Im dritten und letzten Teil unserer Serie „Wie investiere ich richtig?“ gehen wir auf die Frage ein, welches der effizienteste Weg für Anleger zum Kapitalmarkt ist. Fonds, egal ob aktiv verwaltete oder Indexfonds sind das A und O für den langfristigen Vermögensaufbau.

Wie können sich Anleger einen effizienten, diversifizierten Zugang zu den Kapitalmärkten verschaffen? Unsere dreiteilige Serie zum optimalen Investieren startete mit einer Einführung zum volkswirtschaftlichen Zusammenhang zwischen Sparen, Wachstum, Investieren und Konsumieren. Im zweiten Teil haben wir erläutert, warum Aktien das A und O jeder langfristigen Anlage sein sollten. Im dritten und letzten Teil wollen wir Anlegern nahebringen, warum Investmentfonds die optimale Lösung für sie sind. Auch wenn für die Investmentpraxis die Unterscheidung zwischen Indexfonds/ETFs und aktiv verwalteten Fonds wichtig ist, scheren wir hier alle Fondsarten über einen Kamm, weil es hier um allgemeingültige Fonds-Fragen geht. Zur Frage: „aktiv oder passiv?“ haben wir bereits ausführlich berichtet.

Fonds: Das Ganze ist mehr als die Summe aller Teile

Investiert ein Anleger sein Geld in einen Fonds, dann kauft er ein Wertpapier mit einer eindeutigen Kennnummer. Aber dieser Fonds ist viel mehr als nur ein Wertpapier. Ein Investmentfonds ist, bildlich gesprochen, ein bunter Strauß aus verschiedenen Wertpapieren. In diesem mehr oder weniger exklusiven Bouquet können sich verschiedene Finanzinstrumente wiederfinden: Aktien, Anleihen, Cash, Zertifikate, andere Fonds oder sogar Anteile an physischen Immobilien. Fonds streuen also das Vermögen der Kunden über viele Wertpapiere. Man spricht von Diversifikation.

Dem Prinzip der Diversifikation kann man sich auf zwei Ebenen annähern. Die intuitiv leicht verständliche: Ein Fonds senkt das Risiko einzelner Wertpapiere. Wer in eine Aktie investiert, setzt sich in vollem Maße dem Insolvenzrisiko eines Unternehmens aus. Man spricht vom idiosynkratischen Risiko. Nun sind die wenigsten Privatanleger Wertpapieranalysten, die eine tiefschürfende Expertise bei der Analyse von Unternehmen besitzen. (Selbst gute Analysten können schreckliche Portfoliomanager sein, aber lassen wir das an dieser Stelle.)

Deshalb ist es eine gute Idee, das Anlagerisiko auf viele Schultern, sprich: Aktien, zu streuen. Das eliminiert das Einzeltitelrisiko weitestgehend. Das ist nachvollziehbar. Geht ein Unternehmen mit einem Fonds-Gewicht von zwei Prozent pleite, wird das den Wert des Fonds – ceteris paribus – um zwei Prozent vermindern, was ärgerlich ist, aber beileibe keine Katastrophe. Wer in einen Aktienfonds investiert, senkt also das Einzeltitelrisiko, erntet aber die Prämie, die der Aktienmarkt zu bieten hat. (Man spricht vom – erwünschten – systematischen Aktienrisiko gegenüber dem – unerwünschten – idiosynkratischen Aktienrisiko.)

Die zweite Ebene der Fondsdiversifikation ist etwas komplizierter. Ein gut diversifizierter Fonds vereint Aktien, die sich idealerweise unterschiedlich zueinander verhalten. Relativ niedrig zueinander korrelierte Wertpapiere senken das Gesamtrisiko eines Fonds. Dann ist das Fondsrisiko niedriger, als es die Summe der Einzelteile vermuten lässt. Der Finanzwissenschaftler Harry Markowitz gilt als Vater der modernen Portfoliotheorie. Er hat den Spruch geprägt, dass Diversifikation das Einzige ist, was Anleger am Markt geschenkt bekommen („Diversification is the only free lunch in investing“).

Fonds für das Volk: Was noch hinter diesen Wundertöpfen steckt

Bereits die Vorteile der Diversifikation zeigen, dass Fonds optimale Vehikel für Privatanleger sind, gerade für solche, die nicht die nötigen Mittel haben, um ein Portfolio aus vielen verschiedenen Aktien aufzubauen. Je nach Ausrichtung können sich Fonds aus dutzenden, hunderten, ja sogar tausenden von Aktien oder Anleihen zusammensetzen. Sie werden deshalb auch als Vermögensverwaltung des kleinen Mannes bezeichnet. Das unterstreichen auch die anderen Merkmale von Fonds.

Fonds sind flexibel, da Anleger jederzeit entscheiden können, wieviel Geld sie in einen Fonds investieren und wann sie den verkaufen wollen. Die allermeisten Fonds sind täglich handelbar; ETFs, also börsennotierte Indexfonds, stellen oft sogar hundertfach am Tag indikative Preise, die sehr nah an den tatsächlichen Börsenkursen der zugrunde liegenden Wertpapiere handeln.

Fonds sind zudem optimale Sparvehikel. Anleger können bei den meisten Vertriebsstellen (Banken, Broker, Vermittler und Plattformen) Sparpläne schon ab 25 Euro abschließen. Darüber hinaus gibt es – mit wenigen Ausnahmen – keine Mindestlaufzeiten. Anleger kommen also zeitnah an ihr Geld heran, wenn sie Liquidität benötigen.

Darüber hinaus sind Fonds transparent. Bereits vor dem Kauf können sich Anleger – anders als bei Versicherungen – anhand der Fondsprospekte und Fondsbroschüren über die Details der Anlagestrategie und über die wesentlichen Stammdaten informieren. Die Dokumente informieren auch über die Bilanz des Fonds in der Vergangenheit und über die getätigten Investments – etwa über die Einsicht der Halbjahres- und Jahresberichte. Die europäische und deutsche Regulierung trägt dazu bei, dass die Transparenz voranschreitet. Seit Verabschiedung der europäischen Transparenzverordnung müssen Fonds auch über ihre Nachhaltigkeitseigenschaften informieren.

Schlussendlich sind Investmentfonds vom Insolvenzrisiko des Emittenten sicher. Es handelt sich um Sondervermögen. Das bedeutet, dass das Vermögen der Anleger gesondert von dem Vermögen der Kapitalverwaltungsgesellschaft aufbewahrt wird. Ginge also eine KVG pleite, wäre das in den Fonds investierte Geld nicht Teil der Insolvenzmasse. Anleger sind dann also geschützt. Zudem macht die Regulierung Fonds sicherer. Insbesondere die Finanzkrise 2007/9 hat dazu geführt, dass Fonds, Depotbanken und auch der Investmentvertrieb regulatorische Lücken schließen mussten, was die Sicherheit von Fonds verbessert hat.

Die Geschichte des Investmentfonds

Der Ursprung des Investmentfonds ist nicht gesichert. In der Literatur wird das Jahr 1774 genannt. Ein gewisser Abraham von Ketwich legte in den Niederlanden ein Gemeinschaftsvermögen mit dem Namen „Eintracht macht stark“ auf. Es handelte sich um einen Anleihenfonds. Zuvor wurde 1836 als Geburtsstunde des Investmentfonds vermutet, als die britische „West Cornwall Mines Investment Company“ gegründet wurde. Die Investmentfonds der Moderne stammen dagegen gesichert aus den USA. Der erste offene Publikumsfonds wurde 1924 aufgelegt; der älteste noch existierende Fonds ist der MFS Investors Trust, der ebenfalls 1924 auf den Markt gebracht wurde. Bereits früh in ihrer Geschichte wurden Anleger in Fonds durch eine staatliche Regulierung geschützt. Der Securities Act of 1933 sah die Hinterlegung eines Produktprospekts bei der US-Wertpapieraufsicht SEC vor. Der Securities and Exchange Act of 1934 führte eine regelmäßige Berichtspflicht ein. Es folgten weitere Regulierungen – bis hin zum Investment Company Act of 1940, der wichtige Anlagerichtlinien für Fonds festlegte.

In Deutschland wurden Investmentfonds erst nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt. Der älteste Fonds hierzulande ist der Fondak (steht für „Fonds für deutsche Aktien“). Er wurde im Jahr 1950 aufgelegt. Inzwischen finden sich 700 Fondsgesellschaften mit einem Vermögen von 4,3 Billionen Euro in Deutschland. Neben Fonds für Privatanleger (offene Publikumsfonds), gibt es auch Fonds für institutionelle Anleger wie Pensionsfonds, sowie Mandate für Institutionen außerhalb von Fonds.

Deutscher Fondsmarkt 2021

Daten per 31.12.2021, Quelle: BVI

Aktienfonds: Renditeträchtig aber riskant

Aktienfonds. Mit einem Vermögen von 633 Milliarden Euro (Ende 2021) sind Aktienfonds die wichtigste Gattung des Investmentfonds. Seit Anfang 2019 legte das Vermögen um knapp 300 Milliarden Euro zu. Das spiegelt die gute Performance von Aktien in der Zeit, aber auch die hohe Nachfrage der Anleger wider. Es finden sich in erster Linie breit streuende Fonds mit internationalen (u.a. Industrieländer, Schwellenländer) oder regionalen (u.a. Asien, Europa) Schwerpunkten. Doch auch riskantere Branchen- und Themenfonds erfreuen sich großer Beliebtheit bei Anlegern. Hier handelt es sich um weniger diversifizierte Investments, bei denen Anleger auf enger gefasste Trends setzen. Das birgt Chancen, aber auch die Gefahr, durch prozyklische Investments schlechte Renditen zu erzielen. Das ist dadurch zu erklären, dass Themenfonds oftmals dann aufgelegt werden, wenn das zugrundeliegende Thema bereits zu einem guten Stück gelaufen ist. Ein Trend ist schließlich dann ein Trend, wenn die Masse der Anleger ihn als solchen erkannt hat.

Allerdings haben Aktien eine unschöne Angewohnheit: Geht es an der Börse in großem Stil abwärts, bewegen sich Aktien tendenziell im Gleichklang. Aktienfonds sind bei langfristigen Aufwärtsbewegung nicht zu schlagen, aber die eine oder andere Finanzkrise haben gezeigt, dass Aktienfonds sehr hohe Verluste erleiden können, die auch nicht so schnell wieder aufgeholt werden können. Man spricht dann von einer Scheindiversifikation: Wenn man sie am dringendsten braucht, ist sie nicht zu haben.

Wider das Aktienrisiko: Diversifikation alt und neu

Das bringt uns zu den diversifizierenden Alternativen. Fangen wir mit Mischfonds an. Gut 400 Milliarden Euro stecken deutschlandweit in Mischfonds. Mischfonds zählen nach Aktienfonds zu den beliebtesten Fonds bei Anlegern in Deutschland. Ende 2018 waren es noch 268 Milliarden Euro. Die Stunde der Mischfonds schlug nach der Finanzkrise 2007/9, nachdem Aktien hohe Verluste erleiden mussten. Seitdem vertrauen Anleger – aber auch immer mehr Berater – die Entscheidung über die passende Allokation über die verschiedenen Anlageklassen dem Fondsmanager ihres Vertrauens an. Mischfonds investieren in Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Bargeld und immer öfter auch in Derivate.

Unterscheiden lassen sich Mischfonds nach dem Anteil von Risiko-Anlagen: Defensive Mischfonds legen überwiegend in Anleihen bzw. Cash an. Ausgewogene Mischfonds verteilen das Anlegergeld in etwa hälftig auf Aktien und Anleihen/Cash. Aggressive Mischfonds sind Aktien-orientiert, und die Manager flexibler Mischfonds können frei entscheiden, wie sie die Anlegergelder allokieren.

Allerdings sind auch Mischfonds keine Selbstläufer. Zwar haben Anleihen in der Vergangenheit Aktienportfolios gut diversifiziert, aber die Märkte machen dieser Faustregel immer wieder einen Strich durch die Rechnung. So auch in diesem Jahr. Die Kombination aus hoher Inflation, ungewissen Wachstumsaussichten und steigenden Zinsen haben Aktien und Anleihen gleichermaßen unter Druck gesetzt. Im Laufe des ersten Quartals 2022 haben lang laufende Anleihen mitunter doppelt so viel verloren wie breit gestreute Aktienindizes. Mischfonds müssen heute also mehr können als nur Aktien und Anleihen zusammen zu bringen. Es sind daher in den vergangenen Jahren immer mehr Mischfonds auf den Markt gekommen, die auch das Marktrisiko von Anleihen und Aktien im Blick haben. Ein Beispiel für sogenannte alternative Mischfonds, die auch als moderne Multi-Asset Fonds bezeichnet werden, ist der DWS Conservative Opportunities. Er versucht, auf verschiedenen Wegen Renditen aus Aktien, Anleihen, aber auch Rohstoffen und Derivaten zu erzielen.

Rentenfonds: Verblasste Mythen

Rentenfonds. Etwa 230 Milliarden Euro sind in Publikumsfonds investiert, die auf Anleihen setzen. Das sind Fonds für Staatsanleihen, aber mit zunehmender Dauer der Anleihen-Hausse wurden immer riskantere Segmente der Rentenmärkte erschlossen, etwa Unternehmensanleihen, inklusive sogenannter Junk Bonds, Schwellenländer-Anleihen und Fonds für strukturierte Anleihen. Dennoch hat die Bedeutung dieser Fondskategorie in den vergangenen Jahren abgenommen. Immer mehr Anleger sehen hier kein Rendite-Potenzial mehr – zumindest nicht im Verhältnis zum Risiko. Das Vermögen in Rentenfonds ist seit Ende 2018 nur unwesentlich gestiegen.

In den vergangenen Jahrzehnten sind die Renditen derart stark gefallen, dass die Rentenmärkte höchst anfällig für eine Korrektur geworden sind. Eine Rendite von null Prozent oder sogar weniger über die gesamte Laufzeit des Portfolios deutet das Ertragspotenzial an: Null oder weniger. Fonds mit relativ starren Laufzeitbändern laufen Gefahr, die Verluste für Anleger einzuloggen, sodass Investoren – je nach Ausstiegszeitpunkt – mitunter hohe Verluste drohen. Das gilt insbesondere für ETFs. Angesichts der Aussicht auf steigende Zinsen mag das künftige Renditepotenzial langsam wieder in ein nominal positives Terrain kommen – Bestandsanleihen mit langen Laufzeiten drohen zunächst jedoch empfindliche Kursverluste. Das sogenannte Renditeparadoxon hält also Anleger davon ab, in großem Stil in Anleihenfonds zu investieren, und das ist auch gut so.

Immobilienfonds: Sachwerte mit unwillkommener Cash-Komponente

Immobilienfonds. Mit einem Vermögen von 125 Milliarden Euro zählen offene Immobilienfonds ebenfalls zu den beliebten Fondsprodukten in Deutschland. Diese Fonds investieren zumeist in Gewerbeimmobilien wie Bürohäuser, Einkaufszentren, Logistik und Hotels. Manche Fonds haben einen Schwerpunkt auf bestimmte Länder oder Regionen. Zuletzt sind Fonds verstärkt auf den Markt gekommen, die sich auf Wohngebäude spezialisiert haben. Die Performance hängt vor allem davon ab, wie hoch die Mieteinnahmen sind und wie sich der Wert der Gebäude entwickelt.

Seit der Reform der offenen Immobilienfonds nach wiederholten Liquiditätskrisen gelten Beschränkungen bei der Handelbarkeit. Zwar können diese Fonds börsentäglich gekauft werden. Seit Juli 2013 können Anteile aber nur mit einer Kündigungsfrist von zwölf Monaten nach einer zweijährigen Haltefrist zurückgegeben werden. Zwar können diese Fonds auch über die Börse gehandelt werden, allerdings zahlen Anleger dann wegen der mitunter hohen Handelsspannen einen hohen Preis für den vorzeitigen Exit.

Diese Beschränkungen wurden eingeführt, um die Fonds vor den Folgen hoher, abrupter Mittelabflüsse zu schützen. Offene Immobilien sind ziemlich illiquide, da sie in Gebäude investieren. Die sind – im Gegensatz zu Aktien oder Anleihen – nur mit langen Vorlaufzeiten veräußerbar. Nach dem Platzen der Tech-Bubble nach dem Jahr 2000 sind Immobilienfonds immer wieder in Liquiditätskrisen geschlittert.

Für die Renditepraxis wichtig ist zudem die seit der Reform von 2013 geltende obligatorische Cash-Quote. Die liegt zwar bei nur fünf Prozent, in der Praxis statten die (über-?) vorsichtigen Fondsanbieter die Fonds aber oftmals mit über 20 Prozent Liquidität aus. Das hat die Performance dieser Produkte gedämpft. Unter Ausschluss der zahlreichen in Liquidation befindlichen Fonds lag die Performance bei offenen Immobilienfonds im Schnitt der vergangenen zehn Jahre bei unter drei Prozent jährlich. Angesichts der begrenzten Veräußerbarkeit dieser Fonds und der noch immer vorhandenen Liquiditätsrisiken ist die Attraktivität dieses Segments damit begrenzt.

Die vollständige Serie „Wie spare ich richtig“ in der Übersicht:

Teil I: Sparen, Investieren, Konsumieren

Teil II: Verlass ist nur auf die Aktienprämie

Teil III: Fonds für den optimalen Vermögensaufbau

 

 

 

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