Der Krieg im Nahen Osten verändert gerade mehr als nur geopolitische Allianzen. Er verschiebt auch die ökonomischen Anreize im Energiemarkt – und zwar spürbar. Steigende Ölpreise treffen Konsumenten unmittelbar und verändern Kaufentscheidungen oft schneller als jede Klimapolitik. Warum BYD besonders profitiert.
Energiekrise beschleunigt Energiewende
Historisch sind Energiekrisen häufig Wendepunkte. Schon nach dem Öl-Embargo 1973 begannen westliche Volkswirtschaften, ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren und effizientere Technologien zu entwickeln. Dieser Mechanismus wirkt auch seit Beginn des Ukraine-Krieges 2022 – nur deutlich schneller und globaler. Der wichtigste Treiber für die Veränderung ist nicht die Bekämpfung des Klimawandels, sondern die Versorgungssicherheit.
Es gelten die Gesetze der Marktwirtschaft: Wenn ein Input wie Öl teurer und volatiler wird, steigen die relativen Erträge von Technologien, die diese Abhängigkeit verringern. Die Substitution läuft nicht aus Idealismus, sondern aus nüchterner Nutzenmaximierung. Dass sich dieser Prozess beschleunigt, liegt auch daran, dass grüne Technologien heute billiger und ausgereifter sind als in früheren Krisen.
Die Größenordnung ist inzwischen erheblich. Die globalen Investitionen in die Energiewende stiegen 2025 auf 2,3 Billionen US-Dollar. Allein der Bereich elektrifizierter Verkehr machte dabei 893 Milliarden US-Dollar aus. Wer zuletzt unseren Text zu Öl-Aktien gelesen hat, erkennt das Spannungsfeld: Fossile Energie profitiert kurzfristig von Knappheit, grüne Energie ist aber langfristig der strukturelle Gewinner derselben Knappheit.
Warum gerade jetzt Elektroautos profitieren
Bei Elektrofahrzeugen ist der Mechanismus besonders sichtbar. Steigende Benzinpreise verändern die Gesamtkosten des Autofahrens. Für Konsumenten zählt am Ende nicht nur der Kaufpreis, sondern die erwartete Summe aus Anschaffung, Energiekosten und Unsicherheit. Dies ist ein psychologischer Effekt, den man an Märkten oft unterschätzt: Unsicherheit wird selbst zum Kostenfaktor. Wer nicht weiß, was Tanken in drei Monaten kostet, reagiert stärker auf Alternativen mit kalkulierbareren Betriebskosten.
Kurzum: Wenn Ölpreise sprunghaft werden, gewinnen Elektroautos an relativer Attraktivität.
Dass Elektromobilität global weiter in den Massenmarkt rückt, zeigt auch die IEA. In vielen Regionen steigt der EV-Anteil an den Neuzulassungen weiter, während besonders Asien und Teile der Emerging Markets beim Wachstum inzwischen dynamischer sind als die USA. Diese Logik greift auch im aktuellen Iran-Krieg: Je stärker eine Volkswirtschaft von importierter Energie abhängt, desto größer wird der Anreiz zur Elektrifizierung. Asien inklusive Japan, Emerging Markets und auch Europa werden die Speerspitze bilden.
BYD: Preiskampf in China, Export im Visier
Genau an dieser Stelle wird der chinesische E-Auto-Hersteller BYD spannend. Die Aktie hat in den vergangenen Monaten unter der gnadenlosen Konkurrenz im chinesischen Heimatmarkt gelitten. Der Preisdruck in China war enorm und bewirkte 2025 bereits eine Verlangsamung des Absatzes auf rund 7 Prozent. Zuletzt brachen die BYD-Verkäufe ein wie zuletzt in der Pandemie. Im Februar verkaufte BYD in China gerade einmal 87.000 Fahrzeuge.
Gleichzeitig brummt der Export: BYD hat bereits 2025 seine Auslandsverkäufe auf über eine Million Fahrzeuge gesteigert. Im Februar lieferte BYD 101.000 Fahrzeuge im Ausland aus. Damit lagen die Auslandsverkäufe erstmals über den heimischen. Das zeigt, dass BYD aus dem chinesischen Preiskrieg herauswächst und seine Skalenvorteile zunehmend international monetarisiert.
Aus Anlegersicht ist das wichtig, weil Auslandsumsätze in vielen Märkten höhere Durchschnittspreise und tendenziell bessere Margen ermöglichen als das brutal umkämpfte Volumensegment in China. Das macht die Aktie in einem Umfeld hoher Ölpreise besonders interessant: Der geopolitische Stress stärkt global die Nachfrage nach elektrischen Alternativen, und BYD sitzt genau an dieser Schnittstelle. Das passt auch zu unserer positiven Einschätzung zu Emerging Markets.
Technologischer Vorsprung und vertikale Integration
BYD ist dabei nicht einfach nur ein weiterer Autohersteller. Der Konzern produziert Batterien, Fahrzeuge und zentrale Teile der Wertschöpfungskette weitgehend selbst. Diese vertikale Integration ist in der Industrieökonomik ein klassischer Kostenvorteil, gerade wenn Märkte in einen Preiskampf geraten. Wer wichtige Vorprodukte selbst beherrscht, kann länger durchhalten und schneller skalieren.
Hinzu kommen neue Technologien wie die weiterentwickelte Blade Battery und das Schnelllade-Ökosystem, das in Ihrem hochgeladenen Research ebenfalls hervorgehoben wird. Solche Innovationen sind für Anleger deshalb relevant, weil sie nicht nur das Produkt verbessern, sondern die Eintrittsbarrieren für Wettbewerber erhöhen. Ein chinesischer Rivale kann einen Preispunkt kopieren. Ein ganzes Ökosystem aus Batterie, Ladeinfrastruktur und Modellplattformen zu kopieren, ist deutlich schwieriger.
Gerade in einem Kriegsszenario mit schwankenden Energiepreisen bekommt diese Integration zusätzlichen Wert. Dann zählt nicht nur, wer das bessere Auto baut, sondern wer eine glaubwürdige Alternative zum fossilen System anbieten kann – möglichst günstig, möglichst schnell und in großem Maßstab.
BYD-Aktie jetzt moderat bewertet
2025 verzeichnete BYD aufgrund des Preiskampfs in China nur 5,3 Prozent Umsatzwachstum, für 2026 werden 10,9 Prozent und für 2027 12,8 Prozent erwartet. Das EV/EBITDA liegt bei 7,9 für 2025, 6,5 für 2026 und 5,2 für 2027. Für einen Konzern mit globaler Expansion, vertikaler Integration und weiterem Gewinnwachstum ist das sehr moderat.
Anders gesagt: Der Markt zahlt kein absurdes Hype-Multiple für BYD, sondern bewertet die Aktie so, als müsse das Unternehmen den Übergang vom chinesischen Preiskampf zum deutlich profitableren Exportwachstum erst noch beweisen. Wenn BYD die Exportdynamik hält und die Margen nach dem heimischen Preiskrieg wieder steigern kann, fallen die Multiples. Genau deshalb ist der Februar mit den erstmals höheren Auslandsverkäufen mehr als nur eine Monatsnotiz – es ist der Wendepunkt in der Bewertungslogik der Aktie.
Fazit: Geopolitik als Katalysator für BYD
Der aktuelle Krieg wirkt wie ein externer Schock, der bestehende Trends beschleunigt. Höhere Ölpreise machen fossile Mobilität teurer, unsicherer und für viele Länder strategisch unattraktiver. Davon profitieren grüne Technologien allgemein – und Elektroautos im Besonderen.
BYD steht dabei in einer besonders interessanten Position. Der Heimatmarkt war zuletzt ein echter Boxring ohne Ringrichter, und die Aktie hat darunter gelitten. Gleichzeitig zeigt der Export, dass BYD inzwischen nicht mehr nur Chinas Preisführer, sondern auch der globale Gewinner der Elektrifizierung ist, bei dem sich geopolitischer Rückenwind, industrielle Skalierung und globale Expansion gerade zusammenfinden.
Zuletzt noch eine ganz andere Idee für unsere findigen Leser. Während die Nachfrage nach Elektroautos jetzt deutlich anzieht, bekommen Sammler aktuell bei den letzten Verbrennern mit V8 Motoren günstige Einkaufspreise. Hier ergeben sich aktuell Opportunitäten, sich einen echten Traumwagen in die Garage zu stellen, weil diese Autos bei den aktuellen Spritpreisen ausgemustert werden. Man sollte nur nicht täglich darauf angewiesen sein.
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Alle Beiträge ansehenSteffen Gruschka ist CFO und Co-Geschäftsführer von envestor und blickt auf rund 30 Jahre Erfahrung im aktiven Management von Schwellenländer-Aktienfonds zurück. In seiner Laufbahn wurde er mehrfach als Fondsmanager des Jahres ausgezeichnet. Zuletzt erreichte er 2025 in der Kategorie Aktien Emerging Markets die Spitzenposition und gehörte damit laut Handelsblatt zu den besten Fondsmanagern Deutschlands.