Das Leistungsversprechen des PIMCO GIS Emerging Markets Opportunities Fund: volle Schwellenländer‑Rendite bei unterdurchschnittlichem Risiko. Die Bilanz des 2019 aufgelegten Rentenfonds ist beeindruckend. Wer auf diesen Fonds setzt, hat eine ganz eigene Investment‑These – und beweist eine Menge Vertrauen in den größten Bond‑Manager der Welt.
Schwellenländer-Anleihen: Der Investment Case
Schwellenländer‑Anleihen bieten heute vor allem eines: sehr attraktive reale Renditen und eigene Zinszyklen, die sich von den Industrieländern emanzipiert haben. Viele Notenbanken des globalen Südens haben 2020 frühzeitig die Zinsen erhöht, die Inflation ist inzwischen deutlich gefallen. Die Leitzinsen liegen aber noch klar im restriktiven Bereich, was Luft schafft für Senkungen – ein Rückenwind für Kurse. Davon profitieren auch die Währungen, was automatisch den Blick auf lokale Schwellenländer‑Anleihen fokussiert. Für Anleger aus Europa tut sich damit eine Art „Tripple‑Whopper“-Szenario auf: hohe Zinsen, fallende Renditen, stärkere Währungen.
Hinzu kommt, dass die Fundamentaldaten vieler Schwellenländer solider sind, als ihr Ruf nahelegt: Schuldenquoten und Leistungsbilanzen sind oft besser als die vieler großer Industrieländer. Wussten Sie, dass die USA eine fast viermal so hohe Debt/GDP‑Quote haben wie Nigeria? Gleichzeitig könnten die erwarteten Zinssenkungen in den USA den Dollar weiter schwächen. Langfristig könnten Staatsanleihen aus den Industrieländern unter der steigenden Verschuldung – Stichwort: Comeback der „Bond Vigilantes“ – leiden.
Hinzu kommen technische Faktoren. Institutionelle Anleger haben über Jahre Schwellenländer‑Anleihen verkauft. Das sorgt für eine „saubere“ technische Ausgangslage – die Märkte sind „überverkauft“. Bereits seit einigen Monaten zeigt sich, dass Fondsanleger in den USA und Europa wieder verstärkt in Schwellenländer‑Anleihen‑Fonds investieren.
Investmentfokus, Strategie und Management
Das bringt uns umstandslos zum PIMCO Emerging Markets Opportunities Fund. Er wurde im Juni 2019 aufgelegt und ist damit für PIMCO-Verhältnisse ein ziemlicher Jungspund. Wie der Name andeutet, handelt es sich um einen Fonds, der in allen Marktsegmenten seine Chancen sucht. Er investiert über das gesamte Spektrum der Schwellenländer‑Anleihen: Staatsanleihen, supranationale Emittenten, Unternehmensanleihen, Hartwährungen und Lokalwährungen. Seine Vergleichsindizes sind der J.P. Morgan EMBI Global und der J.P. Morgan GBI‑EM Global Diversified. Er kombiniert also Hartwährungsanleihen mit Dollar‑Risiko mit dem Risiko lokaler Währungen. Der Clou: Die Fondstranche, die wir hier vorstellen, sichert das Dollar‑Risiko für Euro‑Anleger ab, lässt aber das – erwünschte – Risiko lokaler Schwellenländer‑Währungen „offen“. Wir mögen den Fonds noch aus einem anderen Grund – mehr dazu im Abschnitt „Kosten“.
Dieser von PIMCO als „Schwellenländer‑Flaggschiff“ beworbene Rentenfonds kann auf den ersten Blick „over‑engineered“ daherkommen: Mit Relative‑Value‑Strategien werden Allokationsentscheidungen zwischen Lokal‑ und Hartwährung und Absicherungsstrategien getroffen. Derivate werden standardmäßig eingesetzt, was die Umsetzung der Strategie effizienter, aber die Durchsicht durch das Portfolio mitunter zu einer Herausforderung macht.
PIMCO wirft zudem seine Waagschale als weltgrößter Rentenmanager in die Waagschale: Das gilt nicht nur für den privilegierten Zugang zum Primärmarkt und die Chance auf „New‑Issue‑Prämien“, sondern auch für direkte „Deals“ mit Schwellenländer‑Regierungen, um bessere Konditionen für PIMCO‑Anleger herauszuschlagen. So habe man im Zuge einer bilateralen Übereinkunft mit der ägyptischen Regierung einen Aufschlag von 250 Basispunkten auf eine dreijährige Anleihe durchgesetzt. Hinzu kommen steuerliche Optimierungsstrategien und Arbitrage‑Trades. Gemanagt wird der PIMCO Emerging Markets Opportunities seit Auflage 2019 von Pramol Dhawan, Yacov Arnopolin und Stephen Koon Bong Chang.
Performance-Analyse
Seit Auflage im Juni 2019 hat die institutionelle USD‑Tranche bis Ende 2025 nach Kosten rund 6 Prozent p. a. erwirtschaftet, während der 50/50‑Referenzindex nur auf 2,70 Prozent p. a. in dem Zeitraum kam. Die Volatilität von 6,9 Prozent liegt deutlich unter jener der EM‑Benchmarks von rund 10 Prozent. Für die hier besprochene Euro‑Tranche weist Morningstar eine Volatilität von 5,4 Prozent und einen maximalen Verlust von 3,4 Prozent seit Anfang 2023 aus. In der Fünfjahresbilanz werden auch die schlechten Zeiten sichtbar: ein maximaler Verlust von knapp 14 Prozent und eine Volatilität von fünf Prozent. Insofern reflektiert der SRI‑Wert von 2 nicht das Risiko des Fonds in volatilen Zeiten.
Mit einem Vier‑Sterne‑Rating von Morningstar gehört der Fonds zu den 22,5 Prozent besten Fonds seiner Kategorie. Allerdings ist diese Einordnung des PIMCO‑Fonds in der Peer‑Group mit Vorsicht zu genießen, weil hier vorwiegend Fonds für Dollar‑Anleihen vertreten sind. Wegen der schwachen Entwicklung des Dollar seit 2025 gegenüber dem Euro war auch die Währungskomponente Teil der Outperformance‑Story des Fonds. Wer also der Meinung ist, dass der Greenback zwingend Bestandteil eines Schwellenländer‑Hartwährungsfonds sein sollte, sucht sich besser eine andere Tranche des Fonds.
PIMCO Emerging Markets Opportunities: Portfolio
Aktuell bilden in lokalen Währungen denominierte Anleihen mit einem Anteil von knapp 70 Prozent den Schwerpunkt im Fonds. Regionenseitig waren Lateinamerika‑Bonds 2025 durchgehend höher gewichtet als in den vorherigen Jahren. Die Top‑Länder sind Kolumbien, Mexiko, Peru und Brasilien mit einem Gewicht von zwischen 6 und 7 Prozent. Per Ende 2025 machten Unternehmensanleihen weniger als 5 Prozent aus. Hier sieht das PIMCO‑Team aktuell keine großen Opportunitäten. Die Duration liegt mit knapp sieben Jahren deutlich über der Benchmark‑Duration von sechs Jahren. Das liegt am oberen Limit der internen Richtlinien des Fonds und reflektiert die PIMCO‑These über die Aussicht auf fallende Renditen an den Schwellenländer‑Anleihenmärkten.
Kreditqualitativ ist der Fonds im Investment‑Grade verankert (viel AA und BBB), ergänzt um substanzielle BB‑/B‑Exponierung – eine sogenannte „Hantel‑Strategie“, die Sicherheit und Rendite ausbalanciert. Regional setzt PIMCO auf Reformstories mit IWF‑Rückendeckung (Côte d’Ivoire, Ecuador, Ägypten) und Lokalmarkt‑Engagements in Ländern mit hohen Realzinsen und glaubwürdigen Notenbanken (u. a. Brasilien, Mexiko, Südafrika, Peru). Die Aufstellung des Fonds reflektiert die optimistische Sicht, dass unter den schlechtesten Schuldnern in diesem Jahr nur die Schuldentragfähigkeit der Malediven mit einem Fragezeichen versehen werden sollte. Ausfälle drohen demnach erst 2030 (Mosambik) und 2032 (Kamerun, Mosambik, Senegal).
Kosten
Die laufenden Kosten der institutionellen Tranche des PIMCO Emerging Markets Opportunities Fund liegen bei 0,79 Prozent p. a. Damit zählt der Fonds zu den günstigeren Fonds der Kategorie. In Relation zum soliden Investmentprozess und der sehr guten Rendite ist der Preis angemessen. ETFs und andere Indexfonds sind zum einen nicht besonders viel günstiger in dieser Kategorie und weisen zudem zumeist ein deutlich schwächeres Rendite‑Risiko‑Profil auf. Unser Lob für den Fonds gilt explizit nicht für die Privatanleger‑Tranche des Fonds, die mit 1,7 Prozent prohibitiv teuer ist. Bei envestor bekommen Anleger zwar die Bestandsprovisionen von Fonds zu 100 Prozent als Cashback erstattet, aber besser ist es natürlich, die Kosten von vornherein niedrig zu halten.
Fazit und Einordnung
Der Fonds spielt seine PIMCO‑Plattformvorteile sichtbar aus: hohe laufende Rendite, die sich auch in einer hohen Sharpe Ratio niederschlägt. Dahinter steht ein ausgeklügelter, mehrdimensionaler Investmentprozess, der fundamentale und technische Faktoren zusammenbringt und auch von der schieren Verhandlungsmacht von PIMCO profitiert. Das Risikomanagement ist effektiv, aber immer im Kontext von Schwellenländer‑Risiken zu sehen. In jedem Fall sollten sich Anlegende nicht vom lächerlich niedrigen SRI‑Wert von 2 blenden lassen. Doch die Aussagekraft des prozyklischen Risikoindikators ist kein PIMCO‑Problem, sondern betrifft alle Risikofonds, die in den vergangenen Jahren einen guten Lauf hatten. Steigen die Kurse, geht zumeist die Volatilität zurück, und der SRI‑Wert zeigt dann an, dass es sich hier um ein risikoarmes Produkt handelt – willkommen im Märchenwunderland der EU‑Regulierung.
Doch wir schweifen ab. Die Kehrseite der Medaille ist bei PIMCO‑Fonds die hohe Komplexität: intensive Derivate‑Nutzung, Benchmarkferne und eine starke Abhängigkeit vom PIMCO‑Prozess stellen ein signifikantes Manager‑ bzw. Modellrisiko dar; Anleger müssen bereit sein, dieses bewusst zu tragen. Dafür ist übrigens kein Gottvertrauen nötig. Die PIMCO‑Strategien sind deutlich vielschichtiger geworden in den vergangenen zehn Jahren, was mitunter auch Renditespitzen abschneiden und zu großen Abweichungen gegenüber der Benchmark führen kann. Aber wenn man weiß, dass Anleihenbenchmarks mitunter Konstruktionsfehler aufweisen, ist ein aktiver, systematischer, ausgewogener und diversifizierter Investmentprozess, wie ihn PIMCO fährt, das Risiko wert.
Die Zeiten, in denen der PIMCO‑Gründer Bill Gross in seinen Fonds mit „gung‑ho“-Methoden massive Makro‑Wetten fuhr, auch gegen US‑Treasuries, sind lange vorbei. Es bleibt das ganz eigene PIMCO‑Manager‑Risiko. Wer aktives Management in ineffizienten Märkten schätzt, geht dieses Risiko gerne ein – zumal dieser Fonds ein tragfähiger One-Stopp-Shop für Schwellenländer-Anleihen ist und insofern auch für kleinere Portfolios gut geeignet ist, diese wichtige Anleihenprämie zu einem absolut kompetitiven Preis zu ernten.
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Autor
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Ali Masarwah ist Fondsanalyst und Geschäftsführer von envestor. Er beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Fonds und ETFs, zuletzt als Analyst beim Research-Haus Morningstar.
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