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Riester-Recycler: Rente vervielfachen mit Wechsel ins Altersvorsorgedepot

Wer seinen alten Riester-Vertrag jetzt kündigt, verliert im Schnitt über ein Drittel des angesparten Guthabens – der Staat fordert Zulagen und Steuervorteile auf einen Schlag zurück. Wer stattdessen ins neue Altersvorsorgedepot überträgt, zahlt höchstens ein paar hundert Euro Gebühren und behält jeden Cent der Förderung. Wir ermitteln mit einem speziellen Riester-Rechner, wie lukrativ der Wechsel ist und wie dieser funktioniert.

Teurer Ausstieg, günstiger Wechsel

Wer seinen Riester-Vertragloswerden wollte, saß bisher in einer Kostenfalle: Der Ausstieg war teurer als das Weitersparen. Eine Kündigung gilt als förderschädliche Verwendung: Der Staat fordert sämtliche erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurück, dazu kommt eine Stornogebühr des Anbieters. Ein Rechenbeispiel von finanzen.net zeigt das an einer Sparerin mit 21.000 Euro Vertragsguthaben nach 15 Jahren: 4.200 Euro Zulagen-Rückzahlung, 2.800 Euro Steuernachzahlung und 300 Euro Stornogebühr summieren sich auf 7.300 Euro Verlust – mehr als ein Drittel des gesamten Guthabens. Das erklärt, warum viele Verträge zwar nicht mehr weiterbespart, aber ebenso wenig aufgelöst wurden, selbst wenn sie längst nicht mehr überzeugten.

Eine Übertragung in das Altersvorsorgedepot, das als größte Rentenreform seit Jahrzehnten gilt, löst dieses Problem. Bestehende Verträge werden nicht automatisch gekündigt oder umgewandelt: Wer seinen Riester behält, kann ihn wie bisher weiterbesparen. Wer wechseln will, tut das freiwillig, und die bereits erhaltene Förderung bleiben dabei erhalten. Für die Einrichtung darf der neue Anbieter höchstens 150 Euro Verwaltungspauschale verlangen, der bisherige Anbieter zusätzlich bis zu 150 Euro – und auch das nur innerhalb der ersten fünf Vertragsjahre, danach entfällt diese Gebühr komplett. Da in den vergangenen fünf Jahren so gut wie keine neuen Riester-Verträge abgeschlossen wurde, ist das nur eine Fußnote.

So läuft der Wechsel ab

Der bisherige Versicherer verdient an einer teuren Police, solange sie läuft, und hat entsprechend wenig Interesse daran, aktiv zur Übertragung zu raten. Den Wechsel muss der Riester-Sparer deshalb in jedem Fall selbst anstoßen.

Dabei ist der Ablauf einfach: eine aktuelle Standmitteilung beim bisherigen Anbieter anfordern, die den genauen Vertragswert ausweist. Danach wählt der Sparer einen zertifizierten Altersvorsorgedepot-Anbieter aus und reicht dort einen Übertragungsauftrag mit der alten Vertragsnummer ein. Der neue Anbieter übernimmt die weitere Abwicklung: Der bisherige Anbieter löst die Fondsanteile oder das Versicherungsguthaben auf und überweist den sogenannten Übertragungswert (eingezahlte Beiträge, alle erhaltenen Zulagen und erzielte Erträge abzüglich der Abwicklungskosten) direkt an den neuen Anbieter, nie an den Sparer selbst. Am Ende steht die Kontrolle, ob die Reinvestition korrekt im neuen Depot verbucht wurde.

Möglich wird dieser Schritt erst ab dem 1. Januar 2027, wenn das Altersvorsorgedepot regulär startet. Der Bundestag hat das zugrundeliegende Gesetz bereits am 27. März 2026 beschlossen, der Bundesrat stimmte am 8. Mai 2026 zu, seit Ende Mai 2026 ist es in Kraft. Bis zum Stichtag bleibt der bestehende Riester-Vertrag unverändert bestehen – wer möchte, hat also noch Zeit, den eigenen Vertrag in Ruhe zu prüfen.

Wer am meisten gewinnt

Am stärksten profitieren die 9,7 Millionen Sparer mit einer Riester-Rentenversicherung, der mit Abstand größten und zugleich teuersten Gruppe unter den insgesamt 14,7 Millionen Riester-Verträgen in Deutschland. Eine aktuelle Finanzwende-Studie zu 18 Riester-Policen kommt auf eine durchschnittliche Effektivkostenquote von 1,46% pro Jahr – bei den teuersten Anbietern verschlingen laufende Kosten über die gesamte Vertragslaufzeit bis zu 46% der eingezahlten Beiträge und Zulagen. Das Muster ist branchenweit bekannt: Auch außerhalb von Riester schmälern Lebens- und Rentenversicherungen die Rendite auf ähnliche Weise durch das Zusammenspiel aus Kosten und Garantien.

Wer dagegen bereits einen Riester-Fondssparplan bespart (knapp 3 Millionen Verträge), ist von diesem Effekt weniger betroffen, weil solche Verträge schon heute stärker in Aktien statt in Anleihen investieren. Ganz heraus sind sie damit aber nicht: Auch Fondssparpläne müssen die Beitragsgarantie erfüllen und haben in der Vergangenheit auch lange vor der Rentenphase wiederholt in Rentenfonds umgeschichtet. Diese übervorsichtige Vorgehensweise entfällt künftig beim Altersvorsorgedepot. Ein Wechsel lohnt sich deshalb auch für diese Gruppe, wenngleich mit einem weniger dramatischen Effekt wie bei der Rentenversicherung.

Fallbeispiel: Achtmal mehr Rente möglich

Die alte 100-Prozent-Beitragsgarantie der Riester-Rentenversicherung zwingt die Anbieter dazu, einen großen Teil der Riester-Depots in renditearme Staatsanleihen zu halten, statt es am Aktienmarkt zu investieren. Das Altersvorsorgedepot braucht diese Garantie nicht mehr und darf bis zu 100% in Aktien investieren. Auf Sicht von Jahrzehnten ist der Unterschied erschreckend groß.

Unser Altersvorsorgerechner, den wir unter dem Label “Cleverrente.de” lanciert haben, rechnet das für eine 45-jährige Sparerin mit 30.000 Euro Riester-Guthaben, eine monatlichen Einkommen von 5000 Euro, 150 Euro monatlicher Sparrate und Renteneintritt mit 67 durch. Bei einer für die Riester-Police unterstellten Rendite von 1,5% und für das Altersvorsorgedepot von 8% pro Jahr, jeweils vor laufenden Kosten von 1,5% für den Riestervertrag und 1 % für das Altersvorsorgedepot, kommt der Riester-Vertrag auf eine monatliche Nettorente von 196 Euro, das Altersvorsorgedepot auf 1.735 Euro – ein Plus von 1.521 Euro netto im Monat, mehr als das Achtfache der Riester-Rente.

Die Ausnahmen

Nicht jeder Riester-Vertrag lässt sich gleich unkompliziert übertragen. Bei den 1,4 Millionen Wohn-Riester-Verträgen zur Eigenheimfinanzierung ist die Übertragungsmechanik in den bisher verfügbaren Erläuterungen nicht eigens geregelt – wer Wohn-Riester bespart, sollte die eigene Konstellation vor einem Wechselantrag individuell mit dem Anbieter klären, statt sich auf die allgemeinen Fristen zu verlassen.

Riester-Auszahlungspläne müssen nach dem Altersvorsorge-Zertifizierungsgesetz spätestens ab dem 85. Lebensjahr in eine lebenslange Teilverrentung münden. Das Altersvorsorgedepot schafft genau diese Pflicht ab und erlaubt den Auszahlungsplan ohne Zwangsverrentung über das 85. Lebensjahr hinaus – für Sparer kurz vor dem Ruhestand ein Faktor, der bedacht werden muss.

Es gibt aber auch Fälle, in denen der bestehende Riester-Vertrag die bessere Wahl bleibt, wie unser Gastbeitrag für die Deutsche Börse zeigt: Ältere Fondssparplan-Riester mit hohen historischen Aktienquoten aus der Zeit vor 2010 haben trotz Beitragsgarantie mitunter ordentliche Renditen erzielt und müssen nicht zwingend gewechselt werden. Wer kurz vor dem Ruhestand steht und auf eine lebenslange Rente angewiesen ist, für den kann der bestehende Vertrag ebenfalls die praktikablere Lösung sein. Und Geringverdiener mit Kindern, die nur knapp über dem Riester-Sockelbetrag von 60 Euro pro Jahr einzahlen, fahren mit Riester unter Umständen besser: Das Altersvorsorgedepot koppelt die Kinderförderung an die Höhe des eigenen Beitrags, während Riester das nicht verlangt.

Fazit: Rechnen Sie selbst – es lohnt sich!

Für die meisten der 14,7 Millionen Riester-Sparer in Deutschland lohnt sich der Wechsel in ein Altersvorsorgedepot mit Aktienfonds oder ETFs, weil er zwei Vorteile gleichzeitig bringt: niedrigere laufende Kosten und den Zugang zu einer höheren Aktienquote, die ohne die alte Beitragsgarantie erst möglich wird. Im Fallbeispiel oben macht das einen Unterschied von 1.521 Euro mehr Nettorente pro Monat.

Jeder Fall ist individuell: Wir laden Sie ein, Ihr persönliches Ergebnis mit unserem Altersvorsorgerechner in wenigen Minuten zu berechnen. Er geht auf Ihre persönliche Lebenssituation ein: Alter, Riester-Guthaben, monatliche Sparrate und Renteneintrittsalter fließen ebenso ein wie die individuelle Steuersituation in der Einzahlungs- und in der Auszahlungsphase. Auch wichtige Details wie eine mögliche Teilauszahlung zu Rentenbeginn bleiben dabei nicht unbedacht. Probieren Sie es einfach aus: Beginnen Sie mit Ihren Eingaben für das AV Depot und kicken Sie dann rechts unten auf den Button für das Riester-Modul.

So holen Sie das meiste aus Ihrem Riester heraus

Sobald das Altersvorsorgedepot am 1. Januar 2027 startet, kann der Wechsel von Riester ins Altersvorsorgedepot über cleverrente.de abgeschlossen werden. Melden Sie sich für den Newsletter an und bleiben Sie auf dem Laufenden, damit Sie nichts Wichtiges verpassen. Für den persönlichen Kontakt erreichen Sie uns jederzeit unter info@cleverrente.de.

Autor

  • Steffen Gruschka ist CFO und Co-Geschäftsführer von envestor und blickt auf rund 30 Jahre Erfahrung im aktiven Management von Schwellenländer-Aktienfonds zurück. In seiner Laufbahn wurde er mehrfach als Fondsmanager des Jahres ausgezeichnet. Zuletzt erreichte er 2025 in der Kategorie Aktien Emerging Markets die Spitzenposition und gehörte damit laut Handelsblatt zu den besten Fondsmanagern Deutschlands.

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