Robotik-Aktien aus China gehören zu den heißesten Stories an der Börse. Diese Woche haben ihre Hersteller in Peking vorgeführt, warum. Ein Roboter lief dort die 100 Meter in 8,86 Sekunden, letztes Jahr waren es noch 21,50. Das Tempo der Entwicklung ist atemberaubend, auch wenn einen die ungeschickten Maschinen zum Schmunzeln bringen. Wie können Anleger in das Thema investieren?
Es war nur eine Frage der Zeit, bis Usain Bolts 100-Meter-Weltrekord von 9,58 Sekunden fallen würde. Ende August war es soweit. Wie unglaublich der neue Weltrekord von 8,86 Sekunden ist, zeigt das Ergebnis im letzten Jahr. Damals betrug die Bestzeit noch 21,5 Sekunden. Bei den zweiten World Humanoid Robot Games in Peking traten 2.056 Roboter aus 666 Teams an, viermal so viele Maschinen wie 2025, und 641 dieser Teams kamen aus China, das seinen Führungsanspruch in der Robotik ähnlich offensiv anmeldet wie zuvor bei KI-Anwendungen. Das dünne ausländische Feld verzerrt das Bild dabei kaum: Chinesische Hersteller lieferten im ersten Halbjahr 2026 über 97% aller humanoiden Roboter weltweit aus. Aufschlussreicher als der Sprint ist dabei der Hochsprung aus dem Stand: von 0,95 Metern im Vorjahr auf 2,88. Geradeaus schnell zu laufen ist Vorwärtsdynamik, Absprung und Landung aus dem Stand verlangen Ganzkörperbalance, und das ist die Fähigkeit, auf die es in einer Werkshalle ankommt.
Solche Sprünge entstehen nicht durch bessere Motoren allein. Ein Läufer des Pekinger Herstellers X-Humanoid absolvierte die 400 Meter mit angewinkelten Armen dicht vor dem Gesicht. Diese Haltung stammt aus bestärkendem Lernen, also millionenfachem Ausprobieren in der Simulation, das sie zusammen mit einer stärkeren Hüftrotation als effizienter bewertete als den Armschwung eines menschlichen Sprinters. Die Vorlage ist damit nicht mehr der Mensch, sondern das, was in der Simulation gewinnt.
Sieger ohne Börsennotiz
Ganz weit vorn im Robotics-Wettlauf ist ein Unternehmen, das an keiner Börse notiert. AgiBot aus Shanghai gewann bei seinem ersten Auftritt 18 Goldmedaillen und 46 Medaillen insgesamt und lag damit in beiden Wertungen vorn. Die eingesetzten Modelle stammen aus der laufenden Serienfertigung und wurden nicht speziell für den Wettbewerb gebaut. Bis Juni hat das Unternehmen nach eigenen Angaben bisher 15.000 Roboter produziert. Zu den Siegern gehört auch das Unternehmen X-Humanoid, hinter dem das Pekinger Innovationszentrum für humanoide Robotik steht. Auch X-Humanoid ist nicht börsennotiert.
Der bekannteste börsennotierte Teilnehmer an den World Humanoid Robot Games war Unitree (Yushu Technology). Dessen Vertreter erzielte im ersten 100-Meter-Vorlauf allerdings nur eine Zeit von 12,41 Sekunden und lag damit auf dem letzten Platz. Wer über die Börse in Robotics-Aktien aus China einsteigt, kauft also nicht den Technologieführer, sondern das Unternehmen, das zuerst an die Börse gegangen ist.
Was im Depot machbar ist
Die Unitree-Aktie zeigt, wie heiß das Thema Robotics-Aktien aus China an der Börse gekocht wird. Der Hangzhouer Hersteller setzte 2025 rund 235 Millionen Dollar um, bei einer Bruttomarge von 60,3% und einem Umsatzplus von 335% gegenüber dem Vorjahresniveau. Die Privatanlegertranche des Börsengangs am 18. August war 8.000-fach überzeichnet. Am ersten Handelstag (18. August) stieg die Aktie um 460%, und der Börsenwert lag danach bei rund 48 Milliarden Dollar. Seither ist die Aktie um 47% abgestürzt. Ein Zeichen, dass auch in Wachstumsmärkten die Luft dünn werden kann.
Billig ist die Unitree-Aktie aber noch immer nicht. Das Brokerhaus Nomura veranschlagt für 2026 einen Umsatz von rund 400 Millionen Dollar, womit das Kurs-Umsatz-Verhältnis selbst nach dem Absturz bei etwa 88 liegt. Dabei wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Das Umsatzwachstum liegt dieses Jahr bei rund 40%, und der Gewinn ist 2026 rückläufig, weil aktuell Forschung und Vertrieb schneller wachsen als der Absatz.
Seit Oktober 2025 können Anleger bereits auf das Thema Robotics-Aktien setzen: der KraneShares Global Humanoid Robotics and Physical AI Index UCITS ETF (ISIN IE000O6Z73N7), seit Januar 2026 auch auf Xetra handelbar. Er hält 51 Titel, nahezu gleichgewichtet, die größte Position kommt auf 2,8%. Wer ihn kauft, setzt mangels börsengelisteter Robotics-Hersteller vor allem auf die Lieferkette: Rund 40% des ETFs stecken in Antrieben, Getrieben und Mechanik, von Harmonic Drive über Schaeffler bis zu den chinesischen Spezialisten Sanhua und Leaderdrive. Gut 20% entfallen auf Halbleiter, angeführt von Nvidia, weitere gut 20% auf Sensorik und Messtechnik, etwa Keyence und Hexagon. Nur rund 12% liegen bei den Herstellern selbst, darunter Tesla, UBTech und Unitree. Die restlichen 6% halten drei Produzenten Seltener Erden, weil jeder Roboter Magnete braucht. Nach Ländern liegen 36% in den USA, 24% in China, 16% in Europa und 11% in Japan. Das Fondsvermögen ist mit 105 Millionen Dollar klein.
Jenseits des Spezialgebiets humanoider Roboter wird das Thema Robotics von einer Handvoll Fonds und ETFs abgebildet, die teilweise eine lange Historie haben. Der größte und älteste Fonds am Markt ist der Pictet Robotics, den es bereits seit 2015 gibt. Dieser weist ein Vermögen von gut 12,5 Milliarden Euro auf. Allerdings ist seine Performance-Historie innerhalb der Kategorie der Technologie-Fonds nicht herausragend, wie das Drei-Sterne-Morningstar-Rating zeigt. Auch der älteste ETF am europäischen Fondsmarkt, der 2016 aufgelegte iShares Automation & Robotics, ist unter den Technologiefonds allenfalls Durchschnitt. Er ist mit einem Vermögen von gut 4,8 Milliarden Euro der zweitgrößte Robotics-Fonds am Markt. Während der Pictet Robotics vor allem auf klassische Tech-Werte wie Alphabet, ServiceNow, Salesforce, ASML, Nvidia, Broadcom, TSMC oder Snowflake setzt, findet sich beim iShares-ETF eine höhere Quote an Industrie-Aktien wie Siemens oder Emerson Electric. Die Liste der Top-Werte zeigt, dass die klassischen Fonds für Robotics-Aktien eher generische Tech-Generalisten mit einem Einsprengsel an Industrie-Aktien sind.
Der Riegel aus Washington
Die größte Unsicherheit für ein reinrassiges Robotics-Aktien-Investment steht nicht in einer Bilanz, sondern basiert auf der Regulatorik. Ende Juli hat die US-Fernmeldebehörde FCC ausländisch produzierte humanoide und vierbeinige Roboter auf ihre Sperrliste gesetzt, gemeinsam mit Wechselrichtern für Stromnetze. Neue Modelle dürfen damit nicht mehr in die USA eingeführt werden, begründet mit Cybersicherheit und Abhängigkeiten in der Lieferkette. Bereits zugelassene Geräte sind ausgenommen. Das Pentagon führt Unitree zudem auf seiner Liste von Unternehmen mit Verbindungen zum chinesischen Militär, was das Unternehmen bestreitet, das Unternehmen aber für viele Anleger hierzulande zum No-Go machen dürfte.
Kurzfristig kostet der Bannstrahl Washingtons die chinesischen Hersteller wenig. 85% der Nachfrage kommt aus China selbst. Mittelfristig ist der Weg in den größten westlichen Markt für neue Modelle aber versperrt. Profitieren werden davon zunächst amerikanische Anbieter wie Tesla, Figure AI, Agility Robotics und Boston Dynamics. Ob diese auch global das Rennen machen, ist dagegen unklar. Ob Europa nachzieht, ist offen. Bei der Netzwerktechnik von Huawei und bei Drohnen kam die europäische Debatte über Risiken für die nationale Sicherheit mit Verzögerung, aber sie kam. Die Analogie dazu beim Thema Robotics-Aktien aus China drängt sich auf: Wer heute auf chinesische Roboterbauer setzt, nimmt ein politisches Risiko in Kauf, das sich in keinem Bewertungsmodell abbilden lässt.
Für die Zulieferer gilt das nur eingeschränkt. Verboten sind in den USA fertige Roboter aus China, nicht aber Getriebe, Sensoren oder Halbleiter. Nach Berechnungen von Morgan Stanley stammen 63% der globalen Lieferkette für humanoide Roboter aus China. Ein amerikanischer Roboter mit chinesischen Gelenken bleibt in den USA damit vorerst zulässig.
Fazit: Einen Zeh ins Wasser
Unsere Einführung in das Thema Robotics-Aktien aus China zeigt, dass die humanoide Robotik das Zeug zu einem großen Thema hat. Das Entwicklungstempo aus Peking spricht dafür, Robotics-Aktien im Blick zu behalten. Sie ins Depot zu integrieren, ist allerdings aktuell kein Muss, nicht nur wegen hoher Bewertungen (die man an Wachstumsmärkten ohnehin nie vermeiden wird), sondern weil das Spezialthema kaum investierbar ist: Die beiden erfolgreichsten Unternehmen der Pekinger Spiele sind nicht börsennotiert, und Unitree ist trotz des Kurssturzes iimmer noch luftig bewertet – und spielt zudem nicht in der allerersten Liga. Einzelwetten sind auch angesichts der gespannten Beziehungen zwischen China und den USA hochriskant.
Die wenigen ETFs am Markt spiegeln die oben besprochene Problematik wider. Am ehesten lässt sich das Thema mit dem KraneShares Global Humanoid Robotics and Physical AI ETF spielen. Die Aufteilung auf 36% USA und 24% China kann eine Antwort auf den Handelskonflikt zwischen den USA und China sein: Setzt Washington seine Abschottung durch, beliefern Nvidia, Amphenol und die Produzenten Seltener Erden im Fonds die neu entstehende Fertigung in den USA. Bleibt China der Kostenführer, verdienen die Zulieferer aus Shenzhen. Und weil vier Fünftel des Fondsvermögens in Bauteilen stecken statt in Robotern, hängt die Rendite nicht unmittelbar daran, wer das Robotics-Rennen am Ende gewinnt.
Damit können Anleger einen Zeh ins Wasser tupfen, allenfalls allerdings als kleine Beimischung. Mehr sollte es vorerst nicht sein, denn einige Aktien im ETF sind an der Börse heiß gelaufen. Das Anlageuniversum wächst unterdessen weiter: Unitree war der erste Börsengang der Branche und wird nicht der letzte gewesen sein, AgiBot und X-Humanoid stehen mit Serienfertigung und Medaillentabelle bereit. Wir schauen zu und freuen uns auf die Fortschritte, die uns nach und nach die Robotics-Aktien (nicht nur aus China) bescheren werden.
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Alle Beiträge ansehenSteffen Gruschka ist CFO und Co-Geschäftsführer von envestor und blickt auf rund 30 Jahre Erfahrung im aktiven Management von Schwellenländer-Aktienfonds zurück. In seiner Laufbahn wurde er mehrfach als Fondsmanager des Jahres ausgezeichnet. Zuletzt erreichte er 2025 in der Kategorie Aktien Emerging Markets die Spitzenposition und gehörte damit laut Handelsblatt zu den besten Fondsmanagern Deutschlands.