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NVIDIA-Aktie: Warum Anleger trotz guter Zahlen fliehen

Die NVIDIA-Aktie bleibt der zentrale Profiteur des globalen KI-Investitionszyklus. Auch im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 liefert der Chipkonzern erneut Zahlen, die operativ Maßstäbe setzen: Umsatz, Gewinn, Margen und Ausblick sind deutlich besser als erwartet. Warum Analysten jauchzen und Anleger dennoch verkaufen. 

Quartalszahlen im Detail

Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte NVIDIA einen Umsatz von 68,1 Milliarden US-Dollar, was einem Wachstum von 73 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die offiziellen Zahlen wurden im aktuellen Quartalsbericht von NVIDIA veröffentlicht. Der GAAP-Nettogewinn belief sich auf 42,96 Milliarden Dollar.

Die GAAP-Bruttomarge lag bei 75,0 % (Vorjahr: 73,0 %), die operative Marge bei 65,0 % (Vorjahr: 54,4 %). Der operative Gewinn von 44,3 Milliarden Dollar sowie ein Free Cash Flow von 35 Milliarden Dollar im Quartal verdeutlichen jedoch die außergewöhnliche Ertragskraft.

Die veröffentlichten Zahlen lagen deutlich über dem Marktkonsens. Beim Umsatz übertraf NVIDIA die Analystenschätzungen um rund 4 %, beim nicht-GAAP Gewinn je Aktie sind es gar 6 %. Damit setzt die NVIDIA-Aktie ihre Serie von Gewinnüberraschungen fort.

Das Data-Center-Segment dominierte mit 62,3 Milliarden Dollar Umsatz (+75 %). Darin enthalten sind rund 11 Milliarden Dollar aus dem Networking-Geschäft, also aus Hochgeschwindigkeits-Netzwerktechnik, die große KI-Rechenzentren miteinander verbindet und den Datenaustausch zwischen tausenden Prozessoren koordiniert. Technologisch basiert ein Großteil dieses Wachstums auf der neuen Blackwell-Architektur, die speziell für KI-Training und Inference auf Rechenzentrumsniveau entwickelt wurde.

Gaming wuchs um 47 % auf 3,7 Milliarden Dollar. Professional Visualization legte um 159 % auf 1,3 Milliarden Dollar zu. Automotive & Robotics legte um 6 % auf 604 Millionen Dollar zu.

Im Earnings Call wurde noch eimal deutlich, wie stark die Umsatzstruktur konzentriert ist: Die fünf größten Cloud- und Hyperscaler-Kunden stehen zusammen für etwas über 50 % des Data-Center-Umsatzes. Dazu zählen die führenden globalen Cloud-Anbieter wie Amazon Web Services, Microsoft Azure, Google Cloud, Meta und Oracle. NVIDIA bleibt damit eng mit den Investitionszyklen der großen Plattformunternehmen verknüpft.

Gleichzeitig wächst eine zweite Säule heran. Das sogenannte Sovereign-AI-Geschäft überschritt im Geschäftsjahr 2026 die Marke von 30 Milliarden Dollar. Das entspricht rund 14 % des Konzernumsatzes. Gemeint sind staatlich finanzierte oder staatlich initiierte KI-Infrastrukturprojekte, bei denen Länder eigene Rechenzentren und KI-Kapazitäten aufbauen.

Ausblick

Im Earnings Call betonte das Management, dass man von einer anhaltend hohen Nachfrage ausgehe und bereits Liefer- und Kapazitätszusagen bis in das Kalenderjahr 2027 hinein gesichert habe.

Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 erwartet NVIDIA einen Umsatz von 78 Milliarden Dollar (plus/minus 2 %) bei einer Bruttomarge von rund 75 %. Das Wachstum soll weiterhin primär vom Data-Center-Segment getragen werden.

CEO Jensen Huang betonte im Call, dass Investitionen in Rechenleistung inzwischen unmittelbar mit der Monetarisierung von KI-Anwendungen verknüpft seien. Seine zentrale Aussage lautete: „In this new world of AI, compute equals revenues.“

Gemeint ist damit, dass insbesondere im Inference-Geschäft zusätzliche Rechenkapazität direkt zu mehr generierten Tokens führt – und diese Tokens bei vielen Cloud-Anbietern und Modellbetreibern unmittelbar in Umsätze umgewandelt werden können. Diese Logik ist in einem kapazitätslimitierten Token-Modell ökonomisch plausibel, gilt jedoch nicht automatisch für alle Kundengruppen oder Anwendungsfälle.

Positiv

Die NVIDIA-Aktie profitiert vom massiven Ausbau globaler KI-Rechenzentren. Hyperscaler und staatliche Initiativen investieren Milliardenbeträge in AI-Infrastruktur. Entscheidender als die reine Chip-Leistung ist dabei das Software-Ökosystem rund um CUDA. Es sorgt für hohe Wechselkosten und wirkt wie ein digitaler Burggraben, der Wettbewerber auf Distanz hält.

Zweitens ist die operative Hebelwirkung bemerkenswert. Das Umsatzwachstum übersetzt sich überproportional in Gewinnwachstum – ein klassisches Beispiel für Skaleneffekte in Plattformmärkten.

Drittens verfügt NVIDIA über eine außergewöhnlich hohe Kapitalrendite. Hohe Margen bei gleichzeitig starkem Wachstum sind selten – und werden am Kapitalmarkt entsprechend honoriert.

Negativ

Die Abhängigkeit von wenigen großen Cloud- und Hyperscaler-Kunden bleibt hoch. Da diese gemeinsam mehr als 50 % des Data-Center-Umsatzes ausmachen, sind Investitionszyklen stark konzentriert.

Geopolitische Risiken, insbesondere im Verhältnis zwischen den USA und China, könnten die Absatzmärkte beeinflussen.

Und nicht zuletzt ist die Bewertung anspruchsvoll. Sollte das Wachstumstempo nachlassen, reagiert der Markt erfahrungsgemäß empfindlich.

Fazit & Bewertung

Operativ liefert die NVIDIA-Aktie ein weiteres  Ausnahmequartal: Das Wachstum kommt nicht nur aus „mehr Chips“, sondern zunehmend aus dem kompletten Infrastruktur-Stack inklusive Networking und Software. Im Call war der rote Faden sehr klar: Für die Kunden ist Rechenleistung inzwischen direkt monetarisierbar, deshalb wird Kapazität nicht „nice to have“, sondern betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Die Analysten überschlagen sich mit Steigerungen bei den luftigen Kurszielen.

So hat Rosenblatt das Kursziel von 245 auf 300 Dollar angehoben, Citi von 270 auf 300 Dollar, Bank of America ebenfalls auf 300 Dollar, Bernstein von 275 auf 300 Dollar und Baird von 275 auf 300 Dollar. Morgan Stanley erhöhte von 250 auf 260 Dollar, Raymond James von 272 auf 291 Dollar, RBC von 240 auf 250 Dollar, Truist von 275 auf 283 Dollar und JPMorgan von 250 auf 265 Dollar – jeweils bei bestätigten Kauf- beziehungsweise Overweight-Einstufungen.

Die Marktreaktion spricht Bände: Die NVIDIA-Aktie schloss am 25. Februar 2026 vor Veröffentlichung der Zahlen bei 195,56 US-Dollar und notierte nachbörslich sogar leicht höher. Am nächsten Tag hatten die Investoren ihre Meinung aber gebildet und die Aktie stürzte um rund 5,5 Prozent auf 184.90 ab.

Zum einen liegt das an der durchaus sportlichen Bewertung. Beim Enterprise-Value-zu-EBITDA-Verhältnis (EV/EBITDA) liegen die Schätzwerte bei rund 19,9 für das Geschäftsjahr 2027 und bei etwa 15,8 für 2028. Das Verhältnis von Unternehmenswert zu Umsatz (EV/Sales) wird für 2027 bei rund 13,3 und für 2028 bei etwa 10,4 geschätzt.

Damit bleibt die Bewertung anspruchsvoll und relativiert sich nur, sofern das hohe Wachstumstempo tatsächlich gehalten werden kann. Entscheidend ist, ob sich die vom Management formulierte Logik – „Compute equals revenues“ – in den kommenden Quartalen weiterhin in steigenden Gewinnen niederschlägt.

Hierzu sagt Huang im Kern: „Agentic AI monetarisiert sich inzwischen so, dass zusätzliche Inference-Kapazität bei vielen Kunden unmittelbar Erlöse freischaltet; deshalb trauen wir ihnen auch weiterhin hohe Investitionen zu.“ Das ist in einem kapazitätslimitierten Token-Geschäft plausibel, aber keine pauschale Aussage für alle Kundengruppen oder Anwendungsfälle. 

Klartext: Bei vielen Anwendungsfällen bleibt die Monetarisierung bisher unsichere Zukunftsmusik. Die Analysten schauen auf Ihre Modelle, die Investoren aber über den Tellerrand hinaus und sehen das Risiko, dass die Hyperscaler zu viel ausgeben könnten.

In unseren Beratungsmandaten meiden wir bereits seit Jahresmitte 2025 NVIDIA und die großen Hyperscaler eher, weil hohe Bewertungen auf gestiegene Risiken treffen. Stattdessen haben wir z.B. auf breit gestreute Infrastrukturfonds gesetzt, die weniger von wenigen dominanten Titeln abhängig sind.

Ein Blick auf die Performance zwischen Mitte 2025 und Anfang 2026 verstärkt den argumentativen Kern unserer defensiven Allokation: Der S&P 500 Equal Weight Index, der jeder Aktie im Index dieselbe Gewichtung gibt, liegt deutlich vor dem klassischen marktgewichteten S&P 500. Laut aktuellen Marktdaten legte der Equal-Weight-Index zwischen Juli 2025 und Februar 2026 um etwa +12,8 % zu, während der marktgewichtete S&P 500 im selben Zeitraum bei rund +4,9 % lag.

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Autor

  • Steffen Gruschka ist CFO und Co-Geschäftsführer von envestor und blickt auf rund 30 Jahre Erfahrung im aktiven Management von Schwellenländer-Aktienfonds zurück. In seiner Laufbahn wurde er mehrfach als Fondsmanager des Jahres ausgezeichnet. Zuletzt erreichte er 2025 in der Kategorie Aktien Emerging Markets die Spitzenposition und gehörte damit laut Handelsblatt zu den besten Fondsmanagern Deutschlands.

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