3 Fragen an: J. Henrik Muhle und Marcus Hüttinger (Gané)

Vielen Anlegern wird angesichts der Rally an den Aktienmärkten mulmig zumute. Sind die Kurse zu weit der Realität enteilt? Einige Fragen an die Verantwortlichen bei der Gané AG, die den Mischfonds Acatis Value Event Fonds beraten.

Sind Aktien heute zu teuer? Sind Anleihen attraktiv? Was ist mit Cash? Drei Fragen an J. Henrik Muhle und Marcus Hüttinger  von der Gané AG. Muhle ist Co-Fondsmanager des Acatis Value Event Fonds und Vorstand der Gané AG, die er 2007 mit Dr. Uwe Rathausky gründete. Hüttinger ist seit Anfang 2020 Kapitalmarktstratege der Gané AG. 

Ali Masarwah, envestor: Herr Muhle, Herr Hüttinger, Sie haben im Juni die Aktienquote im Acatis Value Event Fonds reduziert und dabei vor allem Techwerte verkauft. Warum?

Muhle: Die Börse ist keine Einbahnstraße, die Volatilität zu reduzieren ist ein wichtiges Ziel beim Acatis Value Event Fonds. Das Chance-Risiko-Verhältnis bei einigen Aktien hat sich nach den jüngsten Kursanstiegen verschlechtert, Anleihen sind aufgrund gestiegener Zinsen attraktiver geworden. Daher haben wir umgeschichtet. Wir können mit Aktien, Anleihen und Liquidität drei Asset-Klassen bespielen und machen das seit jeher aktiv. In Technologiewerten aus den USA waren wir in den letzten Monaten übergewichtet, diese Übergewichtung haben wir zwischenzeitlich wieder abgebaut … 

Hüttinger: … was nicht bedeutet, dass wir kurzfristig eine Korrektur erwarten. Wir beteiligen uns nicht an irgendwelchen Crash-Prognosen. Die nächste Korrektur kommt ganz gewiss, das ist logisch, aber wir wissen natürlich nicht wann. Wir orientieren uns vielmehr an den erwartbaren Renditen unserer Einzeltitel. Die sind in einigen Fällen niedriger als noch zu Jahresbeginn, und daher haben wir im Ergebnis die Aktienquote unseres Mischfonds auf derzeit 56 Prozent gesenkt.

Der Zins ist zurück: alles auf Anleihen?

Muhle: Der Zins ist wieder da und kurzlaufende Staatsanleihen bieten sich an, aber Unternehmensanleihen sind nur vereinzelt attraktiv. Bei Zalando und Lufthansa konnten wir mit einer Rendite von 6 Prozent p.a. und kurzer Laufzeit zwar zugreifen, aber in der Breite des Anleihenmarkts sehen wir noch keine attraktiven Einstiegsniveaus. Die Zinskurve ist invers und Durationsrisiken werden nicht angemessen vergütet. Aktuell bekommt man am kurzen Ende deutlich mehr als am langen. Das sollte sich irgendwann normalisieren. Bis es soweit ist, halten wir im Mischfonds gut 40 Prozent in Cash und kurzlaufenden Staatsanleihen, vor allem in Euro und US-Dollar.

Wer ist heute attraktiver: Bunds oder Treasuries?

Hüttinger: Ganz aktuell Treasuries, sie rentieren mit über 5 Prozent p.a. für eine Laufzeit von ein bis zwei Jahren. Zwar hat man das Währungsrisiko, aber angesichts der Schwäche des US-Dollar in den letzten Monaten kann darin auch eine zusätzliche Chance bestehen. Zumindest trägt der US-Dollar zu unserer Diversifikation bei, während wir mit kurzlaufenden Euro-Anleihen derzeit rund 3,5 Prozent jährlich vereinnahmen. Wichtig ist: Das Geld ist gut verzinst geparkt, hochliquide und ausfallsicher, und jederzeit einsatzbereit, sollten Henrik und Uwe (Rathausky, Anm. von envestor) neue Chancen identifizieren.

Über den Autor

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Ali Masarwah

Ali Masarwah ist Fondsanalyst und Geschäftsführer von envestor. Er beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Fonds und ETFs, zuletzt als Analyst beim Research-Haus Morningstar.
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