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Manus, Mythos, Meta: Bringt die Politik den KI-Hype ins Wanken?

China hat Meta die Übernahme des KI-Agenten Manus untersagt und die Rückabwicklung des Deals verlangt. Gleichzeitig zeigen die Sicherheitsbedenken rund um das neue Anthropic KI-Modell Mythos sowie Metas Streit mit der EU, dass die Regeln strenger werden. KI wird politischer, das ist schlecht für die Profitabilität. Wir zeigen, was Anleger machen können. 

Manus: KI unter Staatsschutz 

Der Manus-Fall ist deshalb aufschlussreich, weil das Unternehmen nicht (mehr) in China ansässig ist. Manus wurde zwar in China gegründet, verlagerte seinen Sitz aber Mitte 2025 nach Singapur. Das Unternehmen lehnte gleichzeitig Investitionsangebote lokaler Regierungen in China ab, weil eine zu enge staatliche Nähe aus Sicht des Managements dem internationalen Geschäft geschadet hätte. Sowohl die drei Gründer als auch die Mehrheit der Angestellten zogen nach Singapur um, bevor im Dezember 2025 die Übernahme durch Meta angekündigt wurde. Das nützt alles nichts: Im Januar leitete die NRDC (Nationale Entwicklungs- und Reformkommission) eine Prüfung ein, untersagte am 27. April die Transaktion und verlangte die Rückabwicklung. Die Behörden betrachten Manus weiter als chinesisch geprägte KI-Technologie.

Damit zählt nicht mehr nur, wo ein Unternehmen formal und operativ angesiedelt ist. Für die Politik werden auch die Herkunft von Technologie, Daten, Entwicklerteams und des geistigen Eigentums relevant. Ein KI-Unternehmen kann auch dann sicherheitspolitisch erfasst werden, wenn es rechtlich längst ins Ausland gewandert ist. Für Anleger verändern solche Eingriffe die Bewertungslogik von KI-Unternehmen. Staatliche Sicherheitsinteressen können strategisch wichtige Unternehmen stützen, weil sie geschützt, gefördert oder bevorzugt behandelt werden. Dieselben Eingriffe können aber auch Übernahmen von KI-Unternehmen verhindern, ihren Marktzugang begrenzen oder ihre internationale Expansion erschweren. 

Besonders leistungsfähige KI-Modelle können auch in anderer Hinsicht zur Sicherheitsfrage werden. Mythos, das neue (nicht öffentlich freigegebenes) Frontier-Modell von Anthropic hat wegen seiner offenkundig sehr weit entwickelten Fähigkeiten bei Software- und Sicherheitsanalysen Diskussionen bei Aufsehern und Cybersicherheitsexperten ausgelöst. Die US-Regierung holte Anthropic-CEO Dario Amodei ins Weiße Haus, um die Sicherheitsrisiken dieses neuen KI-Modells zu diskutieren – vor allem mit Blick auf Cybersicherheit und nationale Sicherheit. US-Finanzminister Bessent berief nach der begrenzten Freigab von Mythos kurzfristig Gespräche mit Bankenchefs ein. Wenn KI zu leistungsstark wird und die digitale Sicherheit auszuhebeln droht, wird das auch zum potenziellen Risiko für Anleger. 

Die Träger der KI-Technologie sind zudem oft Tech-Plattformen, denen mittelfristig Unbill bei der Regulierung droht. Auch Meta zeigt, wie teuer Regulierung für große Plattformen werden kann. Die EU-Kommission wirft dem Konzern vor, Facebook und Instagram würden Kinder unter 13 Jahren nicht ausreichend schützen und das Mindestalter nicht konsequent durchsetzen. Nach vorläufiger Einschätzung der Kommission könnten die beiden Plattformen gegen den Digital Services Act (DSA) verstoßen. Sollte Meta die Schutzmaßnahmen nicht verbessern, drohen hohe Bußgelder – bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Angesichts der sich dramatisch verschlechternden Beziehungen der USA zu Europa, könnte die EU im Gegensatz zur bisher nachsichtigen Linie dem Trump-Regime mit dem DSA die Zähne zeigen.

Ruinöser Kampf der KI-Modelle? 

Seit dem spektakulären Start von ChatGPT im Herbst 2022 hat sich herausgestellt, dass die Monetarisierung von KI komplexer ist als zunächst gedacht. OpenAI bleibt mit einer Bewertung von 852 Milliarden Dollar bei der letzten Kapitalerhöhung zwar das Aushängeschild der KI-Revolution, OpenAI fällt aber operativ zunehmend zurück. Laut einer Unternehmenskommunikation im Rahmen einer 122 Milliarden Dollar Kapitalaufnahme setzt das Unternehmen annualisiert 24 Milliarden Dollar um. Das weit weniger bekannte Anthropic kam mit seinem Modell Claude im April bereits auf einen annualisierten Umsatz von mehr als 30 Milliarden Dollar. Die Zahlen sind nicht vollständig vergleichbar, aber sie zeigen: Der KI-Markt ist viel offener und die “Moats” der Unternehmen schmaler,  als viele Anleger gedacht haben.

Das ist bemerkenswert, weil ChatGPT bei den Nutzerzahlen weiterhin klar vorne liegt. Nach Auswertungen auf Basis von Similarweb fiel zwar der Anteil am Gen-AI-Traffic binnen eines Jahres von 86,7 Prozent auf 64,5 Prozent, während Gemini von 5,7 Prozent auf 21,5 Prozent zulegte. Claude blieb beim Traffic aber noch unter ferner liefen mit nur rund 2 Prozent.

Die Nutzerzahlen und die Umsatzentwicklung laufen also auseinander. Reichweite garantiert im KI-Markt keine dauerhaft überlegene Ertragskraft. Der Platzhirsch wird von einem Anbieter mit deutlich weniger öffentlicher Sichtbarkeit beim Umsatz überholt. Die zahlungskräftige Nachfrage liegt offenbar im Unternehmens-, Entwickler- und API-Geschäft. Ob das Massenpublikum stärker zur Kasse gebeten werden kann, bleibt bisher unklar. 

Dabei ist die Billig-Konkurrenz aus China ein Problem. OpenAI verlangt für GPT-5.5 im Standardtarif fünf Dollar je eine Million Input-Tokens und 30 Dollar je eine Million Output-Tokens; Anthropic berechnet für Claude Opus 4.7 fünf Dollar beziehungsweise 25 Dollar. DeepSeek V4 Flash liegt mit 0,14 Dollar je eine Million Input-Tokens und 0,28 Dollar je eine Million Output-Tokens deutlich darunter. Bei Manus gibt es keinen Tokenpreis, weil das Unternehmen Aufgaben über Credits abrechnet. Rechnet man den Pro-Tarif von 20 Dollar für 4.000 Credits überschlägig auf typische Aufgaben um, ergibt sich nach unserer Schätzung ein Preis von rund 1 Dollar je eine Million Token-Äquivalente. 

Damit liegt Manus auch deutlich unter westlichen Premium-Modellen wie OpenAI und Anthropic. Chinas Eingriff verhindert deshalb nicht nur den Abfluss strategischer Technologie. Er sorgt auch dafür, dass Manus als chinesischer Anbieter im KI-Agenten-Markt erhalten bleibt – und damit den Preisdruck auf die Token-Preise erhält. Das erschwert es OpenAI, Anthropic und Google, attraktive Margen durchzusetzen und ihre hohen Investitionen zu amortisieren.

Der nachhaltige Preisdruck könnte für OpenAI & Co. irgendwann zum Problem werden. OpenAI selbst ist zwar nicht verschuldet , Unternehmen, die OpenAI mit Rechenzentren, Chips und Rechenleistung versorgen, haben aber rund 96 Milliarden Dollar an Schulden aufgenommen. Damit hängt OpenAIs Wachstum an der Fähigkeit seiner Partner, den Ausbau der Infrastruktur dauerhaft zu finanzieren. Wenn Kreditmärkte höhere Risikoaufschläge verlangen, kann das OpenAI indirekt treffen. 

Börse will jetzt Bares sehen

Gleichzeitig erhöhen die vier großen KI-Infrastrukturkonzerne (Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta) immer weiter ihre Kapitalausgaben. Aktuell sind für 2026 über 700 Milliarden Dollar geplant, ein Plus von 70 Prozent gegenüber 2025. Das entspricht dem doppelten Jahresgewinn dieser Unternehmen.

Auch hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Die Börse will nicht mehr nur von KI-Investitionen hören, sondern sehen, wo KI bereits messbar zum Umsatz beiträgt. Das zeigte sich zuletzt an den unterschiedlichen Kursreaktionen von Alphabet und Meta. Alphabet steigerte den Konzernumsatz im ersten Quartal 2026 um 22 Prozent auf 109,9 Milliarden Dollar; Google Cloud wuchs um 63 Prozent auf 20,0 Milliarden Dollar. Das Cloud-Wachstum zeigt, dass die KI-Nachfrage inzwischen messbar im Umsatz ankommt. Die Aktie stieg nachbörslich um mehr als sechs Prozent. Meta lieferte ebenfalls starke Zahlen, erhöhte aber die erwarteten Kapitalausgaben für 2026 von 115 bis 135 Milliarden Dollar auf 125 bis 145 Milliarden Dollar. Die Aktie fiel nachbörslich um mehr als sechs Prozent. Der Unterschied: Meta nutzt die Rechenleistung nur intern, Google dagegen verkauft Rechenleistung. Die Botschaft ist klar: KI-Ausgaben allein reichen nicht mehr; Investoren wollen sehen, wo daraus Umsatz, Margen und Cashflows entstehen. 

Dabei ist auch entscheidend, dass ein Teil des KI-Investitionsbooms über neue Schulden finanziert wird. Meta platzierte zuletzt Anleihen mit einem ausstehenden Volumen von über 25 Milliarden Dollar. Die Orderbücher erreichten in der Spitze 96 Milliarden Dollar, lagen damit aber deutlich unter der Nachfrage von rund 125 Milliarden Dollar bei Metas vorheriger 30-Milliarden-Dollar-Anleiheplatzierung. Das zeigt: Der Anleihemarkt finanziert den KI-Ausbau weiter, aber das Risiko steigt. S&P bewertet Meta weiterhin als Investment Grade, weist jedoch darauf hin, dass die steigenden KI-Investitionen anfingen, die Kreditkennzahlen zu belasten. Das klingt nach der Vorstufe eines negativen Ausblicks der Rating-Agentur. Und ein negativer Ausblick wäre wiederum die Vorstufe für ein späteres Downgrade. 

Eine exakte Gesamtsumme der KI-Schulden der Hyperscaler gibt es nicht, weil nur ein Teil der Finanzierung über öffentlich begebene Anleihen läuft. Zum Teil werden die Investitionen über Projektfinanzierungen, Leasing und private Kreditmärkte gestemmt. Die Größenordnung ist dennoch erheblich: Die Hyperscaler emittierten 2025 mehr als 100 Milliarden Dollar an Anleihen. Die Bank of America erwartet allein für 2026 rund 175 Milliarden Dollar an neuen Schulden. Der KI-Boom wird damit nicht nur aus laufenden Gewinnen, sondern zunehmend auch auf Pump finanziert. 

Fazit: steigendes Risiko Fragezeichen bei der Profitabilität 

Das Thema KI steckt längst in den meisten Aktienportfolios. Wer global anlegende Aktienfonds, ETFs auf den MSCI World bzw. Nasdaq 100 oder oder Wachstumsfonds besitzt, hält oft bereits hohe Anteile an den großen Plattform-Unternehmen, Halbleiteraktien, Cloud-Anbietern und Softwarekonzernen. Die Frage, ob inzwischen zu viel KI-Optimismus eingepreist ist, ist also nicht nur für Tech-Aktien-Anleger relevant.

Der S&P 500 wird aktuell mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20,9 für die kommenden zwölf Monate gehandelt und liegt damit über seinen Fünf- und Zehn-Jahres Durchschnitten. Die Magnificent Seven sind nicht zufällig identisch mit den Hyperscalern. Sie wurden zuletzt im Schnitt mit rund 28-mal der erwarteten Gewinne bewertet. Das ist zwar keine Dotcom-Blase, aber auch kein billiger Markt mehr.

Die bisherige Diskussion ist bekannt: Die aktuellen Bewertungen setzen voraus, dass KI-Investitionen in den nächsten Jahren tatsächlich in Umsatzwachstum und höhere Margen münden.  Wenn die Preise aufgrund der Billig-Konkurrenz aus China außerdem niedrig bleiben und die Kosten nicht entsprechend sinken, bleibt die Monetarisierung aus. Internationale Übernahmen, die Wettbewerbsdruck mindern könnten, werden zugleich unwahrscheinlicher. Dafür steigt das Risiko regulatorischer Eingriffe aus Sicherheitsgründen.Staatliche Eingriffe sind an der Börse nicht automatisch schlecht. Im Gegenteil: Die Investition des US-Staats in Intel hat sich für amerikanische Steuerzahler ausgezahlt. Aber die zunehmende Politisierung von KI fügt eine weitere Komplexität in die Bewertungen ein, die für Anleger wichtig sind. Im Default-Modus sind die zunehmenden staatlichen Interventionen daher tendenziell ein Grund für Bewertungsabschläge.

Das Risiko für den Anleger liegt vor allem in der Fallhöhe, und die ist gestiegen: Hohe Bewertungen in Kombination mit Verschuldung, staatlichen Eingriffenkönnen zu stärkeren Rückschlägen führen, wenn Anleger zur Überzeugung kommen, dass das Wachstumspotenzial geschrumpft ist. Unsere Analyse zur Aktienprämie zeigt, wie lange Anleger nach großen Einbrüchen warten mussten, um ihre Verluste gutzumachen. Wer große Abstürze vermeidet, muss später weniger aufholen und bleibt in schwierigen Marktphasen handlungsfähig. 

Wir prophezeien keine kurzfristige Korrektur und erst recht keinen anstehenden Crash. Nach der langen Hausse sind die Bewertungen aber anfälliger für Enttäuschungen.Staatliche Eingriffe erhöhen die Unsicherheit, weil sie Übernahmen, Marktzugang und Investitionspläne weniger planbar machen.

Darum Augen auf beim Eierkauf: Unsere Durchsicht vieler Anlegerportfolios zeigen, dass Investoren sich einmal über Fonds und ETFs Klumpenrisiken einhandeln und das Risiko zusätzlich über Investments in Einzelaktien verstärken.  Den Einfluss von Themen auf die Portfolioqualität haben wir in unserer Analyse zu KI-Fonds herausgearbeitet. Anleger sollten deshalb prüfen, wie viel teure KI bereits in ihrem Portfolio steckt. Entscheidend ist, ob die Bewertungen noch zu Wettbewerb und Risiken passen – und ob das Depot auch dann funktioniert, wenn die KI-Wette der Magnificent Seven nicht aufgeht. 

Ein sinnvoller Hedge gegen KI-Dominanz muss aber nicht aus langweiligen Defensivaktien bestehen. Sinnvolle Diversifikation entsteht vor allem dort, wo andere Kurstreiber wirken: ausgewählte Schwellenländer-Aktien, Rohstoffaktien und unkorrelierte Anleihen. Schwellenländer-Aktien bieten einen günstiger bewerteten Gegenpol zu US-Mega-Caps. Rohstoffnahe Aktien profitieren von geopolitischen Turbulenzen und knappen Vorprodukten. Insbesondere Anleihen wie Katastrophenbonds, Kreditportfolios und auch kurzlaufende Papiere stabilisieren das Portfolio, wenn die Aktien hoch bewerteter Wachstumstitel korrigieren.

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Autor

  • Steffen Gruschka ist CFO und Co-Geschäftsführer von envestor und blickt auf rund 30 Jahre Erfahrung im aktiven Management von Schwellenländer-Aktienfonds zurück. In seiner Laufbahn wurde er mehrfach als Fondsmanager des Jahres ausgezeichnet. Zuletzt erreichte er 2025 in der Kategorie Aktien Emerging Markets die Spitzenposition und gehörte damit laut Handelsblatt zu den besten Fondsmanagern Deutschlands.

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