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Match Group und Bumble: Aktien-Analyse zum Valentinstag

Der Valentinstag ist die Zeit für große Gefühle. An der Börse war es für treue Anleger die Match Group-Aktie und die Bumble-Aktie in den letzten Jahren allerdings eher eine toxische Beziehung: erst grenzenlose Euphorie, dann Ernüchterung – und schließlich ein tiefer Fall. Sollten Anleger den Aktien von Match Group und Bumble noch eine Chance geben?

Von „It’s a Match!“ zu „Ghosting“ – der Absturz in Zahlen

Die Match Group-Aktie erreichte ihr Allzeithoch im Oktober 2021 bei 182 Dollar. Heute liegt sie bei rund 30 Dollar. Das entspricht einem Rückgang von knapp 85 Prozent. Noch schlimmer hat es die Bumble-Aktie erwischt. Nach dem Allzeithoch im Februar 2021 bei 84,80 Dollar notiert sie heute bei unter drei Dollar, fast 96 Prozent unter dem Hoch. Wer dort gekauft hatte, musste die volle Härte des High-Growth-Bärenmarkts ab 2022 erleben.

Beide Titel sind damit Paradebeispiele für diese Abfolge: Pandemie-Sonderkonjunktur, Tech-Bewertungs-Boom, das jähe Ende überzogener Wachstums-Fantasien und der anschließende Software-Crash.

Sexy-Geschäftsmodell trifft auf Gegenwind

Bis 2022 schienen große Dating-Apps wie Match Group nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu besitzen. Eine Dating-Plattform ist für Nutzer wertvoller, je mehr potenzielle Partner dort aktiv sind. Besonders bei Match Group schienen die Voraussetzungen für einen “Moat” (Warren Buffett) gegeben zu sein. Match verfügt über gleich mehrere Apps im Portfolio: Tinder, Hinge, Match, Meetic, OkCupid, Pairs, Plenty Of Fish, Azar, BLK und andere könnten, so die These, in der Lage sein, eine kritische Masse an Nutzern aufzubauen bzw. zu halten. Doch auch aufstrebenden Konkurrenten wie Bumble wurden Chancen eingeräumt, im Online-Dating-Markt ein klassisches Plattformgeschäft mit Netzwerkeffekten aufzubauen. 

Allerdings zeigten die Geschäftsmodelle der Dating-Plattformen auch in den Hochphasen des Wachstums bis 2021 Risse: die Wechselkosten waren immer schon sehr niedrig: Nutzer können Apps in Sekunden wechseln. Das machte die Geschäftsmodelle fragil. Als dann die steigenden Zinsen die Bewertungsmodelle von Growth-Aktien ab 2021 auf den Kopf stellten, gerieten auch Match, Bumble und Co. kräftig unter die Räder. Das spricht für äußerst schmale Burggräben. Dazu weiter unten mehr.

Zusätzlich zu den typischen Problemen von High-Groth-Aktien ab 2021 kamen bei Bumble und Match Group ganz eigene Probleme hinzu: „Dating-App-Fatigue“. Laut Forbes Health berichten rund achtundsiebzig Prozent der jungen Nutzer von Burnout. Parallel erleben Offline-Formate – etwa Run Clubs – eine Renaissance, wie unter anderem Vogue beschreibt.

Wenn die wahrgenommene Qualität sinkt – Fake-Profile, Ghosting, Paywall-Frust – wirkt der Netzwerkeffekt plötzlich negativ. Dann entsteht ein Abwärtssog: Gute Nutzer gehen zuerst, die Attraktivität sinkt weiter.

Match Group-Aktie: attraktiver Cashflow – aber Tinder muss wieder liefern

Im vierten Quartal 2025 meldete Match Group 878 Millionen Dollar Umsatz, 370 Millionen Dollar Adjusted EBITDA und 210 Millionen Dollar Nettogewinn. Die EBITDA-Marge lag bei beeindruckenden zweiundvierzig Prozent. 

Während Tinder weiter Payer verlor, konnte Hinge seine zahlenden Nutzer erneut steigern – allerdings nicht mehr mit der Dynamik früherer Jahre. Das Wachstum bei Hinge reicht derzeit nicht aus, um die Schwäche des Flaggschiffs vollständig auszugleichen. Die Zahl der zahlenden Nutzer lag bei 13,8 Millionen (minus fünf Prozent gegenüber Vorjahr), während der Umsatz pro zahlendem Nutzer auf 20,72 Dollar stieg. Kurzfristig kann das die Profitabilität stabilisieren. Langfristig jedoch entscheidet bei Plattform Modellen die Breite des Netzwerks. Wenn die Basis schrumpft, wird es schwierig.

Für das erste Quartal 2026 erwartet das Management 850 bis 860 Millionen Dollar Umsatz und 315 bis 320 Millionen Dollar adjustiertes EBITDA. 

Zum Jahresende 2025 verfügte Match über 1,03 Milliarden Dollar Cash bei 3,97 Milliarden Dollar Schulden. Das ist nicht wenig, aber gerade noch vertretbar.

Strategisch bleibt aber die entscheidende Frage: Kann Tinder wieder netto wachsen?

Bumble-Aktie: Bereinigt, verschlankt – aber noch nicht stabilisiert

Bei Bumble müssen wir uns aktuell noch mit dem traurigen dritten Quartal 2025 begnügen: Der Umsatz sank im Vorjahresvergleich um zehn Prozent auf 246,2 Millionen Dollar, die Total Paying Users fielen um sechzehn Prozent auf 3,6 Millionen – das adjustierte EBITDA lag bei 83,1 Millionen Dollar, eine Marge von 33,7 Prozent.

Die Gründerin Whitney Wolfe Herd kündigte eine grundlegende technische Neuausrichtung an, bei der künstliche Intelligenz künftig das Herzstück des Matching-Systems bilden soll. Ziel ist es, bessere Vorschläge, höhere Sicherheit und eine stärkere Personalisierung zu erreichen. Das ist strategisch spannend – aber Investoren werden keine Vision bezahlen, sondern Nutzerwachstum. 

Zum Quartalsende verfügte Bumble über 307,9 Millionen Dollar Cash und 589,4 Millionen Dollar Schulden. Die Bilanz ist gut beherrschbar – aber sie gibt keinen unbegrenzten Spielraum für Experimente. Das Unternehmen generiert Cashflow – aber die Nutzerentwicklung bleibt die Schicksalsfrage.

Fünf Gründe für die Trennung  

Erstens: Der Markt ist „reifer“ als 2020/2021. Pandemie-Zeit und Tech-Euphorie haben Bewertungen nach oben gezogen, weil Wachstum nahezu um jeden Preis honoriert wurde. Damals reichte steigende Nutzerzahl, um Fantasie zu rechtfertigen. Heute wird wieder stärker nach Cashflow, Margenstabilität und struktureller Wettbewerbsposition bewertet – und Dating ist nun einmal kein KI-Infrastrukturthema mit exponentiellen Skaleneffekten. Der Bewertungsmultiplikator hat sich normalisiert.

Zweitens: Plattform-Ökonomie mit niedrigen Wechselkosten. Wenn das Matching nicht überzeugt, ist der Nutzer weg. Anders als bei der Enterprise-Software gibt es keine Integrationstiefe, keine langfristigen Verträge, keine hohen Umstellungskosten. Das erhöht den Preisdruck erheblich, weil Abo-Preise nur funktionieren, wenn der wahrgenommene Nutzen sofort erkennbar ist. Plattformen mit geringen Lock-in-Effekten müssen ständig Qualität liefern – nicht nur Marketing.

Drittens: Qualitätsproblem (Trust & Safety). Sobald Nutzer das Gefühl haben, sie bezahlen für Frust – Bots, Fake-Profile, schlechte Matches, Ghosting – kippt die Zahlungsbereitschaft. Plattform-Modelle sind Vertrauensmodelle. Vertrauen ist ein immaterieller Vermögenswert, der sich nur langsam aufbaut, aber sehr schnell zerstört werden kann. Sinkt die wahrgenommene Qualität, wirkt der Netzwerkeffekt negativ: Gute Nutzer verlassen zuerst die Plattform, was die Qualität weiter senkt.

Viertens: Wettbewerb und Kannibalisierung. Match profitiert zwar von mehreren Marken – Tinder, Hinge, Match.com –, aber Nutzer wandern häufig innerhalb des eigenen Portfolios, statt dass netto neue Nutzer entstehen. Das stabilisiert Marktanteile, ersetzt aber kein echtes Wachstum. Bei Bumble kommt zusätzlich der direkte Wettbewerbsdruck hinzu. In Märkten ohne starke Differenzierung genügt ein Trendwechsel oder ein besseres Nutzererlebnis beim Konkurrenten, um Marktanteile deutlich zu verschieben.

Fünftens: Monetarisierung versus Nutzererlebnis – der klassische Zielkonflikt digitaler Plattformen. Wenn man zu aggressiv monetarisiert, etwa durch stärkere Paywalls oder künstliche Verknappung, sinkt die Zufriedenheit und langfristig die Bindung. Wenn man hingegen zu viel freigibt, leidet kurzfristig der Umsatz. Dieser Balanceakt ist bei Dating-Apps besonders sensibel, weil der wahrgenommene Wert stark emotional geprägt ist. Genau hier entscheidet sich, ob ein Produkt-Relaunch tatsächlich strukturelle Verbesserung bringt – oder nur kosmetische Änderungen.

Tiefe Burggräben – garant langlebiger Aktien-Liebesbeziehungen

Bei hoch bewerteten Technologie-Titeln trägt eine hohe Bewertung langfristig nur dann, wenn ein echter Burggraben existiert. Moats sind strukturelle Vorteile, die Wettbewerber auf Abstand halten und Preissetzungsmacht ermöglichen. Genau hier liegt das Problem von Dating-Apps: Match und Bumble sind zwar innovative Plattformen, aber die Wechselkosten sind minimal – und damit ist der Burggraben ziemlich schmal. Zwei Gegenbeispiele zeigen, wie ein belastbarer Moat aussieht.

Meta Platforms: Der Burggraben liegt nicht in einer einzelnen App, sondern im Bündel aus Aufmerksamkeit, Netzwerkeffekten und Werbe-Infrastruktur. Nutzer bleiben, weil ihr soziales Umfeld und ihre Content-Gewohnheiten dort sind – der klassische Netzwerkeffekt. Gleichzeitig profitieren Werbekunden von enormer Reichweite, datengetriebenem Targeting und einem ausgereiften Auktionssystem, das Kampagnen effizient macht. Diese Kombination aus „User-Graph + Werbe-Maschine + Skaleneffekten“ ist schwer zu kopieren und erklärt, warum Meta selbst nach einem harten Einbruch wieder stark liefern konnte.

Microsoft: Hier ist der Moat ein Ökosystem-Burggraben. Wer als Unternehmen Office, Teams, Windows, Identitätsmanagement und Azure tief integriert hat, wechselt nicht mal eben zur Konkurrenz – die Umstellungskosten sind hoch, die Prozesse hängen daran, die IT-Architektur ebenso. Dazu kommt eine enorme Distribution: Microsoft kann neue KI-Funktionen (Copilot) direkt in Produkte bringen, die bereits in den Kernprozessen von Unternehmen stecken. Dieser Mix aus Lock-in, Plattform-Integration und Skaleneffekten im Cloud-Geschäft ist ein struktureller Vorteil, der auch im höheren Zinsumfeld trägt.

Der Kontrast zu Match und Bumble ist damit klar: Bei Dating-Apps entscheidet das Nutzererlebnis kurzfristig, und die Wechselkosten sind so niedrig, dass ein kleiner Qualitätsknick sofort auf die Zahlungsbereitschaft durchschlägt. Ohne robusten Burggraben wird dann jede Bewertungsprämie fragil – und genau das sieht man in den Kursverläufen.

Und jetzt die Valentinstags-Frage: Sich in Match und Bumble neu verlieben?

Match Group-Aktie: Bitte überstürzen Sie nichts, aber Match verdient eine Chance als Watchlist-Kandidat. Der Grund ist simpel: Match liefert nach wie vor hohe Profitabilität und einen klaren Cashflow-Fokus. Wenn Tinder (oder das Nutzererlebnis insgesamt) so verbessert wird, dass sich die zahlenden Nutzer (Payer) stabilisieren und gleichzeitig der Aufsatz pro Nutzer nicht kollabiert, kann die Match Group-Aktie in einer klassischen Turnaround-Bewertung durchaus wieder „respektabel“ wirken. Liebe Bewertung ist mit einem KGV von 13, einem EV/Sales von 3 und einem EV/EBITDA von 8 jetzt durchaus wieder ansehnlich.

Der Haken: Solange die Payer-Basis fällt, ist das Risiko hoch, dass die Match Group-Aktie eine gewöhnliche Value Trap bleibt – nicht teuer, aber auch nicht verlockend.

Bumble-Aktie: Eine Aktie für Schnäppchenjäger. Wer auf billig steht, kommt bei der Bumble-Aktie mit 0,7 Mal EV/Sales und rund 3 Mal EBITDA voll auf seine Kosten Das von Analysten geschätzte KGV liegt bei circa drei. 

Wenn Sie das Adrenalin einer Turnaround-Spekulation mögen (und mental aushalten) haben Sie hier dank Marktkapitalisierung vom unter 500 Millionen Dollar neben allen Risiken auch hohe Chancen. Könnte die Aktie sogar zum Übernahmekandidaten werden? 

Operativ gibt es Licht am Nachthimmel, aber der Nutzertrend bleibt auch hier das eigentliche Herz der Story. Die Bumble-Aktie hat das Potenzial, sie ekstatisch zu machen  Ohne Stabilisierung der Paying Users kann sie ihnen aber auch das Herz brechen.

Drei Zeichen, dass Sie sich wieder in Match und Bumble verlieben dürfen

Paid Users / Payers: Nicht „schlägt Erwartungen“, sondern: dreht der Trend 

Monetarisierung vs. Nutzerentwicklung: Steigt Monetarisierung, weil das Produkt besser ist – oder weil man die Preise stärker anzieht, während Nutzer abspringen? 

Produkt-Relaunches 2026: Beide setzen auf AI-Features und Produktverbesserungen. Der Markt wird nicht Marketing belohnen, sondern messbare Effekte (Retention, Registrierungen, Conversion zu Zahlern). 

Unterm Strich: Match Group-Aktie wirkt wie der „vernünftige Ex“, der mit einem Strauß Blumen vor der Tür wieder stabil wirkt, aber noch beweisen muss, dass er sich wirklich geändert hat. Die Bumble-Aktie ist eher das sexy „Comeback-Date“, das spektakulär werden kann – möglicherweise aber auch im Fiasko endet. Sollten Sie ruhig rechts, aber verpflichten Sie sich zu nichts und beobachten Sie mit klarem Blick auf die Nutzer- und Zahlungsmetriken, nicht nur auf romantische Storys.

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Autor

  • Steffen Gruschka ist CFO und Co-Geschäftsführer von envestor und blickt auf rund 30 Jahre Erfahrung im aktiven Management von Schwellenländer-Aktienfonds zurück. In seiner Laufbahn wurde er mehrfach als Fondsmanager des Jahres ausgezeichnet. Zuletzt erreichte er 2025 in der Kategorie Aktien Emerging Markets die Spitzenposition und gehörte damit laut Handelsblatt zu den besten Fondsmanagern Deutschlands.

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