Cashback. ETF-Portfolios. Beratung.
Envestor hilft Ihren Finanzen auf die Sprünge!
HIER TERMIN VEREINBAREN

Schützt der Vanguard FTSE Global All-Cap ETF vor dem KI-Crash?

Für 0,07% im Jahr bündelt der neue Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF seit August über 10.000 Aktien aus 49 Ländern, große wie kleine, aus Industrie- und Schwellenländern. Für das Altersvorsorgedepot, das ab Januar 2027 in der Standardvariante oft nur einen einzigen Aktien-ETF bespart, klingt das nach der perfekten Komplettlösung. Wir haben durchgerechnet, wie gut der ETF im Crash schützt – und warum die Zahl der Aktien dabei kaum eine Rolle spielt.

Genau 10.222 Aktien enthält der FTSE Global All Cap Index. Seit Vanguard im August einen ETF auf diesen Index aufgelegt hat, geht die Kunde um, es handele sich um einen One-Stop-Shop: Wer ihn kauft, sei „bei allem dabei“. Doch wie breit streut ein Index, der Industrie- und Schwellenländer, Standard- und Nebenwerte kombiniert, tatsächlich? Und federt diese Breite einen Crash am Aktienmarkt ab? Die Antwort liefert der Vergleich mit den beiden etablierten Weltindizes MSCI World und MSCI ACWI.

Drei Indizes, drei Schichten des Weltmarkts

Der MSCI World Index enthält 1.249 große und mittelgroße Unternehmen aus 23 Industrieländern, US-Aktien machen davon 73% aus. Der MSCI ACWI Index (All Country World Index) ergänzt die Schwellenländer, der FTSE Global All Cap Index zusätzlich die Nebenwerte. Dort liegt der US-Anteil bei 62,4%.

Aufsehenerregend ist der Preis für die breiteste Variante. Wer bislang Nebenwerte mitkaufen wollte, zahlte etwa für den SPDR MSCI ACWI IMI 0,17% im Jahr. Ohne Nebenwerte geht es inzwischen noch günstiger: ETFs auf den MSCI ACWI Index gibt es ab 0,06%, der Marktführer iShares MSCI ACWI verlangt 0,20%. Auf den MSCI World Index gibt es mit dem Invesco MSCI World sogar einen ETF für 0,05%, der den Index allerdings synthetisch über einen Swap abbildet.

Der ETF selbst ist jung: Aufgelegt wurde der Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF am 18. August 2026. Daher verwenden wir für die weiteren Vergleiche Indexdaten. Auf der Renditeseite haben die Erweiterungen in Richtung Schwellenländer und Nebenwerte zuletzt Geld gekostet. Über fünf Jahre brachte der MSCI World Index per Ende September 11,9% pro Jahr, der MSCI ACWI Index mit Schwellenländern 11,6% (Net Return in US-Dollar). Die Nebenwerte kosteten noch mehr: Der FTSE Global All Cap Index brachte im selben Zeitraum 11,5% pro Jahr, der FTSE All-World Index ohne Nebenwerte 12,1% (jeweils Total Return in US-Dollar). Den Abstand von 0,6 Prozentpunkten pro Jahr verursachten die Nebenwerte, die allein auf 6,7% pro Jahr kamen.

Von 100 Euro gehen 22,64 Euro an zehn Konzerne

Alle drei Indizes gewichten nach Börsenwert: Je größer ein Unternehmen, desto mehr Geld fließt hinein. Im MSCI World Index stehen Nvidia mit 5,81%, Apple mit 5,41% und Microsoft mit 4,00% an der Spitze, die zehn größten Titel kommen zusammen auf 27,85%. Allein der IT-Sektor macht 31,78% aus. Anders formuliert: Von 100 Euro, die Anleger in einen ETF auf den MSCI World Index investieren, fließen 27,85 Euro in nur zehn Konzerne.

Im FTSE Global All Cap Index verdünnen Schwellenländer und Nebenwerte diese Spitze nur wenig: Nvidia kommt dort auf 4,58%, die zehn größten Titel auf 22,64%. Von 100 Euro Sparrate fließen also 22,64 Euro an zehn Konzerne. Die 6.018 Nebenwerte teilen sich 8,74 Euro, im Schnitt 0,15 Cent pro Unternehmen.

Stresstest: Beim KI-Crash verlieren alle drei fast gleich viel

Fällt eine Aktie um die Hälfte, verliert der Index die Hälfte ihres Indexgewichts. Daraus haben wir zwei Szenarien gerechnet. Im ersten fallen nur die fünf Hyperscaler Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta und Oracle um 50%, der Rest des Marktes bleibt stabil. Im zweiten bricht der gesamte KI-Investitionszyklus: Hyperscaler minus 50%, Chip-Zulieferer wie Nvidia, Broadcom, Micron, AMD, TSMC, Samsung und SK Hynix minus 60%, übrige Technologie- und Kommunikationswerte minus 30%, der restliche Markt minus 15%.

Cleverrente by envestor

Cleverrente by envestor

Machen Sie das Beste aus Ihrem Riester

Behalten oder ins neue Altersvorsorgedepot wechseln? Laden Sie Ihre Jahresinformation hoch oder vergleichen Sie selbst. In wenigen Minuten sehen Sie, was für Sie mehr bringt.

Riester-Vergleich starten →

Gewichte des MSCI World Index und des FTSE Global All Cap Index laut Factsheets vom 30.09.2026, übrige Gewichte eigene Schätzung. Modellrechnung, keine Prognose.

Im ernsten Szenario liegen MSCI World Index, MSCI ACWI Index und FTSE Global All Cap Index weniger als einen Prozentpunkt auseinander. Die Schwellenländer puffern kaum, weil ihre Schwergewichte selbst KI-Zulieferer sind: Im FTSE Global All Cap Index steht TSMC mit 1,63% auf Platz sechs, Taiwan und Südkorea kommen zusammen auf 6,05%. Der MSCI ACWI Index verliert in unserer Rechnung sogar etwas mehr als der MSCI World Index.

In Euro heißt das: Eine 58-jährige Sparerin mit 80.000 Euro im FTSE-All-Cap-ETF verliert im ersten Szenario rund 4.100 Euro, im zweiten rund 21.000 Euro. Um gut 26% Verlust wettzumachen, braucht das Depot ein Plus von knapp 36%. Bei 7% Rendite im Jahr dauert das rund viereinhalb Jahre, die vor Rentenbeginn fehlen.

Gleichgewichtung und BIP-Gewichtung: Schutz mit Nebenwirkungen

Der MSCI World Equal Weighted Index setzt bei jeder vierteljährlichen Anpassung alle 1.249 Titel auf dasselbe Gewicht von rund 0,08%. Nvidia zählt dann so viel wie ein mittelgroßer Industriewert. Im KI-Crash-Szenario verliert er deshalb neun Prozentpunkte weniger als der MSCI World Index.

Der Preis dafür war hoch. Über zehn Jahre brachte der gleichgewichtete Index per Ende September 9,47% pro Jahr, der MSCI World Index 13,37% (Gross Return in US-Dollar). Das sind 3,9 Prozentpunkte Rückstand pro Jahr, über fünf Jahre sogar 4,55 Prozentpunkte. Gegen breite Krisen schützt Gleichgewichtung zudem kaum: In der Finanzkrise 2007 bis 2009 fiel der gleichgewichtete Index in der Spitze um 59,66%, der MSCI World Index um 57,46%. 2018 verlor er 11,80% gegenüber 8,20%.

Gleichgewichtung ist außerdem eine Länderwette. Im MSCI World Equal Weighted Index stehen die USA bei 40,61% und Japan bei 14,37%. Der jährliche Umschlag liegt bei 32,08%, beim MSCI World Index bei 3,18%.

Die BIP-Gewichtung verteilt das Geld nach Wirtschaftsleistung der Länder. Im MSCI ACWI GDP Weighted Index kommen die USA per Ende Juni auf 30,05%, China auf 16,82%. Über fünf Jahre brachte der Index 8,40% pro Jahr, über zehn Jahre 10,88% (Gross Return in US-Dollar). Der MSCI ACWI Index lag in denselben Zeiträumen selbst nach Abzug der Quellensteuern bei 10,98% und 12,78%. Der Rückstand betrug also mindestens 2,6 bzw. 1,9 Prozentpunkte pro Jahr. Wer so gewichtet, tauscht das US-Tech-Risiko gegen ein China-Risiko.

Was das für das Altersvorsorgedepot bedeutet

Für das Standardprodukt im Altersvorsorgedepot gilt ein Kostendeckel von 1% Effektivkosten pro Jahr. Ein 0,07%-ETF passt da bequem hinein. Absehbar werden einige Standarddepots nur einen einzigen Aktien-ETF enthalten, und dann entscheidet dessen Indexkonstruktion über das gesamte Aktienrisiko. Bei einem KI-Crash rauschen ETFs auf alle drei Weltindizes im Gleichschritt über die Klippe.

Wie stark ein KI-Crash schmerzt, hängt vom Lebensalter ab. Ein 30-Jähriger mit 5.000 Euro im Depot kauft nach einem Einbruch mit jeder Sparrate günstiger ein, für ihn ist der Ein-ETF-Ansatz vertretbar. Bei einer 58-Jährigen mit 80.000 Euro kostet derselbe Einbruch rund 21.000 Euro. Umschichtungen in Anleihefonds senken das Risiko zwar in den Jahren vor Rentenbeginn, doch der verbleibende Aktienanteil steckt bei One-Stop-Shop-Lösungen weiter in denselben Konzernen. Auch im Auszahlplan dürfte eine Aktienquote übrig bleiben, und eine mangelhafte Streuung kann dann Rente kosten.

Die Kosten, auf die derzeit alle Welt fixiert zu sein scheint, sind dagegen ein relativ kleiner Faktor in der Vermögensbilanz. Der Unterschied zwischen 0,07% beim Vanguard-ETF und 0,20% beim Marktführer iShares MSCI ACWI macht bei 80.000 Euro rund 100 Euro im Jahr aus. Wer ein Altersvorsorgedepot auswählt, sollte deshalb zuerst prüfen, ob der Anbieter mehr als einen Aktien-ETF zulässt. Sinnvolle Ergänzungen zu einem marktbreiten Kern sind ein gleichgewichteter Baustein oder Regionen mit geringem Tech-Anteil wie Europa. Bei Schwellenländer-ETFs lohnt ein Blick auf das Gewicht von Taiwan und Südkorea, denn dort sitzen die KI-Zulieferer.

Fazit: Die Gebühr ist das kleinere Risiko

Der Vanguard FTSE Global All-Cap ist der günstigste Weg, Industrieländer, Schwellenländer und Nebenwerte in einem ETF zu kaufen. Gegen einen Einbruch der KI-Konzerne schützt er so wenig wie ein ETF auf den MSCI World Index oder den MSCI ACWI Index: In unserem KI-Crash-Szenario verlieren alle drei rund 26%, weil die Börsenwert-Gewichtung das Geld bei denselben Konzernen bündelt. Für junge Sparer ist er ein guter Kernbaustein. Wer ab Mitte 40 ein nennenswertes Vermögen im Altersvorsorgedepot hat, gewinnt mehr Sicherheit durch einen zweiten Aktienbaustein mit anderer Gewichtung als durch einen Kostenvorteil von höchstens 0,13 Prozentpunkten.

So holen Sie das meiste aus Ihrem Riester heraus!

Sobald das Altersvorsorgedepot am 1. Januar 2027 startet, kann der Wechsel von Riester ins Altersvorsorgedepot über cleverrente.de abgeschlossen werden. Melden Sie sich für den Newsletter an und bleiben Sie auf dem Laufenden, damit Sie nichts Wichtiges verpassen. Für den persönlichen Kontakt erreichen Sie uns jederzeit unter info@cleverrente.de.

 

Autor

  • Ali Masarwah ist Fondsanalyst und Geschäftsführer von envestor. Er beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Fonds und ETFs, zuletzt als Analyst beim Research-Haus Morningstar.

    Alle Beiträge ansehen
Nach oben scrollen