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Das Altersvorsorgedepot: Viele Produktankündigungen – und worauf es für Anleger ankommt

Beim Altersvorsorgedepot mutet der Wettbewerb um die Kunden erfreulich an: Die Anbieter haben einen Unterbietungswettbewerb mit niedrigen Kosten gestartet. Das klingt gut, ist aber nicht alles. Ein Kommentar zu den vielen Produktplänen der Banken, Fondsanbieter und Plattformen. 

Zunächst die Binse: Gebühren sind der verlässlichste Indikator für künftige Renditen in der langfristigen Geldanlage. Viele ambitionierte Fondshäuser und Banken haben bereits über ihre Pläne für das Altersvorsorgedepot informiert. Im Vordergrund stehen die kommunizierten, durch die Bank erfreulich niedrigen Kosten, die ab Januar 2027 gelten sollen.  Dennoch sollten Anleger sich von spektakulären Ankündigungen nicht blenden lassen. Zwei Gründe sprechen für eine gesunde Skepsis. So wird beim Altersvorsorgedepot nicht nur entscheidend sein, was auf dem Preisschild steht. Mindestens ebenso wichtig sind die tatsächliche Verfügbarkeit des günstigen Angebots im Beratungsgespräch, die Beratung selbst und die Qualität der angebotenen Fonds und ETFs.

Erstens: Was auf dem Papier steht, muss im Vertrieb ankommen. Die Deka will ihr Standarddepot, für das der gesetzliche Kostendeckel von 1,0 Prozent gilt, nach eigenen Angaben zu Kosten von nur 0,1 Prozent anbieten. Das ist ein sehr kompetitives Angebot. Die DWS wird voraussichtlich bei rund 0,45 Prozent deutlich darüber liegen; Union Investment, der Fondsanbieter der Genossenschaftsbanken, wird nach bisherigem Stand ebenfalls teurer sein – laut FAS 0,55 Prozent plus Fondskosten – und auch im Standarddepot aktiv verwaltete ETFs einsetzen.

Doch das Deka-Angebot von 0,1 Prozent muss nicht zwangsläufig das beste sein. Entscheidend wird sein, welchen Platz das günstige Standarddepot im tatsächlichen Beratungsgespräch erhält. Wird es aktiv angeboten – oder dient es vor allem als Lockvogel, um Kunden in die Sparkasse zu ziehen, wo ihnen beratungsintensive, teure Altersvorsorgedepots nahegelegt werden? Immerhin will die Deka das Standarddepot auch digital über die Sparkassen-App anbieten. Ob am Ende die App oder der Berater den Ausschlag gibt, wird sich zeigen.

Ich hoffe, dass diese Sorge unbegründet ist. Die Geschichte des deutschen Fondsvertriebs lehrt jedoch Skepsis. Als die Deka bereits 2008 eigene ETFs auflegte, waren diese im Privatkundenvertrieb der Sparkassen lange Zeit kein Thema. In meiner Zeit als Analyst bei Morningstar meldeten sich immer wieder Anleger, denen Berater erklärten, ETFs seien „nur für institutionelle Investoren geeignet“. Cross-Selling ist nicht verwerflich, problematisch wird es freilich dann, wenn ein günstiges Angebot zwar auf dem Papier existiert, im Vertrieb aber praktisch keine Rolle spielt.

Zweitens: Beratung darf Geld kosten. Das heißt nicht, dass teurere, beratene Depots per se schlecht sind. Es kommt darauf an, wem sie verkauft werden und was darin steckt. Gerade bei einem Altersvorsorgedepot kann Beratung für viele Anleger sinnvoll sein. Wer noch eine Sparphase von 20, 30 oder 40 Jahren vor sich hat, soll gerne ohne Beratung auf günstige Aktien-ETFs setzen. Neobroker mit extrem günstigen Standardlösungen werden hier im Vorteil sein. Allerdings sind derartige Minimalisten nicht die erste Adresse für Menschen jenseits der 50, die eine bestehende Riester-Rente haben, eine komplexe Einkommenssituation oder eine realistische Entnahmeplanung berücksichtigen müssen. Für diese Kundengruppe dürfte ein gut beratenes, effizientes, diversifiziertes Depot, das vor allem auf rentenbasierte Einkommensstrategien setzt, die bessere Lösung sein als ein günstiger ETF-Autopilot.

Aber dann kommt die entscheidende Frage: Was erhält der Kunde für die höheren Kosten? Wer jährlich 1,5 Prozent oder mehr zahlt, sollte nicht vor allem Fonds aus dem eigenen Konzern angeboten bekommen. Offene Architektur – also die Auswahl der besten verfügbaren Fonds und ETFs unabhängig vom Anbieter – wird zum Make-or-Break-Kriterium. Gerade bei komplexeren Lebenssituationen bzw. geringer Restspardauer sollte die Produktauswahl nicht an den Grenzen eines Bank- oder Versicherungskonzerns enden und auch nicht ausschließlich durch die Kostenbrille betrachtet werden. An diesen Maßstäben müssen sich die Anbieter ab 2027 messen lassen.

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Autor

  • Ali Masarwah ist Fondsanalyst und Geschäftsführer von envestor. Er beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Fonds und ETFs, zuletzt als Analyst beim Research-Haus Morningstar.

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