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Der Zins kneift wieder – wo wird’s eng?

Jetzt wird’s ungemütlich an den Zinsmärkten. Die Renditen amerikanischer, japanischer und deutscher Staatsanleihen steigen – mit Konsequenzen für Anleiheinvestoren, Aktionäre und alle, die eine Immobilie finanzieren oder refinanzieren. Wir analysieren, für wen die höheren Zinsen besonders schmerzhaft werden und wie sich Anleger positionieren können.

Der Iran-Krieg treibt die Inflation

Der Iran-Krieg hat die Energiemärkte auf den Kopf gestellt. Die Sperrung der Straße von Hormus hat rund 20% des weltweiten Rohölangebots und einen Großteil der globalen LNG-Lieferungen unterbrochen – Öl verteuerte sich um über 50% gegenüber dem Vorkriegsniveau, Gaspreise legten 70% zu. Die Internationale Energiebehörde (IEA) bezeichnet die Kriegsfolgen als die größte globale Energiekrise der Geschichte. Das sehen Anleger bereits in den Inflationsdaten. In Deutschland kletterte die Inflationsrate im März auf 2,7%, die Energiepreise allein stiegen um 7,2% gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Euroraum erreichte die Inflation im April 3,0%. In den USA stieg der CPI auf 3,8% – das ist der höchste Wert seit fast drei Jahren; der Erzeugerpreisindex legte sogar um 6% zu.

Wer einem Staat Geld für zehn Jahre leiht, trägt das Inflationsrisiko dieser zehn Jahre. Steigen die Inflationserwartungen, fallen die Kurse — unabhängig davon, was die Notenbank mit dem kurzfristigen Leitzins macht. Den langen Zins setzt nicht die Zentralbank, sondern der Markt. Und der Markt sendet gerade ein klares Signal: Die Breakeven-Inflationsrate — die Differenz zwischen nominalen Anleiherenditen und inflationsgeschützten Bonds — ist auf den höchsten Stand seit zwei Jahren gestiegen. 

Amerika verschuldet sich immer weiter

Der Iran-Krieg ist der Zünder. Die Lunte liegt schon länger. Die US-Staatsverschuldung ist seit Corona stetig gestiegen, beträgt aktuell knapp 39 Billionen Dollar und wächst um rund eine Billion Dollar pro Quartal. Das Haushaltsdefizit für 2026 wird auf 1,9 Billionen Dollar geschätzt. Trumps Steuerpaket dürfte die Schulden laut Congressional Budget Office über zehn Jahre um weitere 3,3 Billionen Dollar erhöhen. Die Zinsausgaben des US-Bundes haben 2025 erstmals die Marke von einer Billion Dollar jährlich überschritten – mehr als der gesamte Verteidigungshaushalt. 

Die USA müssen in den Fiskaljahren 2026 und 2027 jeweils über zwei Billionen Dollar netto neu an Treasuries am Markt platzieren — während die Fed ihre Bilanz abbaut und China seine Treasury-Bestände seit 2015 halbiert hat. Mehr Angebot, weniger Nachfrage: Neue Käufer sind nur mit höheren Renditen zu locken. Diese Term-Prämie — der Aufschlag, den Investoren für das Risiko verlangen, ihr Kapital ein Jahrzehnt oder länger zu binden — war in der Nullzins-Ära faktisch verschwunden. Sie kehrt zurück. Die zehnjährige Treasury-Rendite liegt bereits bei 4,67 %. Was das US-Finanzministerium 2024 noch als Projektion für Anfang der 2030er Jahre formulierte — mehr als fünf Prozent — könnte bald Realität werden.

Warum Japan das Geld zurückholt

Jahrzehntelang war Japan ein sehr wichtiger und stiller Großfinancier der Welt. Weil heimische Staatsanleihen nichts abwarfen, investierten japanische Lebensversicherer, Pensionsfonds und Banken Billionen in US-Treasuries und Bundesanleihen – und trugen dazu bei, die Anleihen-Renditen vor allem in den USA niedrig zu halten. Das kehrt sich jetzt um.

Die Bank of Japan hat ihren Leitzins auf 0,75% angehoben, den höchsten Stand seit 1995. Die Rendite zehnjähriger JGBs kletterte heute auf 2,80% – ein 29-Jahres-Hoch seit Oktober 1996. Die 30-jährige JGB-Rendite hat erstmals die Marke von 4% übersprungen. Auch hier wirkt der Iran-Krieg als Beschleuniger: Japan bezieht fast 90% seines Rohöls aus dem Nahen Osten – der Energieschock trifft das Land strukturell härter als jede andere große Volkswirtschaft und verstärkt den Inflationsdruck, der die BOJ zu weiteren Zinserhöhungen zwingt.

Je attraktiver JGBs werden, desto weniger Grund haben japanische Investoren, ihr Kapital im Ausland zu halten. Japan ist mit 1,24 Billionen Dollar der weltgrößte ausländische Halter von US-Staatsanleihen — mehr als China und Großbritannien zusammen. Japan Post Insurance, einer der größten Lebensversicherer des Landes, hat bereits angekündigt, seine Auslandsbestände umzuschichten. Japanische Investoren haben im Q1 2026 netto 29,6 Milliarden Dollar in US-Staatsanleihen verkauft — die größte Quartalsreduktion seit vier Jahren, mit monatlicher Beschleunigung. Bei 1,24 Billionen Dollar Gesamtbestand sind das erst 2,5%. Es könnte also noch viel schlimmer kommen.

Bundesanleihen im Sog 

Die 10-jährige Bundesanleihe rentiert aktuell bei 3,19% – der höchste Stand seit 2011. Verantwortlich sind zwei Mechanismen. Zum einen erleben wir eine veränderte Fiskalpolitik: Deutschlands Sondervermögen für Rüstung und Infrastruktur bedeuten strukturell mehr Anleiheemissionen – mehr Angebot drückt Kurse und treibt Renditen. Dazu kommt jetzt der globale Wettbewerb um Kapital: Weil die Renditen der US-Treasuries auf 4,6% steigen, fließt das Kapital aus niedriger verzinsten Anlagen ab und die Renditen steigen auch hierzulande. Der globale Kapitalmarkt bestimmt den Takt.Die EZB kann daran nichts ändern, solange Kapitalverkehrskontrollen tabu sind. Der Sell-off im Mai hat das eindrucksvoll demonstriert: Treasuries, Bunds, Gilts und JGBs fielen synchron – besonders stark am 15. Mai. 

Dennoch: Nicht alle Staaten leiden gleich, entscheidend ist die Schuldenquote. Laut IWF liegt Japan bei 204% des BIP, die USA bei 126%, Italien bei 138%. Wer so hoch verschuldet ist, muss einen wachsenden Teil seiner Steuereinnahmen für den Schuldendienst aufwenden – jeder Prozentpunkt höhere Rendite verschärft die Fiskalposition unmittelbar. Deutschland steht mit rund 63% des BIP bisher vergleichsweise solide da. Das erklärt, warum Bunds im globalen Renditeanstieg zwar mitgezogen werden, aber die Verzinsung im Vergleich mit Treasuries relativ niedrig ist. Für Länder wie Italien oder Griechenland ist das Bild düsterer: Steigende Renditen erhöhen dort die Refinanzierungskosten und können eine Schuldenspirale anstoßen, die politischen Druck auf die EZB erzeugt – und damit den gesamten Euroraum belastet.

Der neue Fed-Chef verunsichert die Anleger

In dieses Umfeld tritt Kevin Warsh als neuer Fed-Vorsitzender – vom Senat mit 54 zu 45 Stimmen bestätigt in einer Woche, in der der CPI auf 3,8% stieg, der PPI auf 6% sprang und Futures-Märkte erstmals eine Zinserhöhung noch für 2026 einpreisten. Er übernimmt kein leichtes Erbe.

Warsh hat angekündigt, das Dot Plot abzuschaffen – das Instrument, mit dem die Fed bisher ihren Zinspfad kommunizierte. Das reduziert die Transparenz und damit die Berechenbarkeit. Für kurzfristige Zinsen mag das wenig ändern. Auf der Zinskurve hat die Unsicherheit über die künftige Geldpolitik einen Preis: Sie erhöht die Risikoprämie, die Investoren für das Laufzeitrisiko verlangen. Ed Yardeni brachte es auf den Punkt: Wenn 2-jährige Treasuries über dem Niveau der Fed Funds Rate rentieren, glaubt der Markt nicht, dass der aktuelle Zins die Inflation bändigt. 

Was das für Anleihen, Aktien und Immobilien bedeutet

Das gleiche Bild sehen wir auch am langen Ende der Zinskurve: Die Renditen 30-jähriger Staatsanleihen steigen seit Jahren kontinuierlich und haben Niveaus erreicht, die wir in den USA und Deutschland zuletzt vor der Finanzkrise 2008 gesehen haben — und in Großbritannien sogar seit 1998 nicht mehr. In Japan sehen wir den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen 1999.

Für Anleiheinvestoren lautet die Rechnung wie folgt: Ein Renditeanstieg von einem Prozentpunkt beschert einem typischen Euro-Anleiheindex mit seiner Duration von rund 6,5 Jahren rund 6,5% Kursverlust. 2022 verlor der Index über 17%. Wer langlaufende Staatsanleihen als Stabilitätsanker hält, geht eine Zinswette ein – mit ungewissem Ausgang.

Für Aktionäre wirkt derselbe Mechanismus, wenngleich die Rechnung etwas komplexer ist: Unternehmensgewinne werden auf ihren heutigen Wert abgezinst, und dieser Satz orientiert sich an der risikofreien Rendite langlaufender Staatsanleihen. Steigt sie, sinkt der Barwert künftiger Gewinne. Besonders exponiert sind Unternehmen, deren Gewinne weit in der Zukunft liegen und deren Bewertung darauf beruht. Warren Buffetts Bild, wonach sich bei Ebbe zeigt, wer nackt ins Wasser gestiegen ist, lässt sich bei einem starken Zinsanstieg recht präzise illustrieren.

Hyperscaler fluten den Bond-Markt

Bei den Magnificent Seven ist das Bild gespalten – und es wird schlechter. Apple und Nvidia stehen noch solide da. Aber die vier Hyperscaler haben ihre Capex-Pläne für 2026 auf zusammen fast 700 Milliarden Dollar hochgeschraubt: Alphabet 180–190 Milliarden, Amazon 200 Milliarden, Microsoft 190 Milliarden, Meta 125–145 Milliarden. Das übersteigt bei weitem, was diese Unternehmen aus dem operativen Geschäft erwirtschaften. Amazon dürfte 2026 laut Morgan Stanley einen negativen Free Cashflow von fast 17 Milliarden Dollar ausweisen. Bei Alphabet, Meta und Microsoft schrumpft der kombinierte Free Cashflow auf ein Niveau, das zuletzt 2014 erreicht wurde – als diese Unternehmen einen Bruchteil ihrer heutigen Größe hatten. Um die Lücke zu schließen, gehen alle vier an den Anleihemarkt. Metas Langfristschulden sind von 29 Milliarden in 2024 auf 59 Milliarden Dollar in 2025 gesprungen. Alphabets Schulden haben sich im selben Zeitraum von 11 auf 47 Milliarden Dollar vervierfacht. In einem Umfeld mit steigenden langen Renditen wird diese Schuldenaufnahme teurer – und der Diskontierungssatz für die erhofften KI-Gewinne steigt gleichzeitig. Steigende Zinsen treffen diese Unternehmen damit doppelt: über höhere Finanzierungskosten und über sinkende Bewertungen.

Tesla ist eine andere Liga: Tesla hat seine Capex-Planung für 2026 auf 25 Milliarden Dollar angehoben, dreimal so viel wie im Vorjahr, und warnt selbst vor negativem Free Cashflow für den Rest des Jahres. Wessen Gewinne erst in einem Jahrzehnt durch Robotaxis und Optimus kommen sollen und wer gleichzeitig massiv Kapital verbrennt, ist bei 4,6% Treasury-Rendite besonders verwundbar.

Noch exponierter ist das breitere KI-Ökosystem. Oracle hat zur Finanzierung seines 300-Milliarden-Dollar-Vertrags mit OpenAI Schulden von über 100 Milliarden Dollar angehäuft — Anleihen, die inzwischen auf Junk-Niveau handeln. Der Credit Default Swap auf Fünfjahresbasis hat ein 16-Jahres-Hoch erreicht. Das Problem dahinter: OpenAI selbst soll bis 2028 kumulierte Verluste von 74 Milliarden Dollar aufhäufen. Wer mit geborgtem Geld Infrastruktur für einen Kunden baut, der selbst kein Geld verdient, ist in einem Hochzinsumfeld nicht nur verwundbar. Er ist nackt.

Das breitere KI-Ökosystem ist noch exponierter. Oracle hat allein im letzten Jahr 25 Milliarden Dollar in neuen Anleihen emittiert – um Rechenzentren für OpenAI und andere KI-Firmen zu finanzieren. OpenAI selbst verbrennt Milliarden ohne absehbar profitabel zu werden. Alphabet, Amazon, Meta und Oracle haben 2025 zusammen rund 121 Milliarden Dollar in neuen Anleihen aufgenommen, dreimal so viel wie noch 2020. Wall Street schätzt, dass der KI-bezogene Anleihebedarf 2026 zwischen 100 und 300 Milliarden Dollar liegen wird. Wer diese Papiere kaufen soll – in einem Markt, der gleichzeitig 2 Billionen Dollar US-Staatsanleihen pro Jahr absorbieren muss – und zu welchem Preis, ist eine offene Frage. Die Antwort dürfte höhere Renditen sein.

Strukturell noch exponierter sind Sektoren mit hoher Verschuldung und langfristigen fixen Cashflows. REITs – Immobilienaktiengesellschaften – haben bis Ende 2026 eine 1,5 Billionen Dollar schwere Refinanzierungsrunde zu bewältigen. Wer heute zu 4,6% refinanziert, was vorher bei 2% stand, hat ein Problem mit dem Zinsdeckungsgrad. Besonders gefährdet sind Office-REITs, die ohnehin unter Leerständen leiden, und Net-Lease-REITs mit engen Margen. Für Immobilieninvestoren gilt: Hypothekenzinsen folgen den langlaufenden Kapitalmarktrenditen, nicht dem EZB-Leitzins. Aktuell werden in Deutschland bei zehnjährigen Hypotheken Zinsen von rund 3,6% aufgerufen, rund 40 Basispunkte mehr als vor Beginn des Iran-Krieges. Der Anstieg folgt den zehnjährigen Bundesanleihen, die aktuell mit 3,15% rentieren. 

Für Bond-Anleger liegt die Würze in der Kürze

Die Lösung für Anleiheportfolios ist nicht die Flucht aus der Anlageklasse, sondern eine Reduktion der Duration – Kurzläufer und Floating-Rate-Strategien reduzieren die Zinssensitivität um 60–70% gegenüber klassischen Staatsanleihen-ETFs und zahlen heute wieder attraktive laufende Renditen. Wer darüber hinaus Bausteine für das Portfolio sucht, die ihren Ertrag nicht aus Laufzeitrisiko, sondern aus Kreditaufschlägen ziehen, findet sie in Hochzinsanleihen – die 2022 relativ stabil blieben, als langlaufende Staatsanleihen 15–20% verloren – oder in Anleihen-Nischen wie CoCos, Katastrophenbonds und strukturierte Kredite (Loans), deren Rendite nicht vom allgemeinen Zinsniveau abhängt, sondern von spezifischen Risiken – Katastrophen, Bankkapital, Kreditstrukturen. Deshalb setzen wir diese aktuell verstärkt in unseren Beratungsmandaten ein.

Kurze Laufzeiten begrenzen Kursverluste systematisch: Eine Anleihe kehrt – sofern der Schuldner nicht ausfällt – bei Fälligkeit mechanisch zum Nennwert zurück – die Zeit arbeitet für den Anleger, nicht gegen ihn. Anleihen sind wieder relevant. Aber nicht alle – nur die richtigen.

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Autor

  • Steffen Gruschka ist CFO und Co-Geschäftsführer von envestor und blickt auf rund 30 Jahre Erfahrung im aktiven Management von Schwellenländer-Aktienfonds zurück. In seiner Laufbahn wurde er mehrfach als Fondsmanager des Jahres ausgezeichnet. Zuletzt erreichte er 2025 in der Kategorie Aktien Emerging Markets die Spitzenposition und gehörte damit laut Handelsblatt zu den besten Fondsmanagern Deutschlands.

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