Investoren zeigen sich in diesen Tagen von ihrer aktiven Seite, aber welche Fonds kaufen und verkaufen sie in Zeiten von Konflikten und verstärkter Unsicherheit? Eine Übersicht über die Top-Käufe und -Verkäufe auf der Fondsplattform Envestor seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine Ende Februar.

In Krisenzeiten ist die Nervosität an den Märkten hoch. Wenn die Schwankungen zunehmen, werden nicht nur Kurzfrist-Trader aufgeschreckt – auch Langfristanleger stellen dann ihre Investment-Thesen auf den Prüfstand. Manche sehen sich bestätigt, andere schwenken um oder kaufen nach. Doch investiert wird immer. Auch die Anleger auf Envestor haben viel (mitunter zu viel?), gehandelt. Per Saldo hatten wir in den vergangenen 2,5 Monaten Nettomittelzuflüsse zu verbuchen, aber die Bruttoumsätze dokumentieren etliche Umschichtungen. Welche Fonds Anleger derzeit kaufen und verkaufen, wollen wir uns heute etwas näher anschauen.

Mittelflüsse auf Envestor seit Beginn der Invasion der Ukraine

Das beste Instrument, die Nachfrage nach Fonds zu messen, ist die Analyse der Mittelflussstatistiken. In welche Fonds haben Anleger Geld gesteckt, welche haben sie verkauft? Weil viel gehandelt wird, bietet es sich an, den Nettoeffekt zu messen. Dann wird klar, wo die Präferenzen der Anleger mehrheitlich lagen. Diese Mittelfluss-Analyse können Anleger übrigens jeden Tag auf Envestor einsehen – im internen Bereich, der allen registrierten Usern offen ist, zeigen wir tagesaktuelle die Top und Flop-Seller der letzten 30 Tage. (Hier können Sie sich bei Envestor registrieren).

Die untere Tabelle zeigt die Fonds mit den höchsten Nettomittelzuflüssen. An erster Stelle steht ein neuer Fonds. Der Alturis Volatility wurde erst im Februar dieses Jahres aufgelegt. Er hat laut Medienberichten das Ziel, mittels einer Optionsstrategie systematisch Risikoprämien zu erwirtschaften. Dabei steht der Verkauf von Put-Optionen auf den S&P 500 Index im Vordergrund. Hinter dem Fonds stehen die drei Fondsprofis Andrej Brodnik (ehemals Oddo), Björn Esser (Allianz Global Investors) und Christian Wogatzke (Commerzbank). Auch wenn es sich um einen Fonds der Risiko-Klasse SRRI 2 handelt, können Optionsstrategien tückisch sein. Das zeigt übrigens auch die Zielrendite von jährlich sechs bis sieben Prozent an, die es nur unter Inkaufnahme von Risiken zu holen gibt.

DWS Conservative Opportunities trotzt der Volatilität

Zu den weiteren Topsellern zählen einige langjährige Favoriten der Investorinnen und Investoren auf Envestor. Passend zur aktuellen Marktlage drängen viele Anleger in risikoärmere Mischfonds. Davon profitiert besonders der DWS Invest Conservative Opportunities, ein defensiver Mischfonds, der die Verluste in diesem Jahr auf unter 1,5 Prozent begrenzt hat. Angesichts der Tatsache, dass Aktien und Anleihen gleichermaßen verloren haben, ist das besonders erfreulich. Wer Näheres zu der aktuellen Strategie des DWS-Mischfonds erfahren möchte, kann sich hier das aktuelle Webinar mit Fondsmanager Thomas Graby ansehen, das wir am 17. März veranstaltet haben.

Doch es gibt durchaus risikofreudige Anleger, wie die stetigen Zuflüsse in den The Digital Leaders Fund zeigen. Der von Baki Irmak verwaltete Fonds ist breit diversifiziert und setzt auf die Gewinner der Digitalisierung, die nicht nur in der Technologiebranche zu finden sind. Allerdings zeigen die Verluste von gut 17 Prozent in diesem Jahr, dass der Fonds auch in die riskanteren Segmente des Aktienmarkts investiert.

Welche Fonds Anleger handeln: Die Topseller nach Nettozuflüssen

Performance der letzten 30 Tagen in Prozent, Daten per 17.3.2022, Quelle: Envestor

Kommen wir nun zu den Fonds mit den höchsten Mittelabflüssen auf Envestor. Am stärksten verkauft wurde der Berenberg European Small Cap, der, angesichts der hohen Volatilität, mit einem Minus von gut 6,5 Prozent überraschend gut in den vergangenen 30 Tagen davon gekommen ist.

Auch lupenreine Wachstumsfonds, die in den vergangenen Wochen im Zuge der steigenden Renditen an den Anleihenmärkten hohe Einbußen hinnehmen mussten, wurden verkauft. Der Morgan Stanley US Growth büßte über 15 Prozent ein, der BIT Global Crypto Leaders verlor sogar fast 21 Prozent in den vergangenen 30 Tagen. Dass die aktuelle Marktsituation auch für Value-Fonds tückisch ist, zeigen den Verluste beim JPM Europe Strategic Value, der um gut sieben Prozent nachgab und hohe Abflüsse verkraften musste.

Performance der letzten 30 Tage in Prozent und per 17.3.2022, Quelle: Envestor

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