Die Übersicht der Top Seller Fonds auf Envestor zeigt, dass viele Anleger inzwischen in die Defensive gehen ober auf günstig bewertete Aktien setzen. Der gemeinsame Nenner der Fonds mit den höchsten Mittelzuflüssen in den vergangenen 30 Tagen: defensive Investments und Europa Aktien. Das passt insofern zusammen, als europäische Aktien (vor allem britische und spanische Aktien) recht günstig zu haben sind. Dagegen sind US-Aktien, aber auch Aktien aus Frankreich und Skandinavien recht teuer, wie eine aktuelle Übersicht des Research-Hauses Morningstar zeigt.

Grafik: Bewertungs Heatmap zum Ende des ersten Halbjahres

Heat Map Bewertungen Aktien WElt

Heat Map basiert auf den Schlusskursen des Vortages der Aktien in den maßgeblichen Morningstar Länderindizes, Daten per 30.6.2021, Quelle: Morningstar

Fangen wir mit dem Top Seller Fonds des vergangenen Monats an. Der von Thomas Graby verantwortete DWS Invest Conservative Opportunities ist noch recht jung. Der Mischfonds wurde erst im August 2019 aufgelegt. Für einen defensiven Mischfonds ist der DWS Fonds mit einer Aktienquote von rund 50 Prozent  derzeit sportlich unterwegs. Das war auf dem Höhepunkt der Coronakrise im März 2020 ganz anders. Seinerzeit hatte Graby den Aktienanteil auf unter fünf Prozent begrenzt. Das zeigt, dass es sich hier um einen Mischfonds handelt, der das Attribut „aktiv verwaltet“ verdient. Langfristig mag er defensiv aufgestellt sein, aber zwischenzeitlich soll er durchaus Chancen wahrnehmen.

Tabelle: Übersicht über die Top Seller Fonds auf Envestor

Top Seller auf envestor.de der vergangenen 30 Tage

Ranking nach Nettomittelzuflüssen der auf Envestor betreuten Depots. Daten per 29.6.2021, Quelle: Envestor

Die Top Holdings des DWS Invest Conservative Opportunities sind hauseigene Fonds der Deutsche Bank Tochter, angeführt vom DWS ESG Dynamic Opportunities und dem Schwesterfonds DWS Concept Kaldemorgen (Graby ist Mitglied im Multi Asset Team unter der Leitung von DWS-Urgestein Klaus Kaldemorgen), die jeweils gut 15 Prozent der Vermögenswerte des Fonds ausmachen. Der DWS Invest Euro High Yield ist mit einem Anteil von gut zwölf Prozent ebenfalls prominent vertreten.

Der DWS Invest Conservative Opportunities ist insofern ein typischer Vertreter von defensiven und ausgewogenen Mischfonds, über die wir jüngst eine Analyse verfasst haben: Im Niedrigzinsumfeld von heute sind sie praktisch gezwungen, höhere Risiken einzugehen, sowohl, was die Gewichtung von Aktien als auch riskante Anleihen anbelangt.

Ohne Risiken einzugehen, könnten Mischfonds wohl kaum ohne Weiteres reale Renditen (also über die des Inflationsniveaus) einspielen, was für viele Anleger ein Killer-Kriterium sein sollte. Lobenswert ist, dass der Fonds mit einer Verwaltungsgebühr von unter einem Prozent (0,95 Prozent pro Jahr) auskommt.

Positiv im Zusammenhang mit Kosten ist weiterhin, dass im Fonds – obwohl er in andere aktiv gemanagte Fonds der DWS investiert – keine doppelte Gebührenbelastung anfällt. Hier gilt die sogenannte Differenzmethode. Vielmehr ensteht aus dieser Konstellation sogar ein weiterer Vorteil: Anleger investieren nämlich indirekt in den Fondsklassiker DWS Concept Kaldemorgen, aber zu Konditionen, die normalerweise nur Anlegern ab einer Mindestanlagesumme von 100 Mio. Euro zur Verfügung steht. Das heißt, hier gibt es den Concept Kaldemorgen OHNE Performance-Gebühr.

Gold Fonds und europäische ETFs runden Ranking der Top Seller Fonds ab

An zweiter Stelle der Top Seller Fonds findet sich der Jupiter Gold & Silver. Für einen Edelmetallfonds ist dieser Fonds recht breit aufgestellt. Neben physischem Gold und Silber investiert er auch in Minenunternehmen, die Edelmetalle fördern.

Prominent vertreten sind ebenfalls ETFs auf europäische Aktienindizes. Am breitesten aufgestellt ist der iShares STOXX Europe 600, der nicht nur Standardwerte umfasst, sondern auch mittelgroße und kleine Unternehmen. Der Index ist deutlich breiter aufgestellt als Eurozonen-Aktien-Indizes, allerdings müssen Investoren beachten, dass britische Aktien 23 Prozent des Gewichts ausmachen.

Die hohe Gewichtung britischer Aktien ist einerseits aus Bewertungssicht positiv, da Aktien aus Großbritannien noch immer mit einem ordentlichen Bewertungsabschlag handeln. Andererseits sind die Aussichten für die britische Wirtschaft nach dem Austritt des Landes aus der Europäischen Union ungewiss, sodass manch ein Portfoliomanager unverändert einen weiten Bogen um Unternehmen aus UK macht. Das zeigt die rechte Spalte der unteren Tabelle, welche die Ländergewichtungen des durchschnittlichen – in erster Linie aktiv verwalteten – Europa-Aktienfonds zeigt.

Die Ländergewichtungen im iShares STOXX Europe 600 versus Europa Aktienfonds

Aktiengewichtungen im iShares STOXX 600 ETF

Ländergewichtungen im ETF in Prozent versus Gewichtungen der Länder im durchschnittlichen Europa Aktienfonds, Daten per 25.6.2021, Quelle: iShares, Morningstar

Offenbar ist so manchem Anleger die sehr ordentliche Schweiz-Quote im iShares STOXX Europe 600 von 15 Prozent nicht genug und auch die Deutschland-Quote von – tatsächlich recht bescheidenen – 13,5 Prozent nicht hoch genug; diese Envestorinnen und Envestoren haben in den vergangenen 30 Tagen bei den ETFs auf den Schweizer Leitindex SLI und dem deutschen DAX zugegriffen.

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