Die Tesla Aktie: Fonds bremsen, ETFs treten aufs Gas

Welche Fonds setzen noch auf Tesla? Die Aktie hat vor wenigen Tagen einen neuen Rekord eingestellt. Der Elektroauto-Hersteller ist nunmehr nicht nur über eine Billion Dollar wert, sondern bringt einen größeren Börsenwert auf die Waage als alle anderen Autokonzerne zusammen. Tesla-Bullen halten höhere Kurse für möglich, doch es ist große Skepsis über die Bewertung der Tesla Aktie angebracht. Wie halten es Fonds und ETFs mit der Aktie? Eine Übersicht.

Tesla Aktie: Quartalszahlen und Herz-Deal treibt Kurs auf neue Höhen

Die Choreografie war beeindruckend. Zuerst lieferte Tesla gute Quartalszahlen ab; im dritten Quartal konnte der Elektroauto-Hersteller über 70 Prozent mehr Autos ausliefern als im Vorjahreszeitraum. Auch der Gewinn von 1,6 Milliarden US-Dollar war ordentlich und ist auch längst nicht mehr auf den Handel mit Bitcoin und Emissionszertifikaten zurückzuführen, wie Kritiker immer wieder geätzt haben. Damit strafte der Konzern seine Kritiker Lügen, die lange Zeit behaupteten, Tesla könne im operativen Geschäft keine schwarze Zahlen schreiben.

Als dann am 25. Oktober ein geplanter Deal von Tesla mit dem Autovermieter Hertz über die Lieferung von 100.000 Fahrzeuge bekannt wurde, kannte der Run auf die Tesla Aktie kein Halten mehr. Zwischen der Bekanntgabe des Hertz-Deals und gestern Abend stieg der Kurs der Tesla Aktie an der Nasdaq von 1.000 auf rund 1.200 US-Dollar. Der Marktwert liegt inzwischen bei 1,2 Billionen (also 1.200 Milliarden!) Dollar. Damit spielt das Unternehmen in einer Liga mit Apple, Microsoft, Saudi Aramco, Amazon und Alphabet!

Der Kurs der Tesla Aktie ist in den vergangenen zwölf Monaten um über 210 Prozent auf Dollar-Basis gestiegen. Und immer noch finden sich in der notorisch optimistischen Analysten-Gilde noch Tesla-Fans. Laut Bloomberg empfehlen 21 Analysten Tesla zum Kauf, elf sehen in der Aktie eine Halteposition, 13 raten zum Verkauf der Aktie. Fast die Hälfte der von Bloomberg erfassten Sell-side-Researcher sind also Tesla-Bullen. Alexander Potter von Piper Sandler & Co. ist mit einem Kursziel von 1.300 Dollar am optimistischsten.

Allerdings ist Skepsis angebracht. Bei einem 2021-er KGV von 370 und einem 2022-er KGV von gut 140 sowie einem KBV von über 40 ist die Aktie extrem hoch bewertet. Morningstar hat nach den jüngsten Meldungen zwar den geschätzten fairen Wert der Tesla-Aktie erhöht – aber eben nur auf 680 Dollar von 650 Dollar. Toni Sacconaghi von Bernstein gab am 1. November das Kursziel von 300 Dollar aus, ein Abschlag von rund 75 Prozent auf den aktuellen Kurs.

Es spricht einiges dafür, dass die Rückschlaggefahr für die Tesla Aktie hoch ist. Selbst die optimistischsten Wall-Street-Analysten sehen nur noch ein Upside von unter zehn Prozent, derweil Pessimisten einen Totalabsturz für wahrscheinlich halten. Die Anleihen von Tesla sind noch immer nicht über „Junk“-Status hinausgekommen. Dass auf die Bekanntgabe eines 4,2-Milliarden Dollar Deals ein Kursschub von 200 Milliarden Dollar folgte, könnte alles sagen, aber es kommt noch dicker: Konzern-Gründer und Großaktionär Elon Musk selbst, der eine Art Messias-Status unter den Tesla-Fans besitzt, kommentierte den jüngsten Kurs-Schub der Tesla Aktie am 2. November in einem Tweet fast schon süffisant:

„If any of this is based on Hertz, I’d like to emphasize that no contract has been signed yet.

Tesla has far more demand than production, therefore we will only sell cars to Hertz for the same margin as to consumers.

Hertz deal has zero effect on our economics.“

An Tesla scheiden sich auch die Fonds-Geister

Diese Situation wird in gewisser Weise auch in der Fondswelt widergespiegelt. Wir haben eine Liste an Tesla-Optimisten zusammengestellt, deren Fonds in Deutschland zum Vertrieb zugelassen und auf Envestor abwickelbar sind. Die untere Tabelle zeigt die Fonds mit der höchsten Gewichtung an Tesla. Neben dem Namen, der ISIN und dem Portfolio-Datum findet sich das Gewicht der Tesla-Aktie in Prozent des Fondsvermögens.

Tesla Aktie Fonds

Die obere Tabelle zeigt, dass es einige Tesla-Bullen, bei Fonds gibt. Die höchste Gewichtung weist der Nikko AM ARK Disruptive Innovation Fund auf. Das überrascht nicht weiter. Es handelt sich hier um den einzigen in Europa handelbaren Fonds von ARK Invest. ARK-Chefin Cathie Wood setzt in ihren Portfolios auf innovative („disruptive“) Geschäftsmodelle. Sie gilt als Investorin der ersten Stunde bei Tesla und setzt seit Jahren in großem Umfang auf die Aktie. Der Fonds, der die ARK-Flaggschiff-Strategie aus den USA repliziert, wies per Ende September ein Tesla-Gewicht von gut 9,5 Prozent auf. Das ist nahe am gesetzlichen Limit von zehn Prozent. (Fonds dürfen maximal zehn Prozent ihres Vermögens laut Fonds-Regularien in Europa in die Wertpapiere eines Emittenten investieren.)

Die allermeisten Fonds der oberen Tabelle setzen ziemlich stark auf den Erfolg von Elon Musk. Zur Erinnerung: Tesla macht derzeit ein Gewicht von unter 1,5 Prozent im Index MSCI World aus. Im S&P 500 ist die Aktie mit rund 2,3 Prozent gewichtet. In Tech-lastigen Indizes wie dem NASDAQ 100 kommt Tesla dagegen auf ein Gewicht von rund sechs Prozent.

Was die obere Tabelle allerdings nicht zeigt, ist, dass bei auch bei den Tesla-Freunden unter den Fonds der Trend kippt. Allein im September haben die ARK Portfolios von Cathie Wood rund 400.000 Tesla-Aktien verkauft; in den vergangenen Monaten wurden laut Medienberichten sogar eine Million Tesla-Aktien aus den ARK-ETFs in den USA geworfen.

Auch ein zweiter langjähriger Tesla-Investor hat sein Exposure zur Tesla-Aktie in diesem Jahr deutlich reduziert. Der schottische Growth-Investor Baillie Gifford, der wie kein anderer Fondsmanager aus Europa mit Tesla in Verbindung gebracht wird, hat die Tesla-Quote seit Mitte 2020 seinen Flaggschiff-Fonds halbiert. Vor einem Jahr machte Tesla in den oben aufgeführten Baillie Gifford Fonds noch eine Quote von nahe zehn Prozent aus.

ETFs sind Tesla auf Gedeih und Verderb ausgesetzt

Ganz anders sieht das Bild bei ETFs aus. Je nach Region oder Thema spielen Indexfonds die Tesla-Story Buzz Lightyear-mäßig bis zur Unendlichkeit und immer weiter. Jedenfalls so lange die Tesla-Aktie steigt und steigt. Die untere ETF-Tabelle ist analog zur oberen Fonds-Tabelle aufgebaut. Sie ist in absteigender Reihenfolge nach der Tesla-Quote sortiert. Im Gegensatz zur Fondstabelle ist die ETF-Tabelle um Redundanzen bereinigt. Es ist jeweils nur ein ETF pro Index aufgeführt. Es gibt drei ETFs, die den MSCI World Consumer Discretionary abbilden, von denen wir nur den SPDR ETF aufgeführt haben; zwei ETFs bilden jeweils den S&P 500 Consumer Discretionary Sector und MSCI USA SRI Index ab.

Tesla Aktie ETF

Es sind drei Typen von ETFs, die in besonderem Maße auf Tesla setzen. Da sind einmal die Sektor-ETFs für Konsumgüter-Aktien; US-Sektor-Indizes sind dabei besonders Tesla-lastig. Sie sind mit deutlich über 15 Prozent des ETF-Vermögens dabei. Weniger stark, aber immer noch hoch, gewichten ETF für globale Luxusgüter-Aktienindizes die Tesla Aktie – rund zehn Prozent der ETF-Gelder.

Die zweite große Gruppe von ETFs, in denen Tesla eine große Rolle spielt, sind ESG-ETFs. Tesla gilt als eine der wichtigsten Aktien in Nachhaltigkeitsindizes; im MSCI World SRI ist die Aktie mit über sechs Prozent sogar die Top-Aktie. Das spiegelt sich in den zahlreichen SRI/ESG ETFs wider.

Schlussendlich ist die Tesla-Aktie auch in sogenannten Smart-Beta ETFs hoch gewichtet, die Momentum-Strategien umsetzen. Momentum-Aktien sind solche, die in der Vergangenheit eine besonders starke Aufwärtsdynamik gezeigt haben. Momentum-Strategien setzen darauf, dass sich die Entwicklung der Vergangenheit fortsetzt.

ETFs setzen also insgesamt einen Kontrapunkt zu den zumeist fundamental orientierten aktiven Fondsmanager – je stärker die Tesla-Aktie steigt und je mehr aktive Manager sich von Tesla verabschieden, desto stärker wird die Aktie in ETFs gewichtet, zu deren Universum die Tesla Aktie gehört.

Fazit: Der Markt hat recht (bis der Tesla-Krug bricht)

Wer in den vergangenen Jahren in Tesla investiert hat, hat im Nachhinein alles richtig gemacht. Die Fondsmanager bei Baillie Gifford und Cathie Wood können sich auf die Schulter klopfen. Sie haben für ihre Anleger sehr viel Geld verdient. Die Bedenkenträger, und davon gab es unter aktiven Fondsmanager sehr viele, haben das Nachsehen. Bisher.

Es spricht nicht viel dafür, dass viele aktive Fondsmanager als Reaktion auf die derzeitige Tesla-Hausse auf den fahrenden Zug aufspringen und jetzt in großem Stil einsteigen werden, dafür ist die Überbewertung der Tesla Aktie zu krass. Im Gegenteil: Unsere Auswertung zeigt, dass die großen Tesla-Optimisten vorsichtiger werden.

Insofern sollten die Tesla-Bullen unter den Wall-Street-Analysten als das gesehen werden, was sie sind: eine Klasse für sich. Doch es gibt eine wichtige Gruppe von gleichermaßen prominenten wie unfreiwilligen Unterstützern: ETFs.

ETFs aus Segmenten, die hohe Mittelzuflüsse verbuchen, tragen dazu bei, die Tesla-Kursentwicklung immer weiter zu pushen. Sie befeuern den irren Tesla-Momentum-Trade. Besonders wirkungsmächtig ist dabei nicht die eher kleine Gruppe der Momentum-ETFs. Es sind vor allem Nachhaltigkeits-ETFs, die sehr hohe Zuflüsse verbuchen, die den Tesla-Run forcieren. Das stimmt bedenklich.

Auch fundamental denkende ETF-Anleger sollten ernsthaft in Erwägung ziehen, dem Beispiel von Cathie Wood und den Fondsmanagern bei Baillie Gifford zu folgen und bei Tesla-lastigen ETFs auf die Bremse zu treten.

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Über den Autor

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Ali Masarwah

Ali Masarwah ist Fondsanalyst und Geschäftsführer von envestor. Er beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Fonds und ETFs, zuletzt als Analyst beim Research-Haus Morningstar.
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