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Random Walk, göttliche Vorsehung und der ultimative Taco

Der Irankrieg geht in seine dritte Woche, Kriegsrhetorik dominiert die Schlagzeilen und die Kampfhandlungen gehen unerbittlich weiter. Droht uns wegen wegbrechender Energielieferungen eine Wirtschaftskrise ungeahnten Ausmaßes? Mitnichten, vielmehr steht der ultimative Taco bevor. Ein Kommentar.

Es gibt zwei gegensätzliche Erklärungsansätze für die Ordnung der Welt. Der eine folgt der Logik der Kontingenz: Die Dinge sind so, wie sie sind – aber sie könnten auch anders sein. Geschichte ist dann das Ergebnis von Entscheidungen, Zufällen, Versäumnissen, Interessen; kein Gott, keine Vorsehung, keine „Notwendigkeit“ schreibt den Verlauf vor. In diesem Denken, das der Soziologe Niklas Luhmann beschrieben hat, stabilisieren wir die Gesellschaft über Verfahren – Wahlen, Märkte, Recht – nicht über Heilspläne. Die Zukunft bleibt offen, Alternativen bleiben real. Wer will, kann gesellschaftliche Prozesse mit dem für Börsianer geläufigen Begriff des „random walk“ umschreiben.

Der Gegenentwurf: Alles ist vorherbestimmt, eine allmächtige Kraft, nennen wir sie „Gott“, lenkt die Welt. Totalitäre Ideologien und die extremsten Ausprägungen von Religionen gehen vom Prinzip der Prädestination aus. Ereignisse sind nicht kontingent, sondern Elemente einer Sinn‑Geschichte. Leid wird als Prüfung, Niederlage als Zwischenstadium auf dem Weg zum Sieg gedeutet. Wer so denkt, hat kein Problem damit, auch in hoffnungslosen Situationen durchzuhalten – in der Nazizeit kursierte die Parole: „Wir werden siegen, weil wir siegen müssen!“.

Die Ordnungsprinzipien Kontingenz und Vorsehung liefern auch Erklärungen für das Verhalten der Akteure im aktuellen Irankrieg – und erlauben einen Ausblick auf sein Ende.

Das Mullah‑Regime in Teheran inszeniert sich seit Jahrzehnten als Träger eines göttlich legitimierten Projekts. Revolution, Krieg, Sanktionen, Isolation und Zerstörung werden nicht als Serie kontingenter Fehlentscheidungen begriffen, sondern als Kette von Prüfungen. Der Konflikt mit den USA und Israel passt in eine heilsgeschichtliche Erzählung. Der Zeithorizont ist entsprechend lang, weshalb man in Teheran hohe Diskontsätze in der Gegenwart akzeptiert.

Auf der anderen Seite stehen die USA, in denen die luhmannsche Kontingenz unter Trump auf die Spitze getrieben wird. Präsident, Militär, Medien, Märkte folgen eigenen Logiken, eine stringente Linie ist nicht zu erkennen. Zuletzt hat Trump mit dem Bombardement der iranischen Öl‑Insel Kharg Eskalation signalisiert, aber weil dort nur Militärbasen zerstört wurden, könnte er morgen Verhandlungen über die Wiederaufnahme iranischer Öllieferungen anbieten. Wer sich dieser Logik anschließt, landet fast zwangsläufig beim ultimativen „Taco“ (Trump always chickens out). 

Die Trump‑Administration hat schlicht nicht die Zeit, die Mittel und auch nicht den Willen, einen Endlos‑Krieg gegen den Iran zu führen – zumal nicht mit der heutigen Intensität. Der Krieg mag militärisch asymmetrisch sein, die Asymmetrie ist aber vor allem politisch: Der Iran begreift den Konflikt als Jahrhundertaufgabe. Der US-Präsident, ausgestattet mit der Aufmerksamkeitsspanne eines Eichhörnchens, will dagegen einfach nur gewinnen und weiterziehen. 

Wie könnte der Krieg enden? Das iranische Regime überlebt, angeschlagen, aber präsent; Trump erklärt den Sieg, macht Druck auf Israel, und die Kampfhandlungen enden. Die globale Wirtschaft kommt mit dem Schrecken davon, die Kapitalmärkte haken den Krieg ab („politische Börsen haben kurze Beine“). In diesem Szenario kommen Anlegerportfolios weitgehend ungeschoren davon. Der wahre Leidtragende ist die iranische Bevölkerung, die in einem zerstörten Land ums Überleben kämpfen wird – Opfer gleichermaßen der westlichen Kontingenz und des Vorsehungswahns des Mullah‑Regimes.

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Autor

  • Ali Masarwah ist Fondsanalyst und Geschäftsführer von envestor. Er beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Fonds und ETFs, zuletzt als Analyst beim Research-Haus Morningstar.

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