als Ergebnis fiskalischer Zwänge – ist das wahrscheinlichste Basisszenario. Anleger, die darauf nicht eingestellt sind, tragen ein Risiko, das in keiner Zahl der aktuellen Inflationsstatistik sichtbar ist. 

Die Inflation schien zuletzt gezähmt. Die Notenbanken hatten geliefert, die Schlagzeilen wurden ruhiger. Das dürfte sich jetzt ändern. Zölle, Energieschocks und eine Staatsverschuldung auf historischen Höchstständen verändern die Rahmenbedingungen – nicht lautstark, aber nachhaltig. Wer das Inflationsmonster für tot hält, hat möglicherweise nur aufgehört, genau hinzusehen. 

Das ist vor allem schlecht für Geldbestände auf dem Sparbuch oder dem Girokonto. Aber auch mit Staatsanleihen ist in den nächsten Jahren wohl kein Blumentopf zu gewinnen. Die Lösung: eine Beimischung unkorrelierter Anleihen-Strategien: Fonds mit Fokus auf private Konsumkredite und Katastrophenanleihen liefern Renditen, die weder vom Zinsniveau noch von der Inflationsrate abhängen, sondern von klar definierten Ereignisrisiken: Kreditqualität und Eintrittswahrscheinlichkeit.

Deutlich besser sieht es für Aktien mit realem Substanzwert aus – Rohstoffe, Ressourcen und physische Infrastruktur. Ihr Wert hängt weniger an Zinsniveaus ab, als von der Knappheit dessen, was sie verkaufen. Das ist nicht primär eine Wette auf dauerhaft hohe Energiepreise, sondern ein Argument gegen die schleichende Entwertung von Geldwerten, unabhängig davon, ob der aktuelle Energieschock anhält oder nicht. Rohstoffreiche Schwellenländer partizipieren über ihre Exportstruktur ebenfalls genau diesem Mechanismus.

Wer also reale Substanzwerte und unabhängige Ertragsquellen ins Portfolio integriert, ist für dieses Umfeld besser gerüstet als mit klassischen Standardlösungen wie dem MSCI Welt oder Staatsanleihen, vor allem aber besser als mit Sparbuch oder Girokonto – dort ist der reale Verlust keine Prognose, sondern Arithmetik.

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Autor

  • Steffen Gruschka ist CFO und Co-Geschäftsführer von envestor und blickt auf rund 30 Jahre Erfahrung im aktiven Management von Schwellenländer-Aktienfonds zurück. In seiner Laufbahn wurde er mehrfach als Fondsmanager des Jahres ausgezeichnet. Zuletzt erreichte er 2025 in der Kategorie Aktien Emerging Markets die Spitzenposition und gehörte damit laut Handelsblatt zu den besten Fondsmanagern Deutschlands.

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