Im dritten Teil unserer Serie zur Asset Allocation kommen wir auf ein Thema zu sprechen, das zu einem Glaubensstreit für Investoren geworden ist. Wie stabil müssen Portfolios sein? Wie häufig müssen sie angepasst werden? Und wenn das Umschichten von Portfolios Teil des Spiels ist: wie behutsam müssen Anleger hier vorgehen? 

Im ersten Teil der Serie haben wir Grundlegendes zur Vermögensaufteilung in Portfolios erläutert, bevor wir im zweiten Teil auf das Thema Diversifikation zu sprechen gekommen sind. Im letzten Teil der Serie werden wir dann einige Mischfonds vorstellen, die in der Vergangenheit langfristig einen erfolgreichen Mix hinbekommen haben zwischen den verschiedenen Anlageklassen. 

Asset Allocation und aktives Management 

Bevor wir der Frage nachgehen, wie stabil Langfristportfolios sein sollten, müssen wir mit einem Mythos aufräumen: Noch immer hält sich der Glaube an den Fondsmanager, der bei Marktveränderungen immer „das Richtige“ macht. Hier stehen taktische Umschichtungen im Vordergrund: Der Manager entscheidet, in bestimmte Märkte zu investieren, wenn sich Chancen bieten und zu verkaufen, wenn die Risiken steigen. 

Das klingt nach „Top oder Flop“-Entscheidungen, und so stellen viele Fondsmanager auch ihr Tun dar. Doch so läuft es eben nicht, bzw. so sollte es auf keinen Fall laufen. Langfristig erfolgreiche Fonds werden sehr selten taktisch gemanagt. 

Wer über taktische Asset Allocation (TAA) spricht, muss sich zunächst über den Gegenpol Klarheit verschaffen: die strategische Asset Allocation (SAA). Die SAA entspricht der langfristigen Vermögensstrukturierung. Auf Ebene der Anleger entspricht die SAA den Renditezielen unter Einbeziehung seiner Risikotragfähigkeit.

Strategische Asset Allocation für die große Linie

Auf Ebene eines Fonds drückt sich die SAA in der Investmentstrategie aus. So wird ein Value-Fonds unter Anwendung von bestimmten Kennzahlen, wie beispielsweise das Kurs-Gewinn-Verhältnis, in unterbewertete Aktien investieren, um langfristig eine Outperformance zu erzielen.

Ein Growth Aktienfonds wird wiederum andere Kennzahlen und Methoden nutzen, um eine Benchmark oder Konkurrenzfonds zu überwinden. Hier stehen in der Regel Wachstumsfaktoren, etwa das Umsatz- oder Gewinnwachstum, im Vordergrund. Langfristig sollen also bei Growth- oder bei Value-Fonds die fundamentalen Kennziffern die Linie Vorgeben.

Bei Mischfonds geht es um die Einhaltung eines bestimmten Verhältnisses zwischen Aktien und Anleihen und gegebenenfalls Immobilien, Edelmetalle, Cash und alternative Assets, wie etwa Hedgefonds oder Währungen. Hier steht die richtige Mischung aus Risiko und Ertrag im Vordergrund (Diversifikation, Sie wissen schon.)

Bei Mischfonds unterscheidet man zwischen defensiven, ausgewogenen, offensiven und flexiblen Fonds. Hier werden bestimmte Grenzen definiert, innerhalb derer riskante und risikoärmere Anlagen gewichtet werden. Ein 30:70 Mischfonds wird überwiegend auf sichere Anleihen setzen, ein 50:50 Mischfonds investiert hälftig in riskantere und risikoarme Assets, die Manager flexibler Mischfonds sind in ihrer Asset Allocation völlig frei.

Allen oberen Beispielen ist gemein, dass die SAA die große Linie vorgeben soll, nach der das Vermögen verwaltet wird. Die TAA bezieht sich immer auf die SAA. Sie stellt eine kurzfristige Abweichung von der als Norm definierten Strategie dar; die TAA ergänzt die SAA. Sie soll sie robuster machen, aber auf keinen Fall überlagern.

David Giroux für die behutsame Taktik

Um das gesagte zu illustrieren, wollen wir zwei Beispiele bringen. Das erste:

Vor wenigen Wochen brachte die Financial Times einen längeren Artikel über den Trade eines renommierten Fondsmanagers in den USA. Aktien seien stark überbewertet, weshalb er die Aktienquote in seinem Fonds von 70 auf 55 Prozent reduziert habe, zitierte die FT David Giroux von T. Rowe Price.

Giroux managt unter anderem den 52 Milliarden Dollar schweren Mischfonds T. Rowe Price Capital Appreciation (nur in den USA zum Vertrieb zugelassen). Der Fonds zählt zu den erfolgreichsten Aktien-Renten-Fonds in den USA. Giroux hat seit 2006 eine beachtliche Erfolgsserie hingelegt.

Der T. Rowe Price Fondsmanager hat an entscheidenden Wendepunkten an den Märkten richtig gehandelt. So hat Giroux Ende 2007 und Ende 2019 Aktien verkauft. Spiegelbildlich hatte er 2008, 2011 und 2018 Aktien gekauft.

Allerdings ging er dabei nicht nach dem „Top oder Flop“-Prinzip, sondern vielmehr wie nach dem Lehrbuch für Asset Allocation vor. Im Ergebnis besteht die TAA für Giroux aus Feinjustierungen. Laut Fondsstrategie soll sein Fonds eine Aktienquote von zwischen 50 und 70 Prozent aufweisen. Giroux hat sich bisher innerhalb seiner vordefinierten Bandbreite bewegt. Die TAA und die SAA haben sich also aufs Vorzüglichste ergänzt.

Mit Dirk Müller und gegen die Wand

Wir springen über den großen Teich und kommen nach Europa. Auch hierzulande macht ein Fondsmanager von sich reden. Der ehemalige Kursmakler Dirk Müller berät einen Fonds. Der Dirk Müller Premium Aktien hat den Auftrag, „überwiegend in großkapitalisierte Unternehmen“ zu investieren, wobei der Anlageschwerpunkt „in den Regionen Nordamerika/Europa“ liege.

Blickt man auf die Performance, dann wird jedoch schnell klar, dass der Fonds so gut wie nichts mit einem globalen Aktienportfolio gemein hat. Auch wenn der Fonds in hochwertige Aktien wie Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon oder Nike schwerpunktmäßig investiert, haben Anleger des 500 Millionen Euro schweren Fonds in den vergangenen Jahren nicht an der Entwicklung der Aktienmärkte partizipiert. Wer vor fünf Jahren in einem hypothetischen Investment 10.000 Euro in den MSCI World investierte, konnte sein Vermögen auf gut 18.000 Euro steigern. Der Dirk Müller Aktien Premium erwirtschaftete einen Verlust. Er machte aus 10.000 Euro rund 9.400 Euro.

Performance-Vergleich Dirk Müller Aktien Premium vs. MSCI World

Taktische Allocation Mueller Fonds

Daten per 31.7.2021, Quelle: Morningstar

Woher diese Divergenz kommt? Fondsberater Dirk Müller sichert seine Aktienpositionen „taktisch“ ab. Und zwar immer dann, wenn er der Meinung ist, dass eine Korrektur an den Märkten droht. Und da Müller, wie es sich für einen Crash-Guru gehört, ständig und überall Gefahren lauern sieht, hat er in den vergangenen Jahren sehr oft das Fonds-Portfolio abgesichert.

Man kommt nicht umhin zu konstatieren, dass hier die Absicherung der Aktien gegen Kursverluste die Performance dominiert. Dabei ist die Underperformance des Dirk Müller Fonds so dramatisch, dass das Ziel, Anlegern die Partizipation an der Kursentwicklung globaler Aktien zu ermöglichen, als gescheitert angesehen werden muss. Wer vor fünf Jahren in den Dirk Müller Fonds investierte, hat fünf hervorragende Aktienjahre verpasst. So etwas lässt sich kurzfristig nicht wettmachen.

Fazit: Taktik und Strategie sind keine Gegensätze

Die Frage „TAA oder SAA?“ ist also falsch gestellt. Die Taktik ergänzt die Strategie, darf sie aber keinesfalls überlagern. Aber sie ist wichtig, um die Robustheit eines Portfolios zu sichern.

Das illustrieren unsere beiden Beispiele, wobei das Scheitern von Dirk Müller und der Erfolg von David Giroux Extremwerte in einer zumeist eher unspektakulären Verteilung sind.

Auch Indexportfolios enthalten eine taktische Komponente, wenn sie die Gewichtung der Assets periodisch wieder in die Ausgangslage zurückversetzen. Das Rebalancing sichert, dass die Mischung der Assets immer wieder so hergestellt wird, wie sie den Renditezielen – in Kombination mit der Risikotragfähigkeit – des Investors entspricht.

Regelmäßig das Portfolio feinzujustieren, ist absolut in Ordnung. Sich dagegen von kurzfristigen Zielen leiten zu lassen und hektisch Entwicklungen an den Märkten zu antizipieren oder auf sie zu reagieren, ist es nicht. Wer reagiert, wird das Geschehene nicht ungeschehen machen, und wer in Antizipation auf eine Entwicklung alles auf eine Karte setzt, fordert das Schicksal regelrecht heraus.

Daher sind die Leitplanken, die uns die SAA vorgibt, so wertvoll. Sie geben uns Halt. Erst sie erlauben es den Portfolio-Lenkern, klare Kante zu zeigen und das Investment-Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

 

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