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Investieren im Ruhestand: Wie viel Rendite darf es sein?

Investieren im Ruhestand: Wie viel Rendite darf es sein? 

Die Zinsen sind wieder da – aber sie sind nicht mehr das, was sie vor zehn oder zwanzig Jahren waren. Für Ruheständler stellt sich bei der Planung Ihrer künftigen Ausgaben deshalb eine nüchterne Frage: Welche realistische Rendite ist heute mit vertretbarem Risiko erreichbar?

Der Anlagehorizont liegt bei 85 Jahren – Tendenz steigend!

Ein 65-jähriger Mann hat laut der durchschnittlichen Restlebenserwartung des Statistischen Bundesamtes noch rund 17 bis 18 Jahre vor sich, eine 65-jährige Frau etwa 20 bis 21 Jahre. Die Lebenserwartung ist über Jahrzehnte dank medizinischem Fortschritt und besserer Versorgung gestiegen. Für frischgebackene Rentner ist das ein Segen, der auf der finanziellen Seite allerdings selten Rechnung getragen wird: Wie sollen Menschen im Ruhestand und auch solche, die kurz davor stehen, in den nächsten 20 Jahren investieren?

Die Frage führt uns zunächst zu einem psychologischen Effekt: Viele Menschen unterschätzen systematisch ihre eigene Lebenserwartung. Für die Finanzplanung führt das häufig zu defensiven Portfolios – obwohl die mögliche Verweildauer am Kapitalmarkt objektiv sehr lang ist: Wer 20 Jahre investiert, verträgt deutlich mehr Risiko als einen Geldmarktfonds oder Tagesgeld!

Das aktuelle Zinsniveau: Die Unterkante

Sehr sichere Anlagen orientieren sich am Leitzinsniveau. Tagesgeld und kurzfristige Einlagen bewegen sich aktuell typischerweise im Bereich von etwa zwei bis drei Prozent pro Jahr, wie der Tagesgeld-Zinsvergleich 2026 zeigt. Das reicht gerade einmal als Inflationsausgleich. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe liegt derzeit bei rund 2,7 bis 2,8 Prozent. Wer ausschließlich auf Staatsanleihen und Einlagen setzt, bewegt sich nominal in dieser Größenordnung. 

Mehr als Bundesanleihen: Spezialisierte Ertragsquellen

Halten wir fest, dass Bund-Renditen die Unterkante der Renditeerwartungen sein sollten. Sie sichern – derzeit zumindest – einen Inflationsausgleich und einen kleinen Schuss Rendite. Doch das Anlageuniversum ist auf der Anleihenseite sehr viel breiter als sichere Staatsanleihen – zumal diese in Zeiten hoher Staatsverschuldung, hohen Defiziten und langen Laufzeiten alles andere als risikofrei sind – der Jahrhundert-Crash von 2022 lässt grüßen! Vor allem US-Anleihen werden heute von vielen Anlegern hinterfragt.

Die Welt der Zins-Strategien sind zahlreich: Angefang mit Unternehmensanleihen, über Hochzins-Papiere bis hin zu vermeintlich exotischen Risiken wie Katastrophenanleihen, mit denen Versicherer Risiken aus Naturkatastrophen an den Kapitalmarkt weitergegeben werden. Ihre Rendite ist primär von versicherungstechnischen Faktoren abhängig – nicht vom Konjunkturzyklus oder klassischen Zinsbewegungen. Dadurch entsteht Diversifikation gegenüber Aktien und traditionellen Anleihen – bei zweistelligen Portfolio-Renditen. 

Auch nicht-börsennotierte Anleihen spielen bei den Beratungsmandaten von envestor einen Rolle, etwa europäische CLOs und europäische Konsumkredite. Hier werden Kredite gebündelt und strukturiert. Die Erträge speisen sich aus Kreditmargen. Historisch weisen solche Strategien eine niedrige Korrelation zu Aktienmärkten auf – hier geht es um Kredit- und Liquiditätsrisiken. Den meisten Kreditstrategien ist eines gemein: Die Renditen sind hoch, und die Laufzeiten sind deutlich geringer als bei typischen Staatsanleihen-Portfolios, was das Durationsrisiko deutlich senkt.

Der Kern moderner Portfolioarbeit ist Diversifikation: Nicht eine Anlageklasse muss alles leisten. Mehrere Bausteine teilen sich Stabilität, laufenden Ertrag und langfristige Rendite.

Aktien im Ruhestand: Risiko oder notwendige Renditequelle?

Mit dem Eintritt in den Ruhestand steigt die Verlustaversion, und viele Anleger liquidieren dann ihre Aktienportfolios. Verhaltensökonomisch ist das gut erklärbar. Daniel Kahneman und Amos Tversky haben gezeigt, dass Verluste psychologisch stärker negativ wirken, als spiegelbildliche Gewinne glücklich machen. Das führt häufig dazu, dass Ruheständler ihr Risiko drastisch reduzieren – oft stärker, als es rational notwendig wäre. Hier wäre guter Rat nötig!

Aktien gehören aus einem einfachen Grund in diese Diskussion: Sie haben langfristig eine höhere Risikoprämie gegenüber sicheren Anlagen geliefert. Die langfristige Datenbasis im Global Investment Returns Yearbook von Dimson, Marsh und Staunton zeigt genau diesen Punkt: Aktien lagen real (nach Inflation) langfristig über Anleihen und Cash. Ohne Aktien geht es also nicht. Es ist allerdings die Dosis, die das Gift macht.

Das Ergebnis ist paradox: Man reduziert kurzfristige Schwankungen, senkt aber gleichzeitig die erwartete Rendite. Das größte Risiko im Ruhestand ist deshalb häufig nicht Volatilität – sondern Kaufkraftverlust über 20 Jahre. Worauf kommt es also bei Aktien im Ruhestand an?

Warum wir kein reines Aktienportfolio empfehlen

Trotz der hohen Renditen von Aktien sollten Ruhestandsportfolios nicht ausschließlich und auch nicht überwiegend mit Aktien bestückt werden. Grund ist die fatale Wirkung von Verlusten in Portfolios, die mit Ausschüttungen laufende den Lebensabend finanzieren. Über die Tragfähigkeit von Ruhestandsportfolios entscheidet nicht die langfristige, durchschnittliche Rendite, die Anleger in einem Zeitraum erzielen, sondern Wirkung der Reihenfolge der Renditen: Treten schwache Börsenjahre direkt zu Beginn der Entnahmephase auf, kann das ein Portfolio stärker belasten, als es die langfristige Durchschnittsrendite vermuten lässt.

Stellen wir uns eine Ruheständlerin mit einem Vermögen von 300.000 Euro vor. Sie entnimmt jedes Jahr 24.000 Euro, also acht Prozent ihres Anfangsvermögens. Das Portfolio ist aktienlastig und erzielt in normalen Jahren durchschnittlich zehn Prozent Rendite. Nun vergleichen wir zwei Situationen mit exakt denselben Annahmen – nur die Reihenfolge ändert sich. Im ersten Fall kommt direkt im ersten Jahr ein schwerer Börseneinbruch von fünfzig Prozent. Aus 300.000 Euro werden zunächst 150.000 Euro. Nach der Entnahme bleiben 126.000 Euro übrig. Von diesem deutlich kleineren Betrag aus muss sich das Portfolio wieder erholen. Zwar bringen zehn Prozent Rendite pro Jahr weiter Ertrag, aber dieser Ertrag reicht nicht aus, um die jährliche Entnahme von 24.000 Euro dauerhaft zu kompensieren. Das Vermögen schrumpft Schritt für Schritt – und ist nach rund zehn Jahren vollständig aufgebraucht.

Im zweiten Fall passiert genau derselbe fünfzigprozentige Crash erst im zehnten Jahr. Bis dahin wachsen die 300.000 Euro bei zehn Prozent Rendite trotz der jährlichen Entnahmen moderat an. Das Vermögen liegt vor dem Crash bei etwa 350.000 bis 370.000 Euro. Der Einbruch halbiert dieses Niveau, doch selbst danach bleibt deutlich mehr Kapital übrig als im ersten Szenario. Die Entnahmen laufen weiter, und das Vermögen sinkt zwar, aber wesentlich langsamer. In diesem Fall reicht das Geld insgesamt etwa neunzehn bis zwanzig Jahre – also fast doppelt so lange wie im ersten Szenario.

Beide Fälle unterstellen dieselbe durchschnittliche Rendite, denselben Crash und dieselbe Entnahme. Der einzige Unterschied ist der Zeitpunkt des Einbruchs. Genau das ist das Rendite-Reihenfolge-Risiko: Nicht nur wie stark die Märkte schwanken, sondern wann sie schwanken, entscheidet darüber, wie lange ein Portfolio im Ruhestand trägt.

Genau deshalb ist die Kombination aus Liquiditätsreserve, Anleihenbausteinen und Aktienbeimischung zentral. Struktur ersetzt nicht Risiko – aber sie steuert es.

Ein Praxisbeispiel aus dem Ruhestand

In einem realen Mandat einer 71-jährigen Ruheständlerin mit moderatem Risikoprofil erzielte ein überwiegend anleihenorientiertes Portfolio mit ergänzender Beimischung von maximal 30 Prozent Aktien über einen Zeitraum von rund 2,5 Jahren eine Gesamtrendite von 17,6 Prozent. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von über sechs Prozent, mehr als das Doppelte von dem, was zehnjährige Bundesanleihen heute an Rendite liefern. Da auf der Aktienseite niedrig schwankende Strategien (Low Volatility) zu tragen kamen, war das Risiko auf der Aktienseite geringer, als es die Aktienquote von 30 Prozent nahelegt. Mit einem maximalen Verlust von 4,5% in den Tagen um den Liberation Day im April 2025, die bis Ende Juli wieder aufgeholt wurden, war dieses Portfolio weit entfernt von der Kernschmelze, die das Portfolio-Beispiel weiter oben ereilte.

Dieses Beispiel stellt keine Prognose und keine Garantie für zukünftige Entwicklungen dar. Dennoch zeigt die Performance auf, was in einem strukturierten, diversifizierten Ruhestandsdepot möglich ist.

Wie wir solche Portfolios systematisch strukturieren, erläutern wir hier: Anlegerportfolios konstruieren

Welche Rendite ist heute realistisch?

Ein rein defensives Portfolio nahe Staatsanleihen wird sich typischerweise im Bereich von zwei bis drei Prozent bewegen. Unter Einbeziehung spezialisierter Anleihebausteine, in denen Kreditrisiken auf niedrige Laufzeiten treffen, sind langfristig Renditeaufschläge von 4 Prozentpunkte über dem sicheren Zins möglich. Aktuell entspricht das Portfolio-Renditen von 6-7 Prozent – allerdings sind diese Renditen nicht ohne Risiko zu haben. Schwankungen, Kreditrisiken und Jahre mit Verlusten gehören dazu. Allerdings ist die Fallhöhe bei Anleihen deutlich niedriger als bei Aktienportfolios. Unter Beimischung von Aktien lässt sich noch etwas mehr herausholen, und diversifizierte Portfolios bieten in Abwärtsphasen einen gewissen Schutz. Entscheidend ist die Struktur, nicht das einzelne Produkt.

Fazit

Wer ausschließlich auf sehr sichere Anlagen setzt, wird sich am aktuellen Zinsniveau orientieren müssen. Wer sich am Buffet der verschiedenen Kapitalmarktrisiken bedient – Aktien, Unternehmensanleihen, alternative Kreditsegmente – kann langfristig deutlich höhere Renditen als den sicheren Zins anpeilen. Nicht garantiert. Nicht ohne Risiko. Aber realistisch. Professionelle Vermögensverwaltung bedeutet nicht, eine Zahl zu versprechen, sondern ein Portfolio so zu strukturieren, dass es auch über zwei Jahrzehnte und länger tragfähig bleibt.

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Autor

  • Steffen Gruschka ist CFO und Co-Geschäftsführer von envestor und blickt auf rund 30 Jahre Erfahrung im aktiven Management von Schwellenländer-Aktienfonds zurück. In seiner Laufbahn wurde er mehrfach als Fondsmanager des Jahres ausgezeichnet. Zuletzt erreichte er 2025 in der Kategorie Aktien Emerging Markets die Spitzenposition und gehörte damit laut Handelsblatt zu den besten Fondsmanagern Deutschlands.

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