Geld zurück

Wer in Fonds anlegt, muss auf die Kosten achten. Oft sind auch versteckte Provisionen fällig. Jetzt werben neue Anbieter mit Rückerstattungen um Kunden

Köln – Für Dienstleistungen zu bezahlen, die man nicht in Anspruch nimmt, ist ärgerlich. Das kennen auch viele Fondsanleger. Sie zahlen laufende Gebühren an den Fondsvermittler, selbst wenn sie keine Beratungsleistung mehr in Anspruch nehmen. Das ist fatal. Jeder Euro, der für Vertriebs und Verwaltung abgeht, lässt sich nicht mehr vermehren.

Doch jetzt kommen Anbieter auf den Markt, die immer weniger Gebühren beim Fondskauf verlangen oder sogar Provisionen zurückerstatten. Ein neues Angebot unterbreitet etwa der Online-Fondsvermittler Envestor: Das Unternehmen bietet zwei Anlageformen. Anleger, die Entscheidungen eigenständig treffen wollen und ausdrücklich keine Beratung wünschen, zahlen eine Provision von maximal 0,19 Prozent des Fondsguthabens pro Jahr. Provisionen, die Envestor darüber hinaus für die Vermittlung erhält, bekommen die Kunden quartalsweise erstattet. „Sie können auf diese Weise bis zu 70 Prozent der Vertriebsprovisionen sparen“, sagt Michael Weisz, der Gründer des Unternehmens. Eine Servicegebühr fällt nicht an, außerdem verzichtet Envestor wie viele andere Konkurrenten auf Ausgabeaufschläge.

Envestor wirbt mit dem Spareffekt, von dem Kunden profitieren, wenn sie auf das Direktmodell setzen und damit auf eine Beratung verzichten. Das Prinzip: Fließen die eingesparten Ausgabeaufschläge und Gebühren in die Fondsanlage, verstärkt das den Zinseszins-Effekt, womit am Ende mehr Geld herausspringt. Trauen sich Anleger nicht zu, die Fondsanlage selbst in die Hand zu nehmen, können sie sich für das Beratungsmodell entscheiden. Dann behält Envestor die Provisionen als Vergütung für die Beratungsleistung ein. „Viele Anleger möchten die Investmententscheidungen Profis überlassen, da die näher am Thema sind als sie“, sagt Weisz, der seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Fondsbranche tätig ist. Aber immer mehr Kunden wählten das Direktmodell.

Weisz hält sein Angebot für derzeit noch einzigartig auf dem deutschen Markt. „Viele Gesellschaften, die als Discounter auftreten, bieten keine Zusatzdienstleistungen“, sagt er. Allerdings: Allein ist das Frankfurter Unternehmen keineswegs.
So zahlt der Berliner Fondsvermittler Profinance, der seit 22 Jahren auf dem Markt ist, zwei Drittel der Bestandsprovisionen in Form einer „Treueprämie“ zurück, allerdings erst ab 10 000 Euro Fondsguthaben. Ab 50 000 Euro im Depot gibt es zusätzlich bis zu 50 Prozent dieser Prämie obendrauf. Der Münchner Anbieter Finondo erstattet die gesamten Provisionen und berechnet eine Servicegebühr von 0,35 Prozent. Bei dem Angebot „Alpha-Tarif“, hinter dem der Vermittler AAV aus Aalen steht, erhält der Kunde 80 Prozent der Provisionen zurück, auf einen Online-Zugang zum Depot muss er aber verzichten.

Rentablo aus Hamburg bietet zwei Varianten an: Bei der ersten gibt es die Hälfte der Provision zurück, bei der zweiten Option erstattet der Berliner Vermittler 100 Prozent, allerdings fallen dann monatlich 15 Euro Verwaltungskosten an.

Trotzdem bleiben Verbraucherschützer gegenüber derartigen Angeboten skeptisch – vor allem, weil sie grundlegende Einwände gegen die Anlage in gemanagten Fonds haben. Und daran ändert die Rückerstattung von Provisionen ja nichts. Nils Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sagt deshalb: Die neuen Gebührenmodelle könnten allenfalls für Anleger interessant sein, die glauben „mit Anlagen in teure aktiv gemanagte Fonds eine höhere Rendite erzielen zu können als mit günstigen passiven Fonds“. Die Rückerstattung sei für Kunden zwar positiv – noch besser wäre aber, wenn sie auf günstige börsengehandelte Indexfonds (ETF) setzten. Ein ETF bildet einen Aktienindex wie den Deutschen Aktienindex (Dax) nach, er wird dabei nicht aktiv gemanagt. Nauhauser verweist auf empirische Untersuchungen. „Es gelang den Fondsmanagern in der Vergangenheit nur selten, den Vergleichsindex zu schlagen.“ Gründer Weisz widerspricht. Über seine Firma könne man auch in Indexfonds investieren. Außerdem nutzten nun einmal viele Privatanleger Fondsvermittler. Deshalb sei die Frage der Höhe von Gebühren und Provisionen nicht unerheblich.

Sicher ist: Viele Anleger wissen offenbar zu wenig über die Kosten von Fonds, wie eine Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK für Rentablo zeigt. Demnach kennen 76 Prozent der Befragten die Grundgebühr ihres Girokontos, aber nur 17 Prozent die Kosten ihres Depots. Wie hoch Abschluss- und Bestandsprovisionen bei Fonds sind, konnte nicht einmal jeder Zehnte sagen.

Doch wenn jetzt Anbieter wie Envestor, Rentablo oder Profinance neue Kunden gewinnen, deutet dies darauf hin, dass Anleger zunehmend kostenbewusster werden. Der Druck auf die Fondsgebühren dürfte deshalb weiter zunehmen – zum Nutzen aller Kunden.

 

Christian Bellmann
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München

 

 

Inhalte teilen