Fidelity Japan Value Fund: Neuer Manager, neuer Name, altbewährter Prozess

Der Fidelity Japan Value Fund und sein Manager dürften auch Anlegern unbekannt sein, die schon länger über Fonds in Japan-Aktien investieren. Es handelt sich allerdings um einen alten Bekannten, der auch in neuem Gewand weniger risikant daherkommt, als man von zyklischen Aktien erwarten könnte.

Alter Wein, neuer Schlach, neuer Manager

Den Fidelity Japan Value gib es erst seit 2022. Es handelt es sich aber nur vordergründig um einen Newcomer: Bis 2022 firmierte der Fonds unter dem Namen Fidelity Japan Advantage Fund, der bereits 2003 aufgelegt wurde und langfristig zu den erfolgreichsten Fonds der Kategorie „Japan Standardwerte“ zählte. Er wurde Mitte 2022 laut offizieller Mitteilung von Fidelity umbenannt, um die Strategie des Fonds treffender zu beschreiben. Jetzt steht also Value drauf, wo immer schon die Value-Strategie implementiert wurde – allerdings handelt es sich hier nicht um einen Deep-Value Fonds, der in großem Stil in Pleitekandidaten investiert, sondern um einen eher pragmatischen Ansatz, der auf relative Bewertungen abhebt.

Etwas unglücklich erscheint allerdings, dass im vergangenen Jahr auch der langjährige Manager Ronald Slattery in den Ruhestand ging. Slattery hatte die Strategie – mit Unterbrechungen – seit 2007 verantwortet. Jetzt ist Slatterys ehemaliger Mitstreiter und Co-Manager Min Zeng für den Fonds verantwortlich. Namensänderungen ohne eine materielle Veränderung der Strategie sind irrelevant; ein Fondsmanagerwechsel ist für viele Anleger allerdings ein Verkaufsgrund.

Bei Fidelity sind Fondsmanagerwechsel allerdings weniger heikel als in vielen anderen Häusern. Zum einen ist hier der Investment-Prozess der Star (was nicht ausschließt, dass auch bei Fidelity Fondsmanager zu Stars werden, siehe Peter Lynch, Graham Clapp oder Anthony Bolton). Zudem hat Fidelity einen klar festgelegten Karriereweg: Analysten, die sich auszeichnen, rücken zu Fondsmanagern auch. Das war auch bei Zeng der Fall, der zwischen 2011 und 2017 als Analyst tätig war und ab dann als Assistant Portfolio Manager für japanische Value-Strategien fungierte. Er ist, zusätzlich zu seiner Fondsmanager-Rolle, auch Sektor-Analyst für Elektronik- und Halbleiter-Unternehmen. Da der Fonds seit dem Wechsel keinen nennenswerten Geld-Abflüsse zu verzeichnen hatte, dürfte Fidelity Anlegern den Wechsel gut kommuniziert haben.

Fidelity Japan Value Fund: Die Strategie

Die Strategie des Fonds sieht Investments in Unternehmen vor, die in operative oder Governance-Schwierigkeiten geraten sind, aber ein erhebliches Erholungspotenzial aufweisen – sei es aufgrund von Restrukturierungen oder aber wegen einer Veränderung in der Branche. Dabei lässt sich das Fondsmanagement von der These leiten, dass bei zyklischen Branchen Anlegerstimmungen zu extremen und damit übertriebenen Kursausschlägen führen. Es geht darum, die Höhen und Tiefen der zyklischen Bewegungen zu erkennen und auszunutzen. Dabei arbeitet das Fondsmanager-Team mit Szenarien und nicht mit Punktprognosen.

Das Aktien-Universum von rund 4.000 Aktien wird mit Bewertungs-orientierten Screenings auf 300 Titel reduziert, aus denen dann 50 bis 70 Aktien im Fonds landen, die die günstigsten Bewertungen (KGVs, KBVs) und stabilsten Cashflows aufweisen. Die Größe einer Position wird durch das Potenzial, die Überzeugung des Managements und des Risikos bestimmt. Auch wenn es keine formalen Grenzen für die Abweichung des Fonds von der Benchmark (Topix Index) gibt, bewegt sich der Tracking Error, ein Maß für die Abweichung vom Index, typischerweise zwischen 3 und 6%. Aktuell sind Elektronikhersteller wie Sony oder Tokyo Electron mit gut 23 Prozent deutlich höher gewichtet als im Index (18 Prozent); wie bei typischen Value-Fonds üblich sind dagegen Gesundheitstitel, defensive Konsumgüter untergewichtet, Rohstoff-Aktien und zyklische Konsumgüter übergewichtet. Nicht unbedingt typisch ist dagegen, dass Finanztitel, Immobilien unter- und Tech-Aktien übergewichtet sind. Das illustriert den eher pragmatischen Value-Ansatz.

Fidelity Japan Value: Die Performance

Die Performance des Fidelity Japan Value Fund kann sich langfristig sehen lassen. In den vergangenen 15 Jahren landete der Fonds im ersten Quartil der Vergleichsfonds und schaffte es, die Kategorie jedes Jahr um 2,6 Prozentpunkte und einen Marktindex um jährlich um 2,2 Prozentpunkte outzuperformen. Deutlich vor Index und Vergleichsgruppe lag der Fonds auch in den 3-, 5- und 10-Jahresperioden. Jahr für Jahr sieht die Bilanz indes deutlich bescheidener aus, wie aus der unteren Grafik hervorgeht. Betrachtet man die Zahlen vs. Kategorie und Index genauer, fällt auf, dass die Amplituden bei der Fondsperformance zwar recht deutlich ausschlagen, aber der Abstand zu Fondskategorie und Index nach oben in den guten Jahren viel größer ist als in Abwärtsjahren nach unten. 2022 betrug die Outperformance gegenüber dem durchschnittlichen Japanfonds 6,0 Punkte, 2021 lag der Fidelity Japan Value sogar um gut 7 Punkte vorn. Die Underperformance in den Jahren 2018, 2016 und 2014 fiel weniger markant aus. Das macht den Langfristerfolg aus und illustriert, wie wichtig es ist, dass Anleger nicht aufgrund von Kurzfrist-Performance-Daten den Daumen über einen Fonds senken sollten.  

Die günstige Rendite-Bilanz spiegelt sich übrigens nur eingeschränkt in den Risikokennzahlen wider, was für einen Value-Fonds nicht ungewöhnlich ist. Die Volatilität gegenüber den meisten japanischen Marktindizes war relativ ungünstig. Allerdings konnte der Fonds im Vergleich zu Konkurrenzfonds mehr von der Aufwärtsbewegung des Markets nach oben und weniger Abwärtsbewegungen nach unten „mitnehmen“. Die Up- und Down-Capture Ratios fielen also gut aus. Die Risiko-adjustierte Rendite (in Gestalt des Morningstar Sterne Ratings, aber auch der Sharpe Ratio) sieht beim Fidelity Japan Value auch günstig aus.

Fidelity Japan Value Fund Performance

Schaubild oberer Teil: Was aus 10.000 Euro über die Zeit wurde, Performance-Angaben im unteren Teil in Euro und Prozent. Investment=Fidelity Japan Value Fund, Stand der Daten: 22.6.2023, Quelle: Morningstar  

Research-Ansatz für den Japan-„Sweetspot“

Der japanische Aktienmarkt war für Outsider in den vergangenen Jahren immer wieder ein Rätsel. Die japanische Geldpolitik, die lange Ära der Deflation, die alternde Gesellschaft und die hohen Sparquoten (auch bei Unternehmen) haben so manche Investment-Thesen über den Haufen geworfen – immer und immer wieder.

Fest steht, dass Japan als Markt, ähnlich wie Europa, günstig bewertet ist. Anders als Europa, das Stärken in den defensiven Branchen Pharma und Luxusgüter hat, profitiert der japanische Markt vor allem von günstig bewerteten Konglomeraten und Elektronik- und Robotic-Unternehmen. Gerade letztere könnten vom globalen KI-Boom profitieren. Ein Value-Fonds dürfte von dieser Entwicklung profitieren. Der ehemalige Fidelity Advantage und heutige Fidelity Japan Value Fund verfolgt dabei eine moderate Value-Strategie und muss nicht zwangsläufig hinten liegen, wenn Wachstumswerte vorne liegen. Zudem spricht viel für den etablierten Research-getriebenen Ansatz, der inzwischen – mit wechselnder Besetzung – seit rund 20 Jahren am Markt ist.

envestor Cashback senkt die Gebühren deutlich

Mit laufenden Kosten von 1,91 Prozent zählt der Fidelity Japan Value Fund zu den teuren Japanfonds am Markt. Es fällt keine Performance Fee an. Kunden von envestor machen bei dem Fonds einen ziemlich guten Schnitt. Beim Kauf fällt bei envestor kein Ausgabeaufschlag an, und wer keine Beratung benötigt, profitiert vom envestor Cashback. Die besten Konditionen bietet hier die FIL Fondsbank (FFB) – 0,38 Prozent des Fondsvermögens erhalten Anleger bei envestor zurück, die den Fonds dort verwahren lassen – und zwar jedes Jahr. Bei einer Investitionssumme von 25.000 Euro und einer angenommenen jährlichen Rendite von sechs Prozent pro Jahr entspräche der Wert des envestor Cashbacks bei der umgehenden Wiederanlage in den Fidelity Japan Value Fund nach zehn Jahren 3.376 Euro.

 

Fidelity Japan Value Fund Cashback

Über den Autor

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Ali Masarwah

Ali Masarwah ist Fondsanalyst und Geschäftsführer von envestor. Er beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Fonds und ETFs, zuletzt als Analyst beim Research-Haus Morningstar.
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