Clean Energy Fonds: Warum ETFs im Nachteil sind

Bei Clean Energy Fonds sind ETFs gegenüber aktiv verwalteten Produkten im Nachteil. Wir gehen der Frage nach dem Warum nach. Eine Übersicht über die Eigenschaften, Strategien, ESG-Merkmale und die Rendite-Risiko-Profile der unterschiedlichen Investment-Vehikel am Markt. 

Unsere Analyse zum iShares Global Clean Energy ETF hat unerwartet hohe Wellen geschlagen. Kein Beitrag in unserem Blog wurde in den vergangenen sechs Monaten häufiger aufgerufen. Das ist kein Wunder: Der ETF war einer der Stars des Clean Energy Hypes 2019 bis 2021. Er wies in der Spitze ein Vermögen von über sechs Milliarden Euro auf. Seitdem erlitt der ETF einen tiefen Absturz, viele Anleger haben 2021 und dieses Jahr Geld verloren. Die Gründe haben wir ausführlich in unserer Analyse erläutert, die allerdings eine Frage aufwirft: Haben es die aktiven Manager besser gemacht? Welche anderen ETFs gibt es in der Kategorie Fonds für alternative Energie-Aktien? Diese Fragen wollen wir heute beantworten.

Clean Energy ETFs: Ein Dickschiff und viele Zwerge

Fangen wir mit einer Übersicht an. ETFs bringen es in der Kategorie der Fonds für alternative Energien auf ein Vermögen von rund 4,5 Milliarden Euro von einem Gesamtvermögen von 25,5 Milliarden Euro in der Kategorie. Ein Marktanteil von gut 17 Prozent ist nicht viel in einer Zeit, in der ETFs auf dem Vormarsch gegenüber aktiv verwalteten Fonds sind. Das Vermögen ist auf 18 ETFs verteilt. Die drei größten ETFs kommen dabei auf gut 4,3 Milliarden Euro; der iShares Global Clean Energy ETF hat heute nur noch ein Vermögen von 3,3 Milliarden Euro. Auf Platz zwei und drei kommen der Amundi MSCI New Energy ESG Screened ETF mit 840 Millionen Euro Vermögen, gefolgt vom L&G Clean Energy ETF (180 Millionen Euro). Alle drei ETFs investieren breit in die Bereiche Windenergie, Solar, Hydro und Biogas. Die übrigen 15 ETFs der Kategorie bringen es auf insgesamt 180 Millionen Euro. Dazu zählen auch spezialisierte Wind- und Solar-ETFs, aber auch ein ETF für Nukleartechnologie. Zur Erinnerung: Laut der EU-Taxonomie zu nachhaltigen Geldanlagen wird Kernenergie als nachhaltige Energiequelle bezeichnet.

Die ETFs der Kategorie sind ein ziemlich junges Phänomen: 15 der 18 Clean Energy ETFs wurden in den vergangenen drei Jahren aufgelegt. Es gibt also wenige „Early Adopter“ und viele Nachahmer. Nachdem sich ab 2019 abzeichnete, dass der iShares Global Clean Energy ETF die Performance-Lichter ausschießen würde, haben Amundi, Xtrackers, Fidelity, Deka, Invesco und Co die Kopiermaschinen angeworfen und ab Ende 2020 ihre Clean Energy ETFs auf den Markt gebracht. Die meisten waren dabei günstiger gepreist als das Original, was zeigt, dass die Branche alles daran setzte, einen Platz an der alternativen Sonne zu erhaschen.

Im Schnitt kommen die Clean Energy ETFs auf Kosten von durchschnittlich 0,56 Prozent, inklusive Transaktionskosten sind es im Schnitt 0,62 Prozent pro Jahr. Das klingt nach wenig, ist aber happig für ETFs, wo herkömmliche Aktienprodukte bereits für weniger als 0,1 Prozent jährlich zu haben sind.

Clean Energy ETFs

Vermögen in Mio Euro, Kosten und Rendite in Prozent und in Euro, Daten per 15.11.2023, Quelle: Morningstar

Kommen wir nun zur ETF-Performance. Hier konnte der iShares Global Clean Energy ETF in diesem Jahr mit einem Minus von 30 Prozent erkennbar keine Bäume ausreißen. Ist gut kopiert vielleicht besser als schlecht erfunden? Auch hier gibt es keine guten Nachrichten. Mitte November lagen die ETFs der Kategorie seit Anfang des Jahres mit durchschnittlich 27 Prozent im Minus. Die beste Performance brachte der Invesco Wind Energy ETF mit einem Minus von 12,3 Prozent, die schlechteste Performance fuhr sein Bruder, der Invesco Solar Energy ETF, mit einem Verlust von 37,6 Prozent ein. In den vergangenen 12 Monaten verlor der durchschnittliche Clean Energy ETFs knapp 34,4 Prozent. Das bringt uns zur Frage: Können es die aktiven Fonds besser?

Clean Energy Fonds: Performance und Risiken im Griff

Heute stecken europaweit 20,8 Milliarden Euro in 25 aktiv verwalteten Fonds der Morningstar Kategorie alternative Energy. Der Hype um Clean Energy Aktien seit 2020 hat sich bei den aktiv verwalteten Fonds nicht durch eine Flut neuer Fonds niedergeschlagen. Nur 10 der 25 aktiv verwalteten Fonds der Kategorie wurden in den vergangenen drei Jahren auf den Markt gebracht.

Der Wettbewerb manifestiert sich bei aktiv verwalteten Fonds allerdings in anderer Form als bei ETFs: man legt nicht unbedingt neue Fonds auf, sondern wirbt sich die Fondsmanager ab. So konnte Polar Capital 2021 Fondsmanager Thiemo Lang und zwei Aktienanalysten von RobecoSAM loseisen. Der RobecoSAM Smart Energy Equities wird nunmehr von Roman Boner verantwortet, der wiederum von Woodman Asset Management kam. Co-Manager Michael Studer ist ebenfalls neu bei RobecoSAM. Er war bis 2021 bei Acoro Asset Management.

Kommen wir zu den Kosten: Sind Clean Energy ETFs nicht günstig, so sind aktiv verwaltete Fonds erst recht teuer. Sie haben also im Performance-Windhundrennen mit kräftigem Gegenwind zu kämpfen. Im Schnitt bringen es die 25 aktiv verwalteten Fonds auf laufende Kosten von 1,96 Prozent. Bezieht man die Handelskosten mit ein, landet man im Schnitt bei stolzen 2,6 Prozent Kosten pro Jahr. Das ist viel Holz, was uns umstandslos zur Performance führt.

Vermögen in Mio Euro, Kosten und Rendite in Prozent und in Euro, Daten per 15.11.2023, Quelle: Morningstar

Der Kontrast zur Performance von ETFs ist erstaunlich. Im Schnitt verloren aktiv verwaltete Clean Energy Fonds in diesem Jahr nur 16,2 Prozent. In den vergangenen 12 Monaten konnten die Fondsmanager den Verlust auf 23,6 Prozent begrenzen. Damit konnten aktive Fonds eine Outperformance von knapp zehn Prozentpunkten 2023 erzielen. In den vergangenen zwölf Monaten lagen sie um elf Prozentpunkte vor ETFs.

Spiegelbildlich fällt auch das Risiko bei aktiv verwalteten Fonds geringer aus als bei ETFs. Der durchschnittliche aktiv verwaltete Clean Energy Fonds verlor in den vergangenen drei Jahren maximal 33 Prozent bei einer Volatilität von 26 Prozent p.a. Demgegenüber belief sich der maximale Verlust bei ETFs auf 51 Prozent bei einer Volatilität von annualisiert 35 Prozent.

Betrachten wir die längeren Zeiträume ausgewählter Fonds im Vergleich zum iShares Global Clean Energy ETF, dann zeigen sich die Folgen der unterschiedlichen Risikoprofile von ETFs und aktiv verwalteten Fonds. Die untere Grafik zeigt die rollierenden Dreijahresrenditen von drei aktiv verwalteten Fonds (gelbe, rote, blaue Linien) und die des iShares-ETF (grüne Linie) in allen Investment-Perioden seit Dezember 2008. Bereits auf den ersten Blick wird deutlich, dass der ETF in Verlustphasen weit hinter den aktiv verwalteten Fonds zurückbleibt und in Aufwärtsphasen diese mitunter deutlich hinter sich lässt.

Clean Energy FOnds rollierende REnditen

Dazu drei Beispiele: In seiner stärksten Phase, zwischen Februar 2018 und Januar 2021, erzielte der iShares ETF eine kumulierte Dreijahres-Performance von 232 Prozent. In derselben Periode brachte es der BGF Sustainable Energy auf 69 Prozent, der Pictet Clean Energy stieg um 68 Prozent und der RobecoSAM Smart Energy Equities legte um 93 Prozent zu.

Spiegelbildlich erlitt der iShares Global Clean Energy in seiner schwärzesten Dreijahres-Phase zwischen August 2009 und Juli 2012 einen Verlust von knapp 66 Prozent, derweil der BGF-Fonds 21 Prozent verlor, der Pictet-Fonds um knapp neun Prozent nachgab und der RobecoSAM-Fonds acht Prozent einbüßte. Krass war auch der Unterschied in der Zeit zwischen November 2020 und Oktober dieses Jahres. Während die drei aktiv verwalteten Fonds (in der oberen Reihenfolge) um 18 Prozent bzw. 19 Prozent bzw. 20 Prozent kumuliert stiegen, verlor der iShares ETF 25 Prozent. Man ist versucht, von einer perfekten Diversifikation zu sprechen, handelte es sich nicht um Fonds ein- und derselben Kategorie.

Alles eine Frage der Diversfikation – und der Reinheit

Der Grund, warum ETFs viel höhere Risiken aufweisen als die meisten aktiv verwalteten Fonds, liegt in der Diversifikation. Aktiv verwaltete Fonds streuen das Vermögen breiter. Dafür könnte es zwei Gründe geben: einmal könnten aktive Fonds nicht so strenge Nachhaltigkeitsfilter implementieren, was die Umsatzgrenzen von umstrittenen Geschäftsfeldern anbelangt. Das ist allerdings nicht der Fall. Der Standardindex für ETFs, der S&P Global Clean Energy Index, lässt bei Energieerzeugern einen Umsatzanteil von bis zu 25 Prozent Kraftwerkskohle (thermal coal) zu. Im Geschäft mit Schieferöl und Ölexploration in der Arktis liegt der Umsatzanteil bei maximal fünf Prozent. Aktuelle Sustainalytics-Daten zeigen, dass gut 8,5 Prozent des Umsatzes der Portfolio-Unternehmen des iShares ETF mit dem Geschäftsfeld Atomstrom generiert wird.

Auch bei aktiv verwalteten Fonds sind die Filter nicht besonders engmaschig. Bei den großen aktiv verwalteten Fonds liegt der Umsatzanteil am Nukleargeschäft wie folgt: 5,9 Prozent beim BGF Sustainable Energy und 8,1 Prozent beim Pictet Clean Energy Transition. Deutlich weniger ist der RobecoSAM Smart Energy im Nukleargeschäft unterwegs. Hier liegt der Umsatzanteil der Fonds-Holdings bei nur 1,6 Prozent. Aber auch diese Schwelle könnte für manche ESG-affine Anleger zu hoch sein.

Auch der Umsatzanteil der Kraftwerkskohle kann mitunter erstaunlich hoch sein – über zehn Prozent beim BGF Sustainable Energy, 3,5 Prozent beim Pictet Clean Energy Transition und 3,1 Prozent beim iShares Global Clean Energy ETF. Positiv sticht hier erneut der RobecoSAM Smart Energy Equities mit null Prozent Product Involvement im Kohlegeschäft hervor. Für Anleger mag es überraschend sein, aber nur wenige Fonds der Kategorie Clean Energy zeichnen sich durch niedrige CO2-Emissionen aus, die für eine Morningstar „Low Carbon Designation“ qualifizieren – unter den vier hier besprochenen Fonds schafft nur der RobecoSAM-Fonds diese Auszeichnung für niedrige CO2-Emissionen.

Diese ESG-Eigenschaften sind die Funktion der Diversifikation über verschiedene Geschäftsfelder. Hier sind aktiv verwaltete Fonds breiter aufgestellt als ETFs, die Indizes wie den S&P Global Clean Energy abbilden. Zwar wird der Begriff „Clean Energy“ breit definiert – er enthält nicht nur die Bereiche Solar und Wind, sondern auch Wasserkraft, Biomasse und Geothermie. Allerdings beschränken sich derartige ETFs weitgehend auf die Bereich Produktion und Infrastruktur, die Sektoren Industrials und Technologie sind im Vergleich zum durchschnittlichen Fonds der Kategorie alternative Energy weniger stark vertreten.

Indes findet sich bei aktiv verwalteten Fonds ein viel breiterer Strauß an thematischen Schwerpunkten. Bei RobecoSAM sind es neben den klassischen Wind- und Solarenergie-Herstellern die Unterthemen Smart Grid, Energiemanagement und Energieeffizienz – letzterer umfasst Unternehmen, die in der Gebäudedämmung und Dekarbonisierung von Industrieprozessen und des Transportwesens aktiv sind. Auch der BGF Sustainable Energy setzt neben Clean Power vor allem auf die Bereich Automotive Technologie, Industrieeffizienz, Bau, Komponenten und Energiespeicherung. Der Pictet-Fonds setzt dagegen einen klaren Schwerpunkt auf den Bereich Schlüsseltechnologien, der gut 40 Prozent des Portfolios ausmacht.

In den Portfolios vieler aktiv verwalteter alternative Energy Fonds finden sich daher Aktien wie RWE (BGF Sustainable Energy und Pictet Clean Energy Transition), Iberdrola (Pictet), Enel, Linde und Air Liquide (BGF) oder Wacker Chemie (RobecoSAM). Die Erklärung ist einfach: Große Versorger wie RWE, Iberdrola und Enel haben stark wachsende Alternatives-Geschäftsfelder. Wer sich hier einkauft, hat die Stabilität der Versorger und die Aussicht, einen braungefärbten Energiehersteller bei der grünen Transformation zu begleiten. Fast schon überflüssig zu erwähnen, dass die Konzentration auf Standardwerte einigen aktiv verwalteten Fonds Stabilität gegenüber den ETFs und Fonds verleiht, die eher auf Nebenwerte konzentriert sind. Unter den hier näher ausgewerteten Fonds steht es 50:50 – der iShares Clean Energy und der RobecoSAM Smart Energy sind vor allem bei Small und Mid Caps unterwegs, die Fonds von BGF und Pictet haben ihren Schwerpunkt bei Standardwerten.

Clean Energy Fonds: Vor lauter Purismus sterben?

Unter dem Strich zeigt unsere Untersuchung, dass aktiv verwaltete Fonds Vorteile gegenüber ETFs in der Kategorie der alternativen Energien aufweisen: Sie verlieren in der Baisse weniger, und auch wenn ETFs in einzelnen Aufschwungphasen besser performt haben, hinken die meisten mittelfristig dem Durchschnitt der aktiven Fonds hinterher. ETFs bieten zumeist einen konzentrierteren Zugang zu dem Marktsegment der alternativen Energien. Wer auf sie setzt, verzichtet auf Diversifikationseffekte, könnte aber in einer Haussephase outperformen.

Aktiv verwaltete Fonds und ETFs der Kategorie sind übrigens keine Puristen: Zumindest aus Sicht deutscher Anleger umstrittene Geschäftsfelder wie Atomstrom sind standardmäßig in den Fonds enthalten, und weil insbesondere aktiv verwaltete Fonds auf breit aufgestellte Versorger setzen, bekommen Anleger hier etliches an Gas-Geschäft ins Portfolio geblasen. Diese Kröte werden nicht alle Anleger schlucken.

Doch auch die konzentrierteren Fonds und ETFs sind keine Musterschüler: Auch eng fokussierte Wind- und Solarhersteller haben mitunter eine schlechte CO2 Bilanz, da sie jede Menge Rohstoffe (Stahl, Zement) verbauen. Wer dem Klima hilft, hat mitunter selbst keine weiße Weste. Angesichts dieser aus Nachhaltigkeits-Sicht unklaren Gemengelage, sticht bis auf weiteres der Diversifikationsvorteil bei aktiv verwalteten Fonds. Zumal es einen weiteren Nachteil bei ETFs gibt, den eine aktuelle Morningstar-Studie herausgearbeitet hat.

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Über den Autor

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Ali Masarwah

Ali Masarwah ist Fondsanalyst und Geschäftsführer von envestor. Er beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Fonds und ETFs, zuletzt als Analyst beim Research-Haus Morningstar.
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